Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu vielen Meldungen weiterführende Inhalte: detaillierte Album-Reviews, exklusive Interviews, ausführliche Konzert und Festivalreportagen und fundierte Künstlerbiografien. Unsere kuratierten Besten Jazz-Alben bündeln darüber hinaus die prägendsten Veröffentlichungen eines Jahres – als Orientierung in einer stetig wachsenden Jazzwelt.
»Was würde mit unserer Kreativität geschehen, wenn wir etwas aus dem Nichts erschaffen?« Diese Frage geht dem Schlagzeuger Joost Lijbaart immer wieder durch den Kopf. Als Jazzmusiker verwendet er zur Improvisation die Struktur von Stimmung und Melodie, aber er beansprucht auch das Überschreiten dieser Grenzen, um spontan improvisieren zu können.
Es ist kein Zufall, dass Jasper Somsens drittes (und später dieses Jahr viertes) Challenge Records-Album eine internationale Klaviertrio-Besetzung aufweist. Nachdem er in den letzten Jahren unter anderem im Trio mit Enrico Pieranunzi, Joey Calderazzo, John Beasley, Jeff Ballard, Justin Faulkner und André Ceccarelli aufgetreten ist bzw. aufgenommen hat, ist er nun ein gefragter Künstler (insbesondere) bei Pianisten.
Phronesis haben es geschafft, sich über die letzten Jahre den herausragenden Ruf als eine der kraftvollsten und energetischsten Jazz-Ensembles der letzten Dekade zu machen. Bekannt für ihre Virtuosität, Dynamik und Zusammenspiel hat das Ensemble große Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen und eine treue, globale Fanbase geschaffen.
Als herausragender Sologitarrist verfügt Peter Autschbach über ein weit gestecktes musikalisches Vokabular und überzeugt mit profunder Spieltechnik, großer Stilsicherheit und authentischen Sounds.
Essen als Ersatzreligion – Der aktuelle Hype ums Essen gab dem Berliner Schlagzeuger Max Andrzejewski die Idee zu einem Gospel übers Essen. Das neue Album seiner Band HÜTTE (Neuer Deutsche Jazzpreis 2013), erweitert um einen 13-köpfigen Chor mit Gospelröhre Dorrey Lin Lyles, ist mitreißend, berührend und verstörend. Cherish the butter! ... Glory, glory!
Der Bassklarinettist, Saxophonist, Schlagzeuger und dreifache Hans-Koller-Preisträger Christoph Pepe Auer feierte mit seinen eigenen Kompositionen und Veröffentlichungen bereits durchschlagende Erfolge in seiner Heimat Österreich – und weit über die Landesgrenzen hinaus als Solist der Jazz Big Band Graz und mit „Living Room“, seinem Duo mit Manu Delago.
Geboren in Argentinien als Sohn eines amerikanischen Vaters und einer irischen Mutter, lebte und studierte Dominic Miller in jungen Jahren größtenteils in den USA und England. Heute ist Miller in Frankreich ansässig, aber seit drei Jahrzehnten als Musiker in der ganzen Welt unterwegs. Und auch Silent Light, Millers Debütalbum auf ECM, auf dem er solo und mit Perkussionsbegleitung zu hören ist, wirkt sehr international – in Stücken wie „Baden“ (das dem brasilianischen Gitarristen und Komponisten Baden Powell gewidmet ist) ist der Latin-Einfluss unverkennbar, während „Le Pont“ an das Paris des frühen 20. Jahrhunderts erinnert und „Valium“ keltische Melodien im Stile Bert Janschs heraufbeschwört.
JPTR is Everything! Das Zürcher Avant Pop Duo JPTR, inszeniert sich oft als ein einzelnes Wesen, nämlich als Verschmelzung der beiden Musiker/innen Andrina Bollinger aka KIU (Gesang, Schlagzeug) und Ramón Oliveras IKARU (Schlagzeug, Gesang). Im Gegensatz zu den meisten Bands, ist der visuelle Aspekt bei JPTR nicht bloßes Addendum, sondern ein untrennbarer Teil ihres Schaffens und oft der Schlüssel zur Musik.
Eine Nacht weiß viel zu erzählen, heißt es. China Moses ist die Erzählerin der Nacht, ihr neues Album „Nightintales“ ein faszinierender Trip durch nächtliche Geschichten. Mit warmer, erstaunlich wandelbarer Altstimme lässt sie Figuren und Orte im Kopf des Zuhörers Gestalt annehmen, formt Bilder und Stimmungen. Elf ausdrucksstarke Songs, die vom Rausch der Liebe („Hungover“) und ihrem bitteren Ende („Whatever“) erzählen, von Lastern („Nicotine“) und Leidenschaften („Put It On The Line“), von Aufbruch und Mut („Running“).
De Profundis, lateinisch: aus der Tiefe. Der Albumtitel signalisiert die Richtung, den roten Faden. Natalia Mateos hintergründige Songs lassen keine Zweifel an ihrer Entschlossenheit, eigene musikalische Wege zu gehen. Nachdenkliche Eigenkompositionen und individuelle Song-Adaptionen reflektieren ihre Geschichte zwischen Ost und West, die durch viele Ortswechsel, damit einhergehende Abschiede und Neustarts geprägt wurde.
Tigran Hamasyan ist 1987 in Armenien geboren, 2003 zog er mit seiner Familie nach Los Angeles. Derzeit wohnt er in Armeniens Hauptstadt Eriwan. Seit dem dritten Lebensjahr spielt er Klavier, mit elf gastierte er erstmals auf Festivals. 2003 gewann er den Klavierwettbewerb auf dem Montreux Jazz Festival, zwei Jahre später veröffentlichte er mit gerade mal siebzehn Jahren sein Debütalbum World Passion. 2006 ging er siegreich aus dem renommierten Wettbewerb Thelonious Monk International Jazz hervor.
Vier Jahre nach dem Meilenstein Wislawa präsentiert das New Yorker Quartet des großen polnischen Trompeters Tomasz Stanko erneut eine meisterliche Aufnahme, December Avenue. Stanko, schon immer ein einfühlsamer Bandleader, ermutigt hier zu inspirierten Improvisationen, die rund um seine typisch melancholischen Themen erblühen und alle Musiker in bestem Licht zeigen.
Ein Quartett aus Norwegen, berstend vor Energie und Selbstbewusstsein. Unbekümmert Old-School und gleichzeitig mit dem schnippenden Finger am Puls der Zeit: Rohey sind eine Soul-Band für das Jahr 2017. Wer die nervösen Synthesizer zum Auftakt von Can‘t Get This vernimmt, wird nicht von ungefähr an Stevie Wonder erinnert. Gleichzeitig ist Rohey eine Band, die kaum zeitgemäßer klingen könnte. Sie spielen einen organischen, vor Originalität nur so sprühenden R‘n‘B, wie man ihn so zuletzt höchstens von den Australiern von Hiatus Kaiyote gehört hat.
"Timetunnel 25" ist ein nicht alltägliches Tribute-Album an den Jazz einer nicht alltäglichen Band, die 2017 ein nicht alltägliches Jubiläum feiert.
Ob in Brasilien, Taiwan oder im Mutterland des Jazz, in den USA – überall, wo die drei Musiker von Triosence bislang mit ihrer Mischung aus Jazz, World und Fusion aufgetreten sind, ließ man ein begeistertes Publikum zurück. Aber auch mit seinen CDs hat das deutsche Trio um Pianist Bernhard Schüler immensen Erfolg. So wurden ihre Einspielungen für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert und markierten zudem den besten Neueinstieg in die Internationalen Jazzcharts in Deutschland.
Setzen Sie Raul Midón in eine Schublade und er springt sofort raus: Songwriter, Instrumentalist, Mund-Musiker, Soul-Sänger, Jazz-Improvisator, Latin-Sänger, Gitarrist, Bariton. Keiner dieser Bezeichnungen steht für sich allein, um seine musikalischen Stärken zu definieren. Er ist alles und vor allem, es gibt keine Schublade, in die man ihn hineinstecken kann.
Es war eine klare künstlerische Idee, die Sebastian Sternal dazu brachte, den international gefeierten Larry Grenadier von New York nach Köln zu locken. Nach seinen beiden jeweils mit einem ECHO ausgezeichneten Großproduktionen unter dem Namen Sternal Symphonic Society wollte der virtuose Pianist, Komponist und Arrangeur mal wieder in einer „klassischen“ Trio-Besetzung spielen.
Asian Fields Variation ist die erste Aufnahme, die Klarinettist Louis Sclavis, Violinist Dominique Pifarély und Cellist Vincent Courtois als Trio eingespielt haben. Auch wenn dieses Projekt von Sclavis ins Leben gerufen wurde, handelt es sich hier um eine demokratische Gruppe kreativ Gleichberechtigter: »Ich schlug vor, wie ein richtiges Kollektiv zu arbeiten, in dem jeder Kompositionen zum Programm beisteuert.«
Jazz, Ambient, Avantgarde, wunderschöne Songstrukturen – eigentlich müssten sich diese Musikbegriffe gegenseitig ausschließen. Nicht so bei Yaron Herman, dem phänomenalen israelischen Pianisten, der sich lässig über Genregrenzen hinwegsetzt und dabei eine durch und durch sinnliche, überaus moderne Musik erschafft.
JAZZTHETIK wird 30! Das Gründungsdatum im Jahr 1987 erstreckt sich über eine gewisse Zeitspanne zwischen der 0-Nummer und der Nummer 1 im Frühjahr, daher gibt es keinen einen präzisen Geburtstag. Einen Grund mehr, das Fest auszudehnen!
JAZZTHETIK bedankt sich bei ihren LeserInnen für die langjährige Treue, freut sich auf neugierige Neulinge und verspricht das Augenmerk weiterhin auf den Jazz und Anderes zu richten.
„100 Jahre Jazz“: Für Philippe Margotin und den Delius Klasing Verlag ist das ein toller Anlass, auf mehr als 400 großformatigen und reichbebilderten Seiten die wichtigste Musikrichtung des letzten Jahrhunderts feierlich zu zelebrieren: in Form einer kompletten Stilgeschichte und mittels eines Panoptikums von Porträts der grandiosen Stars, die mit Trompete und Posaune, Saxofon und Vibrafon, Klarinette, Gitarre und Schlagzeug diese Gattung geprägt und populär gemacht haben - und nicht zu vergessen die Sänger/innen.
Musik und Reisen – das war in Europa immer eins: Melodien, Rhythmen, Tänze wandern seit Jahrhunderten über geographische Trennlinien hinweg und schöpfen ihre Spannung und Schönheit gerade aus diesem steten Grenzgang. In Zeiten, in denen wieder vermehrt Grenzen gezogen werden und Abschottung und Nationalismus vermeintliche Sicherheit versprechen, begibt sich das David Orlowsky Trio auf eine musikalische Reise die keine Genregrenzen kennt, getrieben von der Neugier nach unbekannten Klängen.
Martin Kolbe und Ralf Illenberger galten in der 70er und 80er Jahren als das Traumpaar der bundesdeutschen Akustik-Gitarrenszene. Das Etikett "Bestes deutsches Gitarrenduo" wurde ihnen schon im ersten Jahr ihrer Zusammenarbeit angeheftet und blieb bis zum Ende des Duos 1987 an ihnen hängen – auch wenn sie diese Bezeichnung immer abgelehnt haben.
In Jan Lundgrens Jazz-Haus möchte man gerne wohnen. Der schwedische Pianist ist ein universeller Klangarchitekt, der Tradition und Moderne zusammenführt. Sein Jazzverständnis lässt die amerikanische Bauweise mit europäischem Stil verschmelzen. Das Beste aus beiden Welten fügt Lundgren spielerisch zusammen, zu einem vielschichtigen Gebäude mit faszinierend gestalteten Räumen, kuscheligen Ecken, klarem Design, nostalgischen Erinnerungsstücken und einem Loft mit Raum für Improvisationen. Wandel und Erneuerung ohne die Vergangenheit zu vergessen bestimmt Lundgrens Schaffen seit Anbeginn.
Mit ihrem neuen Album »Sooner And Later« zeigt das Julia Hülsmann Trio nicht nur, dass es ein eingespieltes Team ist, sondern vor allem, dass seine Kreativität und die beeindruckende musikalische Bandbreite wieder ein neues Level erreicht haben.
Spricht man über Franz Hautzinger, so spricht man über einen Freigeist, wie er im Buche steht, von einem Musiker, der seit Jahren seinen eigenen Weg geht und sich bislang, auch aufgrund seiner einzigartigen Spieltechnik, erfolgreich jeglichen Kategorisierungsversuchen entzogen hat. Hautzinger versucht durch sein Spiel, Brücken zu schlagen, stilistische Grenzen außer Kraft zu setzen, um etwas völlig Neues und Außergewöhnliches zu schaffen.
Der Weg ist das Ziel. Eine Redewendung, die gerade für Jazzer und insbesondere für die Brüder Julian & Roman Wasserfuhr gilt: Jazz bedeutet sich treiben zu lassen, zu suchen und sich auf der Suche zu finden. Jazz ist der Mut, sich dem Augenblick hinzugeben, die Dinge immer wieder neu zu denken. Jazzmusiker sind immer auf dem Weg, sie wollen gar nicht ankommen, denn Stillstand ist Rückschritt. Das hält den Jazz lebendig, macht ihn fortschrittlich und stets überraschend.
Der Gitarrist Max Zentawer legt mit REDUCE TO THE MAX sein Debüt-Album vor. Im Trio mit dem Kontrabassisten Florian Döling und dem Schlagzeuger Matthias Daneck präsentiert er eine abwechslungsreiche, spannende Produktion aus dem Bereich des zeitgenössischen modernen Jazz, die mit einem definierten, kraftvollen und homogenen Klang daherkommt. Erdig gespielte Grooves wechseln sich mit locker swingenden Teilen ab und werden ergänzt durch filigrane, melodiöse (Kunst-)stücke auf der akustischen Gitarre.
Vor zwanzig Jahren war Rainer Tempel noch ein Student in Nürnberg (Jazzklavier, Diplomarbeit 1998 über Vince Mendoza). Vor zwanzig Jahren erschien aber auch das erste Album der Rainer Tempel Bigband („vorwärts + zurück“, 1996). Seitdem ist viel passiert: Rainer Tempel gründete eine ganze Reihe weiterer Bands, vom Trio bis zur Elftett-Stärke; er komponierte für klassische Musiker und Jazzensembles wie das Zürich Jazz Orchestra und die Bigbands von HR, RIAS, SWR und NDR (mit der er sogar einen Echo Jazz gewann für „Petite Fleur“, ACT 2014).
Cameron Graves - visionärer Pianist, Keyboarder, Komponist - ist Mitbegründer des Kollektivs WCGD. Genre-übergreifend mit Elementen aus Jazz, Klassik, Rock und Hip-Hop. Diese Entwicklung setzt Cameron Graves auf seinem Debüt-Album fort.
Mit “New Jazz Musette” feiert Richard Galliano standesgemäß sein dreißigjähriges Jubiläum als Plattenkünstler. Mitte der 80er Jahre leitete er sein eigenes, erstklassig besetztes New Musette Quartet und veröffentlichte mit dessen tatkräftiger Unterstützung das Debüt “Spleen”. Sein aktuelles Doppelalbum erinnert daran, und auch diesmal stehen ihm Topleute zur Seite.
Mit seinen 27 Jahren gehört der französische Pianist, Organist und aufstrebende Star Laurent Coulondre zur neuen Generation höchst begabter Musiker in seiner Heimat. Mit Talent und ohne Tabus ist er damit Teil der Evolution des Jazz in Frankreich. Der von der Presse hoch gelobte Franzose gewann dieses Jahr den « Rising Star » Award bei den Französischen Jazzawards « Victoires du Jazz ».