Donos Kulturalny: der Musik auf der Spur

Krzysztof Komorek über das Geschehen in der polnischen Jazzszene.

Krzysztof Komorek - Gründer und Herausgeber der Donos kulturalny. Moderator der Radiosendung „Co w jazzie piszczy“ [„Was im Jazz steckt“] des Radiosenders Jazzkultura. Autor der Zeitschriften Jazz Forum und JazzPRESS, der Websites jazzin.pl, jazzarium.pl, jazzpress.pl, jazzvalley.com, polishjazz.blogspot.com und upolujebooka.pl. Host der Kino-Jazz-Veranstaltungen.

Krzysztof Komorek, Foto: Klaudia Krupa

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Grzegorz Tarwid Trio - Flowers

Grzegorz Tarwid Trio - Flowers
Clean Feed Records, 2023

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Ein weiterer polnischer Künstler hat es in den Katalog des renommierten Labels Clean Feed Records geschafft. Der portugiesische Verlag präsentierte Ende Oktober die ersten Aufnahmen des Trios von Grzegorz Tarwid.

In der Besetzung des Trios finden sich bekannte Namen. Mit dem Bassisten Max Mucha spielt der Leader im Oktett von Marek Pospieszalski (ebenfalls bei Clean Feed Records erschienen). Der Schlagzeuger Albert Karch wiederum ist bekannt, wenn auch nur durch seine langjährige Zusammenarbeit im Sundial Trio oder durch die Produktion seiner bisherigen Solo-Veröffentlichungen.

„Flowers“ besteht zwar nur aus sechs Tracks, ist aber zeitlich sehr ausgedehnt und dauert insgesamt fast eine volle Stunde. Und sie sind für den Hörer eine ziemliche Überraschung. Wer das künstlerische Schaffen von Grzegorz Tarwid aufmerksam verfolgt, hat schon seit einiger Zeit eine Faszination für elektronische Klänge und Instrumente festgestellt. Auch an die impulsive, energiegeladene und leicht exzentrische Atmosphäre seiner Musik hat man sich gewöhnt. Flowers“ geht jedoch in eine ganz andere Richtung.

Das Debüt von Clean Feed ist eine Art Rückkehr zum Mainstream-Jazz. Wir hören eine moderne Ausprägung des Klaviertrios. Und das auf eine sehr klassische Art und Weise. Natürlich gibt es Ausflüge in die typischen Extravaganzen des Pianisten, aber der stilistische Wandel ist deutlich spürbar.

Das Trio spielt großartig. Es lässt sich von der Klassik, der lokalen Folklore und der brasilianischen Musik inspirieren. Baroque and Barcelona" ist ein Hörgenuss, ebenso das abschließende Sleep", das über eine Viertelstunde (!) dauert und an die besten Piano-Ensembles der Jazzgeschichte erinnert. Kontrabass und Schlagzeug ordnen sich der Dominanz des Klaviers perfekt unter und schaffen ein subtiles, aber solides Fundament für die Darbietungen des Leaders.

Ganz traditionell, aber keineswegs konservativ. So kann man dieses Album beschreiben. Gewagt, pervers in vielerlei Hinsicht. Und vor allem sensationell in seinem musikalischen Inhalt.

Text: Krzysztof Komorek
Donos Kulturalny

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