Esperanza Spalding - Emily's D + Evolution

Esperanza Spalding - Emily's D + Evolution

Esperanza Spalding
Emily's D + Evolution

Erscheinungstermin: 04.03.2016
Label: Concord, 2016

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Mit 31 Jahren steht Esperanza Spalding eigentlich noch ziemlich am Anfang ihrer Karriere. Einer Karriere, in der sie bisher vier Platten unter eigenem Namen vorlegte und Jazzgrößen wie Stanley Clarke, Jack DeJohnette, Christian Scott, Joe Lovano, Mike Stern und Bobby McFerrin, aber auch Popstars wie Bruno Mars und Janelle Monáe auf deren Alben begleitete. Seit sie sich vor zehn Jahren auf ihrem Debütalbum “Junjo” vorstellte, hat Spalding immer entschlossen, intuitiv und geschickt sowohl ihre Kunst als auch sich selbst als genreverändernde Komponistin, Bassistin und Sängerin weiterentwickelt. Spaldings Werke, die zwar in der Jazztradition verwurzelt sind, sich von dieser aber nie einschränken lassen, brachten ihre vier Grammys ein und verschafften ihr Auftritte bei den Verleihungszeremonien von Oscars und Nobelpreisen, im Weißen Haus und mit Prince und Herbie Hancock. Nicht nur Esperanza Spalding weiß, wer sie ist. Auch wir wissen es.

Oder besser: wir glauben es zu wissen. Denn das elastische Ich und Werk eines wahren Künstlers wandelt sich ständig; Ideen werden kanalisiert, Gestaltänderung wird notwendig. Auf “Emily’s D+Evolution” (ausgesprochen “D plus Evolution”) lernt man Emily kennen. Das ist zum einen Esperanzas zweiter Vorname, zum anderen auch die Bezeichnung für die Muse, die durch dieses vieldimensionale, theatralisch inszenierte Performance-Kunstwerk geistert, das hier in einer brilliant eindringlichen, lebhaften Aufnahme festgehalten wurde. Die Musik von Spaldings Alter ego speist sich dabei manchmal aus so unterschiedlichen Quellen wie The Cream, Schostakowitsch oder St. Vincent. “Emily’s D+Evolution”, für das Esperanza bei sechs Tracks Tony Visconti (David Bowie) als Koproduzenten gewinnen konnte, ist ein kaleidoskopisches Projekt: ungeschliffen, ehrlich, phosphoreszierend.

Das Album handelt konzeptionell von dem stets aufregenden, manchmal chaotischen Prozess der Versöhnung unserer verschiedenen Ichs, die sich miteinander in Konflikt befinden. Vor buchstäblicher und sprichwörtlicher Elektrizität explodierend, wurden die komplexen, aber unmittelbaren Kompositionen dieses Albums zum Teil live vor einem Publikum von zwanzig oder mehr Personen, die den Kontrollraum bevölkerten, aufgenommen. Das Trio, bestehend aus Spalding (Fretless-Bass und Gesang), Matthew Stevens (E-Gitarre) sowie Justin Tyson und Karriem Riggins (die sich am Schlagzeug abwechseln), entschied sich oft für den ersten Take - ein Zeugnis für die besondere Energie dieses Projekts und Spaldings Virtuosität. Viele der Kompositionen von “Emily’s D+Evolution” waren schließlich bei vorangegangenen Live-Darbietungen auf der Bühne ausgebrütet worden.

Beseelt von Emilys Wesen sind natürlich auch Spaldings Live-Performances des Albums, die ein unvergessliches Erlebnis und ein integraler Teil des Projektes selbst sind. Bei ihren Auftritten bezieht Spalding erstmals Bühnendesign, Bewegung und Schauspielerei in ihre auch so schon lebendige musikalische Geschichtenerzählerei ein. Dabei arbeitet sie mit dem Bühnenregisseur und Dramatiker Will Wiegler zusammen, um ihre Konzepte auch physisch umzusetzen, nun da sie bereits akustisch Leben gewonnen haben. Jedes Stück auf dem Album “Emily’s D+Evolution” - von “Good Lava”, einer hochfliegenden Ode an ungehemmte Selbstdarstellung, bis zur bewegenden, schimmernden Funk-Ballade “Unconditional Love” - ist prachtvoll, überraschend und labyrinthisch, doch zugleich auch klassisch und zeitlos, als ob die Songs da draußen im Äther schon immer existiert hätten. Man könnte sagen, dass Spalding sich nur auf Emilys Wellenlänge begeben musste, um sie zur Erde herabzubringen.

  1. Good Lava
  2. Unconditional Love
  3. Judas
  4. Earth To Heaven
  5. One
  6. Rest In Pleasure
  7. Ebony And Ivy
  8. Noble Nobles
  9. Farewell Dolly
  10. Elevate Or Operate
  11. Funk The Fear
  12. I Want It Now

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