Jacob Karlzon & Rhani Krija - Mosaic
Jacob Karlzon & Rhani Krija
Mosaic
Erscheinungstermin: 27.06.2025
Label: Intuition, 2025
Ein Duo zweier Virtuosen, deren Musik durch große Musikalität, emotionales Engagement und ein tiefes gegenseitiges Verständnis besticht. Besonders beeindruckt uns die kompositorische Idee dieses Albums: rhythmische Komplexität verschmilzt mit melodischem und klanglichem Kontrapunkt zu einem stimmigen Ganzen. Mosaic regt zudem zum Nachdenken an – über den unerschöpflichen Reichtum, den der Jazz im Bereich des Ausdrucks und der Komposition hervorgebracht hat. Ein eindrucksvolles Werk, das zeigt, wie vielschichtig und inspirierend musikalischer Dialog auf höchstem Niveau sein kann. (Jacek Brun, 03.07.2025)
Besetzung
Jacob Karlzon - piano, keyboards
Rhani Krija - percussion
Meisterhafte Klangarchitektur: Jacob Karlzon & Rhani Krija erschaffen ein Mosaik der Emotionen
So verschiedenfarbig und -förmig, so geometrisch anregend und beispielhaft figürlich wie ein Mosaik ist die Musik von Jacob Karlzon und Rhani Krija. Die beiden Musiker, die unterschiedliche Musiksozialisationen durchliefen, sind „Mosaic“: ein Piano- und Percussion-Duo, das die Kraft der Intuition auf seinem Debütalbum in neue Höhen trägt. Die erste Begegnung des schwedischen Pianisten Jacob Karlzon mit dem marokkanischen Perkussionisten Rhani Krija fand on the road in Dominic Millers Band statt. Krija war von Karlzons Musikalität und Offenheit beeindruckt, mit der dieser spontan Melodien- und Rhythmus-Kleinode von höchst vitaler Aussagekraft schuf. Dem Pianisten wiederum erschlossen sich unmittelbar die Fähigkeiten und der Drang des Perkussionisten, live auf der Bühne zu komponieren und in einen musikalischen Dialog zu treten. Beide fühlten sich sofort zu Hause in der reichen Musiksprache des jeweils anderen.
Später ging es für die beiden Virtuosen daher folgerichtig nicht ins Studio, sondern zunächst auf die Bühne. Wohlwissend, wie stark die Vitalität ihrer gemeinsamen Musik vom Faktor Zeit abhängt, wurde nicht lange gefackelt. Klassisches Jamming stand dabei weniger im Vordergrund. Vielmehr ging der Drang nach dem versuchsweisen Komponieren in der Live-Situation voll auf. Krija gibt unumwunden zu, kein besonders geduldiger Mensch zu sein. Dementsprechend ging es gleich im Anschluss an das Konzert mit den überschaubaren Strukturen von zehn spontan erdachten Stücken in ein Aufnahmestudio. Nichts sollte dem direkten Dialogisieren im Weg stehen. Die emotionale Tiefe und die beinahe fühlbare Räumlichkeit, auf denen das Album „Mosaic“ fußt, unterstreichen, wie inspiriert und spontan die Aufnahmebedingungen gewählt wurden.
Beim Mosaic-Duo entstehen Kompositionen wie Puzzles aus dem Augenblick heraus. Die in Echtzeit entstehenden Fragmente werden in größere Harmonie- und Groove-Zusammenhänge gebracht. Daraus resultieren kreative Reibung und Spannung, die ihre Auflösungen im äußerst feinjustierten Weben von Geschichten finden. Das Storytelling von Karlzon und Krija ist unter anderem wegen des pausenlosen Rollentauschs einzigartig. Der Mann nordafrikanischer Herkunft lässt seine zahlreichen Schlaginstrumente bisweilen melodiengeneigt singen, während der Skandinavier an den 88 Tasten seines Flügels durchweg Pulsmuster vorgibt. Vielschichtig und farbreich gestalten beide Instrumentalisten ihre jeweiligen Kerndisziplinen aus. Beispielhaft für diese Form der Interaktion ist das Stück „Mosaic“.
Myriaden von harmonischen und metrischen Untergruppen greifen darin ineinander, die Krija und Karlzon in neue Dimensionen führen. Der Schwede schwärmt davon, dass ihn die nordafrikanisch beeinflusste Ideenvielfalt seines Kompagnons ein Stück weit aus westlich geprägten Musikdenkmustern befreit hat. Krija wiederum sieht in Karlzons Akkord- und Melodieverständnis seine Faszination für Bach bestätigt. Die musikhistorisch-geografischen Koordinaten zwischen Süden und Norden sind in kontemplativen Nummern wie „A Walk in Ambivalencia“ zwar greifbar. Auf dem „Mosaic“-Album verdichten die beiden Musiker sie jedoch so, dass etwas Neues entsteht: ein eigener Kontinent.
In dem Stück „Blank Page“ werden die Melodienoten ständig in unterschiedlichen Rhythmen gruppiert. Eine namentliche Ähnlichkeit zu Frank Zappas „The Black Page“ ist allerdings weder beabsichtigt noch strukturell gegeben. „Further Down That Road“ hebt mit Zwiesprache haltenden Molltönen den gemeinsamen Respekt der beiden Musiker vor den Ausdrucksmöglichkeiten des Jazz und seiner Subgenres hervor. Im Kontext des Songs spricht Jacob mit hochgezogener Augenbraue davon, dass sowohl das Klavier als auch Percussion-Instrumente „Massenvernichtungswaffen“ sein können. Das geteilte Bewusstsein, aus der Wertschätzung für Musik das Privileg der freien Vermittlung gewinnen zu können, lässt das Duo zu einem offenen System verschmelzen. Triolen, 16tel-Noten und gelegentlich gestreute ungerade Meter sorgen zunächst für ein disparat wirkendes Klangmosaik. Die Aufbauten der zehn Stücke sind jedoch Vehikel, um beständig expressive Geschlossenheit zu erreichen. Bekommt „Mosaic“ dadurch eine politische Bedeutung? Karlzon und Krija winken ab. Wer in ihrem anhaltenden gegenseitigen Würdewahren jedoch ein solches Motiv erkennen möchte, liegt nicht grundsätzlich falsch. Krija, der bereits mit Peter Gabriel, Sting und Herbie Hancock auf allen Kontinenten unterwegs war, und Karlzon, der seinerseits mit zahllosen Jazz-Größen spielte, sehen in ihrer Musik vielmehr eine heilende Wirkung. Der Dialog trage zu spiritueller und emotionaler Verbindung bei, sagen sie. Ihr geteilter „Mosaic“-Weg führt diesen Gedanken exemplarisch vor.
Titelliste
- Blank Page
- A Walk In Ambivalencia
- Mosaic
- Subsurface Serenade
- Glow
- Zenith
- Further Down That Road
- Closer Look
- Lost & Found
- Last Dance
jazz-fun`s recap:
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