Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu vielen Meldungen weiterführende Inhalte: detaillierte Album-Reviews, exklusive Interviews, ausführliche Konzert und Festivalreportagen und fundierte Künstlerbiografien. Unsere kuratierten Besten Jazz-Alben bündeln darüber hinaus die prägendsten Veröffentlichungen eines Jahres – als Orientierung in einer stetig wachsenden Jazzwelt.
Das Dirk Engelhardt Quartett - im Berliner Jazzclub Schlot am 30.12.2017. Standards heißt das Zauberwort. Ja, all die herrlichen Titel, die im Laufe der Jazzgeschichte zu herausragenden, von einer Vielzahl von Jazzern gepflegt wurden und die in der hörenden Jazzwelt nach wie vor geliebt werden. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Die Mack Goldsbury Group im Berliner A-Trane – 25 bis 27.12.2017. Wer einen Tenorsaxofon-Sound, mit einem gewaltigen Schlag Tradition eines stilbildenden Instruments im Jazz hören wollte, der konnte den kräftigen, voluminösen Sound, den der Man am Tenor den Hörern um die Ohren blies, als passendes Geschenk zu den Festtagen verstehen. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Weiterlesen … Chrismas Special oder alle Jahre wieder … kommt Mack Goldsbury!
Es fängt schon witzig an. Da werden ein paar Takte – nein, eigentlich nur eine Sequenz – angerissen, die nach vertrauten Klezmer-Harmonien klingen. Dann stoppt die Band. Alle – besonders Paul Brody – schauen ratlos in die Runde. Was ist los? Wie geht es weiter? Na, mit der Wiederholung dieser Sequenz, natürlich. So geht dies nicht seinen „sozialistischen“, eher seinen “selbstironischen Gang“, den des schlitzohrigen Paul Brody. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Berlin, 29. November 2017 | In der zweiten Förderrunde des unter Mitwirkung der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) gegründeten Musikfonds wurden 66 Projektanträge aus allen Bereichen der zeitgenössischen Musik mit insgesamt rund 720.000 Euro bewilligt. Projekte aus den Bereichen Jazz, Improvisation und Rock/Pop sind mit rund einem Drittel weiterhin stark vertreten. Zahlreiche Projektanträge sind darüber hinaus sparten- und genreübergreifend konzipiert.
Nach dem Beethoven nun der Bach. Was nach einem klassischen Klavierkonzert tönt, ist es aber nicht. Was dann? Doch Klassik? Ja und Nein. Es ist beides. Was der Bassist Dieter Ilg auf seiner aktueller CD - auf das Beethoven-Album folgend – präsentiert, kann sowohl als eine improvisiere Version dieser großen barockklassischen Themen gelten, als auch für sich in Anspruch zu nehmen, als vollblütiger Jazz zu gelten. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Durch die einleitenden Worte des Moderators erfahren wir, dass Tyshawn Sorey als diesjähriger „Artist in Residence“ (leitender musikalischer Künstler) ein 20-köpfiges Orchester zusammenstellen konnte und ihm ansonsten keinerlei Auflagen über den Charakter der Komposition oder des Events gemacht wurden. Also freie Hand für den Conductor, den wir vereinfachend als „Dirigenten“ begreifen. Zuvor konnte Tyshawn Sorey in drei Konzerten mit seiner getrommelten Schlagwerkstatt große Furore erzielen. Siehe das Konzert mit Gebhard Ullman: „Feuerwerk mit Blasorchester“. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Der Nameweist darauf hin: Würdigung des Pianisten Thelonious Monk zum Hundertsten Geburtstag. Dazu stellte Pianist und Arrangeur John Beasly eine – von der Besetzung her – klassische Big Band zusammen. In dieser Band befinden sich - wegen der Wertschätzung der hiesigen Jazzszene - vier Berliner Jazzmusiker. Die Posaunen von Sören Fischer und Johannes Lauer, das Bariton-Sax von Nik Leistle (auch Mitglied im furiosen Maria Baptist Orchestra) und die Trompete von Till Brönner, wenn wir ihn zu den Berlinern zählen wollen. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Als erstes stellt der moderierende rbb-Redakteur Ulf Drechsel die Band als Familienangelegenheit der kanadischen Schwestern Jensen aus Vancouver vor. Dann bemüht er eine schöne Metapher, die die Schwestern über selbst verwenden. Dieses Bild bezieht sich auf den (nichttropischen) Regenwald im Westen von Kanada. „Wenn ich ein Baum des Regenwaldes bin, so bist Du der darüber fallende Regen“. Bildhafte Worte zum Auftakt. Alle sind gespannt. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Stacey Kent, eine der bekanntesten und mit 2 Millionen verkauften Alben und einer Grammy-Nominierung auch eine der erfolgreichsten Jazzsängerinnen, hat mit I Know I Dream ihr erstes Album mit großem Orchester aufgenommen.
„Erwarten Sie das Unerwartete“, so die Moderation bei der Vorstellung der Musiker. Ja, gut so. Genau dies trat ein. In den Medien wurde Tyhawn Sorey als ein Künstler vorgestellt, der mehr ist als ein Jazz Drummer. Ein Musiker, der neben seinen Fähigkeiten als Pianist und Posaunist die Stille hörbar machen kann. Da wurde über die Auseinandersetzung von Tyhawn Sorey mit Zen-Buddhismus und dessen Auswirkungen auf sein Spiel philosophiert. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Berlin, 07. November 2017 | Im Rahmen des am Sonntag zu Ende gegangenen Jazzfest Berlin hat die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) zum 13. Mal den Albert-Mangelsdorff-Preis (Deutscher Jazzpreis) verliehen. Der Preis, der als wichtigste Auszeichnung für Jazz im deutschsprachigen Raum gilt, wurde am Freitagabend im Haus der Berliner Festspiele an die Kölner Saxofonistin und Komponistin Angelika Niescier überreicht.
Manchmal ist es positiv, wenn eine nicht bekannte Band bis zum Auftritt unbekannt bleibt und auf Recherchen wie Hören von CDs oder Videos verzichtet wird. Die Spannung bleibt erhalten, Überraschungen jeglicher Art sind möglich. So auch bei diesem Sextett, das neben der Rhythmusgruppe, verstärkt durch die Gitarre, als wichtigste Solostimme über die Trompete verfüg. Zwei Gesangstimmen prägen den Sound, eine als konventionelle Stimme, die andere Stimme kommt als „Voice aus dem Off“. Damit sind wir beim Thema. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Berlin, 04. November 2017 | Der Berliner Jazztrompeter Nikolaus Neuser ist neuer Vorsitzender der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ). Er wurde auf der Mitgliederversammlung der berufs- und fachpolitischen Interessenvereinigung am 04. November 2017 in Berlin in das Amt gewählt. Neuser tritt die Nachfolge des Saxophonisten und Komponisten Gebhard Ullmann an, der den Vorsitz seit 2013 innehatte. Stellvertretender Vorsitzender bleibt Felix Falk, hauptamtlicher Geschäftsführer ist weiterhin Urs Johnen.
Silke Eberhard, Sarah Tandy, Daniel Casimir, Kai Lübcke. Silke Monk meets Thelonious Eberhard. Durch die informative und unterhaltsame Einführung der Moderatorin erfährt das Publikum im brechend vollen Club A-Trane, dass diese Musiker noch nie zusammengespielt oder geprobt haben, sondern sich nur durch ihre Videos aus dem Netz kennen. Wir sind gespannt. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Viele seiner Alben wurden als Duo eingespielt. Darunter das ihn früh bekanntmachende Zusammenspiel mit dem Tenorsaxofonisten Heinz Sauer, dem weitere Aufnahmen folgten, später dann Nils Lundgren oder Vincent Peirani oder Kollege Joachim Kühn. Daneben bevorzugt Michael Wollny das Spielen im Trio. Ein Text von Cosmo Scharmer
Heiko Fischer (geb. 1982), der 2011 mit der Echo-Auszeichnung „Bester Gitarrist National“ für sein Spiel auf seinem ersten Album Lucid ein Debut an der Jazzspitze Deutschlands feierte, das fulminanter nicht hätte sein können, zeigt mit General Relativity einen würdigen Nachfolger. Und er ist aufregend. Hier trifft Konzept auf pure und ungefilterte Emotion, formale Mathematik auf das unsagbar Mysteriöse der Musik, sowie die eigene biografische Vergangenheit auf den ungezähmten Willen nach Weiterentwicklung.
Die nordische Weihnacht hat so gar nichts zu tun mit Pomp und Kitsch, Überfluss und großen Gesten. Sie ist familiär und traditionell, schöpft ihre Kraft aus der Stille. Kontemplation und Konzentration bestimmt die schönste Zeit des Jahres in den skandinavischen Ländern. Und ihre Musik ist ein Spiegelbild dessen, dieser leisen wie innigen Stimmung: Aus Schweden berühmt geworden ist „Christmas With My Friends“ von Nils Landgren. Wohltönend und wärmend, gefühlvoll und zart begleitet der Starposaunist seit über 10 Jahren die Weihnachtszeit.
Den „Sound of Europe“, die Verbindung aus Jazz mit den unterschiedlichsten Einflüssen der europäischen Musik, einem breiten Publikum zu präsentieren, ist eines der wichtigsten Anliegen der von Siggi Loch kuratierten Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“. Vom Aufspüren der „Celtic Roots“ über eine Wanderung durch die „Norwegian Woods“ bis zur Reise durch den Süden mit „Mediterraneo“.
Deutsch-polnisches Gipfeltreffen des Jazz. Am 27. und 28. Oktober hat uns die Jazz Federation Hamburg zum ersten "Star Jazz Festival" in den Miralles Saal der Jugendmusikschule in Hamburg-Harvestehude eingeladen. Die künstlerische Leitung des Festivals hat der aus Polen stammende Pianist Vladyslav Sendecki.
Angekündigt war das CD-Release von „Kind of Spain“. Dies wurde es nur bedingt. Waren doch nur zwei Musiker von der CD-Besetzung dabei: der Chef selbst und der Mann am Vibrafon, Christopher Dell. Die Tasten des Pianos schlägt Roberto di Goia anstelle von Jan Lundgren und den für Bass von Lars Danielson springt Christian Diener in die Saiten. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Fünf Jahre jung war Gregory Porter, als er die Musik von Nat "King" Cole für sich entdeckte und den schwarzen Crooner, der im Übrigen auch ein hervorragender Jazzpianist war, zu seinem musikalischen Leitbild auserkor. Mehr noch: da sein leiblicher Vater die Familie verlassen hatte als Porter sehr klein war, stellte er sich vor, dass Nat "King" Cole sein Vater sei. Und so ersetzten die Botschaften, die Cole in vielen seiner Lieder vermittelte, für den kleinen Gregory die fehlenden väterlichen Ratschläge.
Zeit ist relativ, das wissen nicht nur Philosophen und Quantenphysiker. Auch das Lisbeth Quartett hat von je her einen eigenen Zeitbegriff. Erkennbar an der inneren Ruhe, mit der die Band ihre transparente bis dichte Musik im Studio und auf der Bühne entwickelt.
Nach insgesamt vier Trio-Alben ist am 20.10.2017 sein erstes Soloalbum erschienen: „Lorenz Kellhuber Live At The Montreux Jazz Festival“! Aufgeteilt in drei Opera präsentiert Kellhuber ein pianistisches Meisterstück als mitreißende Soloimprovisation. Mit den kongenialen Piano-Interpretationen zweier Songklassiker („Little Wing“ von Jimi Hendrix und „Can´t Find My Way Home“ von Steve Winwood) als Zugaben, komplementiert er das Album.
Berlin, 25. Oktober 2017 | Die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) gratuliert allen Veranstalterinnen und Veranstaltern, die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters in diesem Jahr mit dem Spielstättenprogrammpreis APPLAUS ausgezeichnet werden. 86 Clubs und Veranstaltungsreihen werden bei der Preisverleihung am 25. Oktober 2017 im Alten Schlachthof in Dresden geehrt. Die Ausstattung des höchstdotierten Bundesmusikpreises wurde zuletzt auf insgesamt 1,8 Millionen Euro verdoppelt.
Mit "Völuspá" veröffentlichen Síd ihr zweites Studioalbum. Das Trio spielt experimentellen Jazz, holt aber weit aus und klingt von verwunschen romantisch bis metallen hart nach sämtlichen Klangschattierungen. Musik alleine ist das nicht. Es ist vielmehr ein Hybrid aus musikalischen Texturen und einer Art Hörspiel-Vertonung vom gleichnamigen Gedicht. Síd haben nicht nur ein musikalisches Wunderwerk in elf Liedern erschaffen, sondern auch eine eigene Welt ausgehoben.
Zwei Jahre nach der Veröffentlichung seines hochgelobten ENJA-Debuts "Natural Perception" (ENJA Records, 2015) kehrt Tobias Meinhart jetzt mit einem tiefgründigen und eindringlichen neuen Album zurück. "Silent Dreamer" ist dunkler sowohl im Ton als auch in der Thematik, denn Tobias setzt auf eine tonale Palette, die näher mit der brodelnden alternativen und populären Musikszene verwandt ist: pulsierende Grooves, Synthesizers, Effektpedale, Rhodes und E-Bass vereinen sich alle in der melodischen, modernen Jazz-Sensibilität des Saxophonisten um einen Klangkörper zu formen der mitreißend, rau und kathartisch zugleich ist.
Auf dem Programm von „Dream“ stehen überwiegend eigene Kompositionen, darüber hinaus eine Duo-Version von Glyks Viral-Hit „Tears In Heaven“ (Eric Clapton). Es geht viel um Groove, um Spaß, aber auch darum, über die Musik ein persönliches Verhältnis zu den Hörern aufzubauen: „Musik ist für mich mehr als nur ein Klang. Ich versuche, mit den Menschen ganz andere Sachen zu teilen, als nur das Spielen von langsamen und schnellen Noten. Denn ich will Songs schreiben, die etwas mitteilen. Musik ist für mich eine große Reise. Ich mache das, was ich liebe, und es ist wunderbar! Meine Träume erfüllen sich schneller, als ich es jemals erhofft hatte!“
Nur wenige Musiker teilen die Fähigkeit des Alt-Saxophonisten / Komponisten Rudresh Mahanthappa, die expansiven Möglichkeiten seiner Musik mit seiner Kultur zu verkörpern. Was sich materialisiert hat, ist ein Klang, der progressive Jazz- und südindische klassische Musik in einer fließenden und zukunftsweisenden Form hybridisiert, die Mahanthappas eigene Erfahrung widerspiegelt, die einen Indier der zweiten Generation aufwachsen lässt.
Melanie Heizmann singt Gedichte von Mascha Kaléko für Kinder im jazzigen Gewand. Auch Musik für Kinder darf anspruchsvoll sein – quasi „akustisches Holzspielzeug“. Der Wunsch von Melanie Heizmann ist, dass die nächste Generation mit handgemachter Musik aufwächst, die aus mehr als drei Akkorden besteht – und an der auch erwachsene Musik-Fans Freude haben!
„Jetzt geben auch die noch ihren Senf dazu“! Könnte man eventuell ausrufen, angesichts der Schwemme von gipfelstürmenden Bands, die unverzagt ihr Glück auf dem immer unübersichtlicher werdenden Musikmarkt versuchen. Noch so eine „Jugend-Forscht-Combo“, die wievielte überhaupt? Aber wer allein schon das Gütesiegel der Jazz thing Next Generation auf sein CD-Cover kleben darf und noch dazu als die laufende Nummer 70 in einer langen Reihe von herausragenden Talenten reüssiert, also ein kleines Jubiläum repräsentiert, den sollte man auf keinen Fall ungehört zur Seite legen!
Zwei Alben in zwei Tagen – eine Aufnahme Im Mai 2016 sprachen Challenge Records Direktor Anne de Jonge und ich darüber, ein neues, internationales Trio-Album mit André Ceccarelli, einem meiner Lieblingsdrummer aufzunehmen. Vor weniger als einem Jahr haben André und ich zusammengearbeitet, sind mit Enrico Pieranunzis European Trio aufgetreten und haben zusammen aufgenommen. (Jasper Somsen, 20. Juli 2017)
Drei Meister ihrer Instrumente musizieren auf diesem langerwarteten Album mit dem tunesischen Oud-Virtuosen Anouar Brahem. Für Brahem und Dave Holland stellt die im Mai 2017 in New York eingespielte Aufnahme eine Wiederbegegnung dar: Sie spielten erstmals für das Album Thimar mit John Surman zusammen. Brahem und Jack DeJohnette wiederum treffen sich auf Blue Maqams zum ersten Mal für eine Aufnahme. Holland und DeJohnette allerdings waren in den letzten Jahrzehnten häufig Partner, seit ihrem Zusammentreffen bei Miles Davis ist ihr Zusammenspiel legendär. Auch der britische Pianist Django Bates fügt sich stimmig in diese Gruppe.