Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu vielen Meldungen weiterführende Inhalte: detaillierte Album-Reviews, exklusive Interviews, ausführliche Konzert und Festivalreportagen und fundierte Künstlerbiografien. Unsere kuratierten Besten Jazz-Alben bündeln darüber hinaus die prägendsten Veröffentlichungen eines Jahres – als Orientierung in einer stetig wachsenden Jazzwelt.
Das Brodersen Weindorf Quartet spielt auf Traffic einen fast zeitlosen Modern Jazz, der exzentrische Gesten und Ausbrüche nicht nötig hat. Stattdessen stehen harmonische und motivische Entwicklung, Klangsensibilität und der Flow der Musik im Vordergrund. Dabei schöpfen die beiden Bandleader Kristina Brodelten und Tobias Weindorf aus einem reichen Arsenal an Inspirationsquellen.
Die legendären Italien-Konzerte von 1996 endlich auf CD. »A Multitude Of Angels« markiert einen Wendepunkt und gleichzeitig einen von vielen Höhepunkten in der Karriere von Keith Jarrett.
Endlich: »Gregory Porter: Live In Berlin« ist der erste Konzertfilm samt Livealbum der Jazzikone – ein Querschnitt durch sein beeindruckendes Gesamtwerk. Bereits im Mai 2016 stellte Gregory Porter sein neues Studioalbum »Take Me To The Alley« vor. Noch im selben Monat bekamen seine Fans in Deutschland die Möglichkeit, die neuen Stücke live zu erleben.
„Ronny Graupe ist eines der hoffnungsvollsten Talente im deutschen Jazz“, schreibt das Schweizer Magazin Jazz’n More und ergänzt: „Mit seiner Traumbesetzung befindet er sich auf einem guten Weg.“ Diese Besetzung nennt sich auch Spoom und besteht aus dem Gitarristen Ronny Graupe, Bassist Jonas Westergaard und Schlagzeuger Christian Lillinger, allesamt bekannte Größen der Jazzszene. Als „Meeresbrandung trifft auf kreativen Urknall“ erklärt Graupe den lautmalerischen Namen seiner Band. Die Musiker fanden bereits 2004 zusammen und legen nun mit The White Belt ihr zweites PIROUET-Album vor.
Auf seinem vierten Album »The Triolithic« verarbeitet der 27-jährige sein bisheriges Leben. Die Songs sind inspiriert von persönlichen Ereignissen, Familienerinnerungen und Reisen. Keine Frage, dass er hierfür auch mit verschiendenen Künstlern zusammen arbeitete, die seine bisherige Laufbahn begleiten.
Nur ein Jahr nach ihrem Debütalbum „Small“ waren Marina & The Kats, die kleinste Big Band der Welt, wieder im Studio. „Wild“ nennt sich der zweite Streich.
Als schweißtreibender Jazz-Action-Held heizt Mr. Redhorn, Nils Landgren, seinen vielen Fans mit seiner Funk Unit ein. Aber das ist nur eine der vielen Facetten des sympathischen Schweden. Denn der Groovemaster hat auch eine weiche, sentimentale Seite. Diese lyrische Ader kommt vielleicht am eindrucksvollsten bei einer Idee zum Tragen, die Landgren vor genau zehn Jahren hatte: gute Freunde um sich zu versammeln und gemeinsam mit ihnen, musikalisch Weihnachten zu begehen.
Jacob Karlzon 02.11.2016 Kiel
Jacob Karlzon (p, key) Andreas Lang (b) Robert Mehmet Sinan Ikiz (dr, perc)
Sie gehört zu den interessantesten Erscheinungen der Europäischen Jazzszene: die französische Céline Bonacina. Sie liebt das Sopran- und Altsaxophon, aber spätestens, wenn die zierliche Person zum nahezu gleichgroßen Baritonsaxophon greift und das gewaltige Horn zu ihrem musikalischen Verbündeten macht, zeigt sich das immense Spektrum, das in dem Instrumenten steckt.
Petter Bergander wuchs in der schwedischen Kleinstadt Flen südlich von Stockholm auf. Dort spielte er bei einer Auktion der lokalen Kirchengemeinde seinen ersten Gig im Alter von 10 Jahren. 1973 geboren, gehört er zu jener Generation schwedischer Musiker, die einen frühen Zugang zu Instrumenten und Übungsräumen durch die offenen Musikschulen bekam, die von der lokalen Regierung finanziert wurden. Als er von einem Lehrer eingeladen wurde an wöchentlichen Lunchtime Jams teilzunehmen, machte Petter die Entdeckung seines Lebens: den Jazz.
Berlin, 02. November 2016 | Die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) sieht in der Einigung zwischen der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) und dem Online-Videoportal Youtube einen dringend notwendigen Schritt. „Die GEMA-Einigung ist ein wichtiges Signal, dass Künstler und deren kreative Leistung angemessen honoriert werden müssen, egal in welchem Bereich“, sagte der Vorstandsvorsitzende der UDJ, Gebhard Ullmann.
„Es wäre ein Fehler, über Esbjörns Musik in der Vergangenheit zu sprechen, denn seine Musik bleibt“, sagt Nils Landgren, Freund und musikalischer Weggefährte von Esbjörn Svensson. Mit dem Monumentalwerk E.S.T SYMPHONY erhält die Musik des bedeutendsten europäischen Jazzpianisten der 1990 bis 2000er Jahre eine sinfonische Form. Mehr noch, Stücke wie „Tuesday Wonderland“, „Viaticum“ oder „From Gagarin’s Point Of View“ werden dank eines 90-köpfigen Klangkörpers auf eine ganz neue Stufe gestellt. Sie führen, verewigt auf Noten und losgelöst vom e.s.t. Esbjörn Svensson Trio ein eigenes Leben.
It´s Not What You Think It Is… oder doch?! Das Programm dieses Albums ist jedenfalls bemerkenswert: Der Trompeter Ingolf Burkhardt spielt die Hits von Joe Sample und den Crusaders! Natürlich mit seiner Grooveband Jazul – aber auch im ganz großen Format: gemeinsam mit der NDR Bigband! Das verspricht ein besonderes Hörerlebnis, wenn das renommierte Jazzorchester diese Grooveklassiker anstimmt – und ist doch gar nicht so weit hergeholt.
Die Nighthawks haben in der Spanne ihres über 20jährigen Schaffens ein fein konturiertes, ästhetisches Konzept geschaffen: Musik für Reisende. So spielen Geschwindigkeit und Ruhe, Dichte und Leere, Hell und Dunkel eine zentrale musikalische Rolle im Oeuvre der Band. Die zahlreichen, eingängigen Songs sind sehr klare, auf Reduktion bedachte Stimmungsbilder, die sich vielfach auf reale und fiktive Orte in der Welt beziehen.
Berlin, 24. Oktober 2016 | Die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) beglückwünscht alle Preisträger, die heute Abend von Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters in Köln mit dem Spielstättenprogrammpreis APPLAUS ausgezeichnet werden. „Mit dem APPLAUS werden aus Sicht der UDJ zurecht ProgrammmacherInnen ausgezeichnet, die den Mut haben, spannende aktuelle Musik zu präsentieren, ohne deren kommerziellen Erfolg in den Vordergrund zu stellen. Wir begrüßen, dass dieser Mut mit dem APPLAUS belohnt wird“, sagte Gebhard Ullmann, Vorstandsvorsitzender der Union Deutscher Jazzmusiker.
Pericopes +1 - Fotoreportage, Kulturzentrum Schlachthof, Kassel, 21.10.2016.
Alessandro Sgobbio - piano, Emiliano Vernizzi - sax, Nick Wight - drums
Nach dem Erfolg ihres ersten Albums „SCHWAB SORO“ (2014), erreichen der Kontrabassist Raphaël Schwab und der Saxophonist Julien Soro erneut Höhenflüge mit einem neuen Werk, das passenderweise den Albumnamen „VOLONS !“ („Lass uns fliegen!“) trägt.
Evelyn Kryger machen was sie wollen: Musikalische Grenzen öffnen. HipHop Grooves und Balkaneskes an einen Tisch bringen, zwischen Jazz und Techno vermitteln oder minutenlang schwelgerisch Ohrwürmer über komplexe Rhythmen ausbreiten. Aus weit geöffneten Stil-Schubladen bedienen sich die fünf Musiker mal frech, meist liebevoll und des öfteren unerwartet. Musik für Herz und Kopf, Tanzbein und Tränendrüse, die Sehnsüchte weckt und glücklich macht.
Sicherlich könnte man Aziza als Supergruppe bezeichnen, aber Aziza ist viel mehr als das. Das Quartett bringt vier der einfühlsamsten und einflussreichsten Musiker des modernen Jazz zu einer tatsächlichen Band zusammen, einer Band mit einem faszinierenden, eigenen Sound. Bassist Dave Holland, Saxophonist Chris Potter, Gitarrist Lionel Loueke und Drummer Eric Harland sind angesehene, eigenständige Bandleader und bieten gemeinsam eine atemberaubende Bandbreite an Erfahrung und Inspiration.
Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Musik. Es bedarf jedoch besonderer musikalischer Geister, um mit dem Wandel der Zeit auch im Ton Schritt zu halten. Einer dieser Visionäre ist der schwedische Pianist Jacob Karlzon.
Als Gitarrist und Komponist hat Arne Jansen noch nie in Genre-Kategorien gedacht. Schon mit seinen ersten beiden Trio-Alben nahm der ECHO-Preisträger mindestens in Deutschland eine besondere Rolle ein. Melodiöse Stücke, transparente Arrangements und ein warmer Gitarrensound gehören bis heute zu Jansens Markenzeichen. Auch sein neues Album Nine Firmaments enthält viele „Songs ohne Worte“, von denen manche so schnell und ohne Umwege ins Bewusstsein wandern, als seien sie dort schon immer zuhause gewesen.
Man könnte es so auf den Punkt bringen: Enjuti verbinden Rock-Emphase und Jazz-Ideen mit aktuellen elektronischen Sounds. Um der individuellen Ausstrahlung des Quartetts auf die Spur zu kommen, braucht man ein paar mehr Worte. Beinahe eingängige Melodien begegnen überraschenden harmonischen Wendungen und ausfasernden Passagen. Gradlinig zupackende Beats zerfallen in gebrochene Rhythmen oder setzen für eine Weile ganz aus. Abstrakte Töne quellen aus Effektgeräten und Loopern oder entstehen durch Manipulationen im Inneren des Flügels. Mäandernde Motive, klare Riffs und komplexe Strukturen treffen aufeinander, verschmelzen und lösen enorme Energieschübe aus.
Die Musik und das Leben. Kunst, egal in welchem Gewand, ist immer dann am authentischsten, wenn sie das Leben abbildet. Nicht nur einen bestimmten Aspekt des Lebens, sondern das Leben in seiner ebenso verführerischen wie erbarmungslosen und nicht zuletzt oft paradoxen Vielfalt. Die junge Berliner Pianistin Clara Haberkamp lebt.
Norah Jones betrat die Weltbühne im Februar 2002 mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums "Come Away With Me". Dieses "launische kleine Album" (so ihre eigenen Worte) stellte eine einzigartige neue Stimme vor und entwickelte sich zu einem globalen Phänomen, für das die Newcomerin 2003 fünf Grammys erhielt. Seitdem hat Norah weltweit über 45 Millionen Alben verkauft und insgesamt neun Grammy Awards gewonnen.
Marshall McLuhans einst so futuristische Idee vom „Global Village“ ist heute längst Wirklichkeit geworden. Gerade in der Popmusik erfahren wir auf vielfältigste Weise, was der legendäre Medientheoretiker bereits Anfang der sechziger Jahre erstmals formulierte. Durch die digitale Vernetzung haben auch die meisten Genres des Pop eine weltweite, eben globale Dimension bekommen. HipHop, Blues, Jazz – sie alle entwickeln sich in hunderten regionalen Spielarten weiter – fernab von ihren Ursprüngen. Die Musik von Malia darf zweifellos als eindrucksvoller Beweis für diese „Worldwide Fusion“ angesehen werden.
Nach drei regulären Studioalben und einer live Vinyl veröffentlicht das KA MA Quartet (ehem. Katharina Maschmeyer Quartet) am 2. September 2016 erstmalig ein Tribute Album: A LOVE SUPREME / UNIVERSAL TONE. Als Gast für die Produktion konnte das Quartett den indonesischen Percussionisten Nippy Noya, einer der bekanntesten Conga- Spieler/Legenden in Europa, gewinnen.
"Country For Old Men" hat Gitarrist John Scofield sein neues Album genannt. Der Titel ist natürlich zum einen eine clevere Anspielung auf den bekannten Roman "No Country For Old Men" von Cormac McCarthy und die gleichnamige Verfilmung der Coen-Brüder, zum anderen aber auch ein augenzwinkernder Hinweis auf das musikalische Programm und das Alter des Protagonisten. Denn so ganz der Jüngste ist John Scofield tatsächlich nicht mehr. Im Dezember wird er bereits 65. Auch wenn man dies dem stets experimentierfreudigen Gitarristen wahrlich nicht anhört.
Spotlights heißt nun sein brandneues Album, das pünktlich zu seinem 87. Geburtstag bei MPS erscheint – und es ist eine weitere aufregende Wegmarke auf seiner musikalischen Reise! Spotlights enthält neun Eigenkompositionen Kühns, dazu zwei Jazzstandards aus den 40er Jahren (Autumn Leaves und David Raksins Laura aus dem gleichnamigen Film), Dexter's Tune von Randy Newman und Choro do Portina aus der Feder von Hamilton de Holanda. Der rote Faden, der sich durch das Album zieht, ist natürlich Rolf Kühns unverwechselbarer Klarinettenton.
Unvorhergesehenen Begegnungen haben oft weitreichende Folgen: Der deutsche Pianist Michael Wollny und der französische Akkordeonist Vincent Peirani lernten sich 2012 buchstäblich auf der Bühne kennen: bei der ACT20 Jubilee Night im Pariser Jazzclub „New Morning“. Viel mehr als die Hände geschüttelt hatten sich die beiden vor ihrem gemeinsamen Auftritt nicht. Aber wer den ergreifenden, spontanen Duo-Jam erlebt hat, wird ihn ebenso wenig vergessen wie die Musiker selbst.
Vital, neugierig und progressiv setzt die französische Szene wichtige Wegmarken für die Entwicklung des zeitgenössischen europäischen Jazz. Trotz aller Offenheit gegenüber Musikkulturen, Genres und Strömungen hat sie aber nie die Bodenhaftung verloren. Fortschritt auf den Füßen der eigenen Tradition charakterisiert Frankreichs Jazz und der Saxofonist Emile Parisien ist einer seiner Protagonisten: Ein Jazzvisionär, der mit einem Bein in der Vergangenheit steht und den Blick weit nach vorne richtet. Das macht ihn zur „besten Neuigkeit des europäischen Jazz seit langem“ (Le Monde), dem „ungeteilte Aufmerksamkeit“ (Norddeutscher Rundfunk) geschenkt werden sollte.
Atmosphärisch und gleichzeitig spannend wirkt das dritte Album des Melt Trios. Bernhard und Peter Meyer und Moritz Baumgärtner haben ihren speziellen Stil weiter ausgefeilt und zeigen in Details noch stärkeren Gestaltungswillen. Ihre Verbindung von akustischen und elektronischen Sounds wirkt subtiler denn je, konkrete Einflüsse von Jazz und Klassischer Modern bis Post- und Prog-Rock sind allenfalls schemenhaft auszumachen, weil die Musik einfach nach Melt Trio klingt.
Es geht um Liebe, um Weltraum, um Laborratten, um Wikinger, darum, dem Barkeeper an der Theke seine Lebensgeschichte zu erzählen, darum, die Menschen zu großem zu bewegen und klein anzufangen, es geht ums verloren sein und trotzdem weitermachen, es geht um Musik, immer um Musik. Und vor allem möchte Annika Jonsson gern Geschichten erzählen.