Moritz Stahl Quintett - Traumsequenz

Moritz Stahl Quintett - Traumsequenz
Moritz Stahl Quintett - Traumsequenz

Moritz Stahl Quintett
Traumsequenz

Erscheinungstermin: 22.03.2024
Label: Unit Records, 2023

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jazz-fun`s recap:

Die Musik ist zwar frei und wild, aber auch sehr detailverliebt. Jeder Ton ist sorgfältig dosiert. Die Bandmitglieder hören immer aufeinander und respektieren den Raum des Partners. Moritz Stahl und sein Quintett haben sich hier ihre eigene schöne musikalische Welt geschaffen.

Moritz Stahl - tenor- & soprano sax
Philipp Schiepek - nylon string & electric guitar
Julius Windisch - piano
Lorenz Heigenhuber - bass
Leif Berger - drums

Moritz Stahl träumt. Oder besser: Er hat geträumt! Von einer Musik, in der er neue Wege findet, sich auszudrücken, freier zu denken, freier zu spielen, freier zu interagieren. Der Traum ist wahr geworden! „Traumsequenz“ ist das erste Album des 1991 geborenen und im schwäbischen Bobingen aufgewachsenen Saxophonisten und Bandleaders. Ein langer innerer Weg liegt hinter diesem Album, viel Gedankenarbeit steckt in dieser Musik und auch in der Zusammenstellung der Band.

Moritz Stahl, in der bayerischen und deutschen Jazzszene bekannt als Mitglied der Jazzrausch Bigband, als Saxophonist im Philipp Schiepek Quartett und im Luca Zambito Quartett sowie im Trio der Sängerin Fiona Grond und vielen anderen Ensembles, schmiedete 2022 Pläne, als Bandleader mit eigener fester Besetzung und eigenen Kompositionen in Erscheinung zu treten.

Offene Formen und freie Improvisation faszinierten ihn in dieser Zeit immer mehr, er suchte nach Mitmusikern, die in ein solches Bandkonzept passen könnten - und wurde fündig. Der Schlagzeuger Leif Berger, geboren in Münster, ist einer der gefragtesten jungen Protagonisten der Kölner Szene. Sein Gespür für flächiges, klangfarbenreiches Schlagzeugspiel ist großartig, ohne dass er dabei den Drive verliert. Julius Windisch aus Stuttgart ist als Pianist und Keyboarder in der Berliner Szene aktiv und hat sein besonderes harmonisches Feeling in frei improvisierenden Projekten erlernt und zur Perfektion verfeinert. Seine offenen Ohren lassen ihn blitzschnell auf alle musikalischen Gegebenheiten reagieren. Mit beiden hat Moritz Stahl noch nie zusammen gespielt, aber ihren Sound konnte er in sich hören, als er sein Quintett zusammenstellte. Bassist des Quintetts ist Lorenz Heigenhuber. Der in Leipzig lebende, aus Bayern stammende Kontrabassist ist in verschiedenen Bands aktiv, derzeit besonders gefragt im Trio mit der Pianistin Olga Reznichenko. Mühelos fließen aus seinen Fingern die komplexesten Tonfolgen mit sattem, holzig rundem Klang. Nur mit dem Gitarristen Philipp Schiepek arbeitet Moritz Stahl regelmäßig in verschiedenen Bands zusammen, beide sind befreundet und haben sich intensiv über dieses Bandprojekt ausgetauscht.

Diese Musiker brachte Moritz Stahl im Sommer 2022 für mehrere Konzerte im Münchner Jazzclub Unterfahrt zusammen. Ohne Probe präsentierte der Saxophonist seinen Mitspielern am ersten Abend das komplexe Material, aus dem sich das Repertoire des Albums Traumsequenz" zusammensetzt, und der Traum nahm auf der Bühne Gestalt an. In dieser Sommerwoche wuchs die Band zusammen und der Wunsch nach einer gemeinsamen Aufnahme entstand. Im Mai 2023 trafen sich die fünf wieder, ohne ein einziges Konzert in der Zwischenzeit, aber Moritz Stahl hatte in der Zwischenzeit wieder viel Gedankenarbeit in die Kompositionen gesteckt. An die Magie der Live-Konzerte konnte direkt im Kyberg Studio in München angeknüpft werden. Der Traum von einer ganz persönlichen, aufregenden, anregenden und horizonterweiternden Musik wurde für Moritz Stahl Wirklichkeit.

Dabei beeindruckt „Traumsequenz“ klanglich und gestalterisch auf ganzer Linie. Der Gitarrist Philipp Schiepek, immer wieder auch an der klassischen Gitarre, öffnet mit den filigranen Klängen der Nylonsaiten in einem solchen Kontext ungewohnte Klangräume, aber auch hier darf er seine Klangideen zu einem dichten Geflecht weben, und die Musik verliert durch den transparenten Klang nichts von ihrer Kraft. Vorsichtig ist das Album „Traumsequenz“ an keiner Stelle, alle fünf Beteiligten lassen sich auf die ungewisse Reise durch die Kompositionen von Moritz Stahl ein. Er selbst nimmt sich als Solist Raum, lässt aber an vielen Stellen auch Luft. Sein satter, facettenreicher Tenorsaxophonton ist präsent, aber nie dominant. Nie ist der Saxophonist oder ein anderer Beteiligter auf Effekt aus, die Musik entwickelt rhythmisch und harmonisch einen leidenschaftlichen Sog. Man spürt in jedem Ton die Erfahrung der noch jungen, aber ausdrucksstarken Improvisatoren. Das ist nicht das überhastete Erstlingswerk eines aufstrebenden Talents, das ist die durchdachte und ausgefeilte Musik eines Musikers auf Augenhöhe mit den ganz Großen des internationalen Jazz. Vor allem wenn Moritz Stahls Sopransaxophon erklingt, das er erst vor kurzem wieder in sein Repertoire aufgenommen hat, spürt man den musikalischen Forschergeist und die Lust an tonalen Entdeckungen. Dabei erinnert Stahl in seinem Ausdrucksspektrum durchaus an Wayne Shorter, was ästhetisch sicher nicht das schlechteste Vorbild ist.

Unter dem Namen „odizouu“ ist Moritz Stahl auch als Künstler und Produzent im Bereich der elektronischen Musik tätig, und diese Seite schimmert in den insgesamt fünf „Episoden“ auf „Traumsequenz“ sehr subtil durch. Es sind frei improvisierte Teile aus verschiedenen Takes des Stückes „Procrastination Episode“. Jeder dieser komplett aus dem Moment heraus improvisierten Parts gefiel Stahl so gut, dass er nach einer Möglichkeit suchte, sie alle als eigenständige Stücke auf das Album zu bringen. Diesen Passagen mit Klavier, Bass und Schlagzeug fügten Moritz Stahl und Philipp Schiepek im Nachhinein Saxophon- oder Gitarrenparts hinzu. So entstand ein Kommentar zur bereits aufgenommenen Musik, eine große Hommage an den freien Moment. „Traumsequenz“ ist das Statement eines Bandleaders, der seinen Weg und seine Ausdrucksweise gefunden hat, aber selbstbewusst weiter sucht. Träum weiter Moritz Stahl, große Musik wird dabei herauskommen!

Text: Unit Records

  1. Introducing
  2. Procrastination Episode
  3. Episode 1
  4. Salzwiesen
  5. Traumsequenz I Lenticular Labyrinth
  6. Episode 2
  7. The Ominous
  8. Traumsequenz II Glassharp Callada
  9. Traumsequenz III Deiwner
  10. Traumsequenz IV Iridescent Cyan
  11. Episode 3
  12. Oliviers Pensive
  13. Episode 4
  14. Traumsequenz V Lux Cache
  15. Episode 5
  16. Lonk
  17. Aiglatson

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