JazzBaltica 2018 oder 13 Kurzgeschichten vom hohem Meer im Osten, dem Mare Balticum und seinem Jazz. Sa. 23.06.2018

Was von Sex, Drugs und Rock & Roll übrigbleibt - Donny McCaslin Quartet

Donny McCaslin
Donny McCaslin, Foto: Jacek Brun

Donny McCaslin, der Saxofonist, hat maßgeblich den Sound von David Bowies Abschiedswerk geprägt, so das Programmheft. Der folgende Bericht ist höchst subjektiv. Andere Ohren können zu anderen Ergebnissen gelangen.

Der E-Bass treibt an, liefert sich wiederholende Ostinato-Figuren. Rockige Elemente, aber eher zeitgenössisch vorgetragen. Dies bringt eine frische Brise in die etwas sauerstoffarme Halle. Leider bleibt dieser frische Charakter nicht lange erhalten, denn Jasons Lindner, der Mann am E-Piano zeigt, warum er auf dieses sterile elektronische Gerät schwört. Ein „kosmischer“ Sound entweicht seinen Tastenanschlägen, wobei er noch einen Synthesizer zur Hilfe nimmt. Auf jeden Fall was mit Knöpfen und Schaltern. Das Resultat ist ein waberndes elektronisches Brausen. Der Mann kennt kein Pardon bei seinem langen Statement. Dies ist was für Fans der Club-Szene. Eine ganze Menge an verformten Hörgewohnheiten durch Techno (hektisch, schrill, monoton, laut) sind wohl vonnöten, um Gefallen an diesen Klängen zu finden. Hier überspielen Monotonie und Lautstärke die fehlende musikalische Aussage. Verhaltener Applaus.

Ein neuer Mann betritt die Bühne und gibt sich dem Singen hin. Stilistisch schwer zu sagen, was hier zu hören ist. Weder Hip Hop, noch Rap, auch kein jazziges Scatting. Es wird einfach gesungen. Warum nicht?

Donny McCaslin Quartet
Donny McCaslin Quartet, Foto: Jacek Brun

Nun verschafft sich das Tenorsax von Donny McCaslin unbedingtes Gehör. Es sind schrille, beißende Tonfolgen, die nur wenig variieren und seine Soli schnell langweilig erscheinen lassen. Ironischerweise setzt gerade der Gesang einen Gegenpol zu den Tenorkaskaden. Der „Gag“, das Auffallen, die Performance stehen im Vordergrund, die Musik bleibt außen vor. Dieser „Stil“ findet vermutlich auch ihre Liebhaber, besser ihre „affinen Fans“, aber heute Abend sind sie nur vereinzelt anzutreffen.

Im Verhältnis der Klangräume zwischen Saxofon und E-Piano nimmt sich der Gesang noch wohltuend aus. Akustisch ist vom Text fast nichts zu verstehen, vielleicht für ausgefuchste Native Speakers. Bass und Drums bleiben solistisch im Hintergrund, liefern den erforderlichen Klangteppich für den Frontmann am Tenor.

Diese Musik ist weit weg von dem alten Punktitel „Sex and Drugs and Rock & Roll“. Da bleibt wohl nur der „Drogencharakter“ übrig mit dem Dröhnenden, dem Zuknallen der Ohren durch den lärmenden Sound. Ein Song trägt den Titel „Destroy“. Wenn es der musikalische Inhalt sein soll zu verstören, so ist die Band dazu auf gutem Weg. Auch das Jungvolk wandert ab, dann der Autor.

Text: Cosmo Scharmer

Foto: Jacek Brun

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