Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu vielen Meldungen weiterführende Inhalte: detaillierte Album-Reviews, exklusive Interviews, ausführliche Konzert und Festivalreportagen und fundierte Künstlerbiografien. Unsere kuratierten Besten Jazz-Alben bündeln darüber hinaus die prägendsten Veröffentlichungen eines Jahres – als Orientierung in einer stetig wachsenden Jazzwelt.
Unravel ist eine musikalische Reise, die um den halben Globus führt und Defne Şahins weiten musikalischen Horizont reflektiert. Orientalische Einflüsse zeigen sich in typischen Melodielinien, arabesken Verzierungen und ungeraden Grooves. Das vom brasilianischen Songschreiber Djavan geliehene Maçã lockt mit Leichtigkeit, den Jazz-Standard Skylark hat Şahin eigenwillig arrangiert und harmonisch sowie um 7/8-Grooves bereichert.
Schon die Besetzung lässt aufhorchen: Saxofon, akustische Gitarre und E-Gitarre. Ein solches Trio kennt man bislang nicht. Hört man Jukka Perkos Avara fragt man sich, warum: Denn „Invisible Man“ verblüfft mit einen absolut harmonischen lyrischen Klang und einem dichten Gruppensound, in dem jede Stimme die andere stützt und ergänzt. Elegische Klanglandschaften werden ausgebreitet, immer wieder durchdrungen von schillernden Momentaufnahmen.
Connect the unexpected: Ungewöhnliche Begegnungen führen oft zu außergewöhnlichen Ergebnissen. Wie bei „Jazz at Berlin Philharmonic“ im Oktober 2014, als Kurator Siggi Loch überraschend den Schweden Ulf Wakenius als zweiten Gitarristen neben dem Flamenco-Nuevo-Meister Gerardo Núñez präsentierte, um sein genre-überschreitendes Jazzpaña-Projekt auf eine neue Entdeckungsreise zu schicken. „Eine gewaltige Fiesta“ (Der Tagesspiegel) war das Ergebnis.
Wie aufregend es doch ist, unterwegs zu sein! Die estnische Musikerin und Sängerin Mari Kalkun und ihre aus Finnland stammende Begleitband Runorun feiern auf ihrem Album „Tii Ilo“ (übersetzt heißt das „Die Schönheit der Straße“) das wunderbare Gefühl, unterwegs zu sein. Das Album ist in Estland und Finnland bereits für den Preis als „Ethno Album Of The Year“ nominiert worden. Mari Kalkun stammt aus dem südlichen Teil Estlands, der über eine jahrhundertealte musikalische Folktradition verfügt.
Mit ihrem neuen Album „Cäthes Traum“ gehen sie nun konsequent ihren Weg weiter; Beate Wein, Aaron Christ und der fulminante Ausnahme-Sitar-Spieler Matyas Wolter brechen genrespezifische Ketten und ignorieren Grenzen, wie dies fast nur noch im Jazz möglich ist, dieser aus der Improvisation gewachsenen Kunst, Herzen, Takt, Rhythmus und Intelligenz zusammenzuführen.
"Manchmal geht alles ganz schnell. Man begegnet sich, versteht sich, besucht sich, macht zusammen eine Platte. Da verschmelzen Welten, denn der Jazzpianist Aruán Ortiz bringt kubanische Rhythmen und eine profunde Klassik-Ausbildung mit und die Norwegerin Grete Skarpeid ihr Faible für Jazz, Singer-Songwriter und Volkslieder. Vordergründig liegen diese Welten weit auseinander, denn die skandinavische und die afrocubanische Musiktradition haben eigentlich keine Berührungspunkte. Ortiz und Skarpeid schreckt dies nicht ab. Im Gegenteil: Sie schlagen nicht nur eine Brücke, sondern sie bringen das Fremde zusammen." (Werner Stiefele)
Die gemeinsame CD von Joscho Stephan (Gitarre) und Matthias Strucken (Vibraphon) orientiert sich musikalisch an dem Großmeister des „Gypsy Swing“, dem Gitarristen Django Reinhardt, sowie dem legendären Jazz-Vibraphonisten Milt Jackson. Natürlich fragt man sich, ob man die Stile dieser beiden herausragenden Jazzlegenden ohne weiteres miteinander verbinden kann.
Seit ihrem Debütalbum für Jazzland im Jahr 2001 hat Beate S. Lech es verstanden, die unterschiedlichsten Stile auf einzigartige Weise zu verweben. In der Musik von Beady Belle fanden sich stets norwegische Folklore, Pop, Jazz und elektronische Sounds. Für ihr neues Album »On My Own« hat sich die Sängerin vom trocken groovenden Funk ihres 2013er Werks »Cricklewood Broadway« verabschiedet und einen größtenteils akustischen Ansatz gewählt. Unterstützt von der Crème de la Crème der norwegischen Jazz-Szene, schimmert Beady Belle 2016 in eleganten Tönen von klassischem Vocal Jazz und 70s Soul, angereichert mit hymnischen norwegischen Folk-Klängen.
Die erste Begegnung zwischen Omar Sosa und Paolo Fresu fand 2006 statt. Seinerzeit lud Sosa seinen geschätzten Kollegen Fresu zu einem Konzert in den NDR Studios in Hamburg ein, woraus wenige Monate später das Livealbum “Promise” hervorging. 2009 tourten die beiden gemeinsam durch Italien, wodurch das freundschaftliche Band zwischen ihnen noch gefestigt wurde.
So hat man diese Songs wirklich noch nie gehört. Badi Assad nahm sich vor, aktuelle Indiehits und beliebte Popsongs auf ihre ganz eigene Art neu zu interpretieren. Das Ergebnis ist nun fertig. Auf »Hatched« präsentiert die Brasilianerin die bekannten Lieder im südamerikanischen Flamenco-Gewand.
Diese Konstellation sieht nicht nur auf dem Papier ungewöhnlich aus, sie klingt auch so. Mit ihrem zweiten Album Jangal stechen Hely musikalisch wie formal aus dem Umfeld europäischer Jazzpiano-Bands heraus. Was die raffinierte Interaktion des jungen Duos aus Zürich ausmacht, ist – neben anderen Aspekten – das tiefe Verständnis für ihr jeweiliges Gegenüber.
Spätestens seit Lasse Hallströms Film Chocolat aus dem Jahr 2000 mit Johnny Depp als fahrendem Zigeuner ist Jazz manouche längst als europäisches Kulturgut in den Köpfen unserer Zeitgenossen eingraviert. Nun haben sich die Guttenberger Brothers in die Offensive gewagt um den Weg, den Django Reinhardt mit seinem Hot Club de France in den 40er Jahren beschritten hat, weiter zu gehen.
Ihr rund zweistündiges Konzert vom Oktober 2015 im Olympia wurde für die Nachwelt aufgezeichnet und wird nun simultan auf DVD und Blu-ray-Disc veröffentlicht. Bei dem Auftritt legte Melody den Fokus auf das Repertoire ihrer beiden Erfolgsalben »Currency Of Man« (2015) und »My One And Only Thrill« (2009).
Trompeter, Komponist und Band-Leader Cuong Vu, der als Mitglied der Pat Metheny Group auf deren beiden Alben „Speaking Of Now“ und „The Way Up“ zu hören war und zwei Mal auf weltumspannende Tour mit Metheny ging, wurde von einer Audio-Kassette des „Travels“-Live-Doppelalbum der Pat Metheny Group dazu inspiriert, Musik als seine Berufung zu begreifen. Vu, zu dessen Trio Stomu Takeishi am Bass und Ted Poor am Schlagzeug zählen, spielte neben seiner Zeit bei Metheny u.a. auch mit David Bowie, Laurie Anderson und Mitchell Froom.
Pat Metheny zählt zweifellos zu den innovativsten, produktivsten, enthusiastischsten und reisefreudigsten Musikern der Musikgeschichte. Seit seinem 1976 erschienenen Debütalbum „Bright Size Life“, ist der inzwischen 61-Jährige an rund 250 Tagen im Jahr auf den Konzertbühnen der Welt unterwegs. In den kompletten vier Jahrzehnten seiner Karriere unter eigenem Namen, gönnte sich der Mann aus Lee’s Summit, Missouri, nur ganze zwei Auszeiten. 2015 legte er, abgesehen von wenigen ausgewählten Auftritten, ein Sabbatjahr ein.
Villetaneuse, Anfang November 2015. Bevor das Wasser der Seine die überschaubare Kleinstadt nördlich von Paris streift, liegen Eiffelturm und Grand Palais ein gutes Dutzend Kilometer zurück. Unweit des Flusses stimmen fünf Musiker ihre Instrumente in einem Aufnahmeraum der »Midilive Recording Studios«, die ihrer Vintage-Holzvertäfelung wegen das Prädikat »Historical Vogue Studios« tragen. Das frisch formierte Quintett des Kontrabassisten und Komponisten Omer Avital hat sich anlässlich der Aufnahmen zu dessen neuem Album »Abutbul Music« für zwei Tage in einem französischen Studio einquartiert, weil sich die Instrumentalisten hier quasi auf halbem Wege entgegen kommen konnten.
Mit seinem neuen Album »Take Me To The Alley« setzt Porter nun seinen ganz eigenen modernen Soul-Jazz fort. Dabei erhält er die Unterstützung von ein paar alten Bekannten sowie von neuen musikalischen Wegbegleitern. Gregory Porter ist der weltweit erfolgreichste Jazzsänger der Gegenwart, so viel ist bekannt. Was aber wenige wissen: Seine Karriere bekam in 2013 von Deutschland aus den entscheidenden Impuls. Seine deutschen Fans machten ihn hierzulande zu einem Gold- und dann zum Platin-Star, als alle anderen Länder erst noch dabei waren, den Ausnahmekünstler für sich zu entdecken.
So etwas passiert heutzutage nur noch selten im Jazz: Drei Musiker, alle in Kopenhagen lebend, gehen spontan ins Studio, spielen dort das erste Mal zusammen und erschaffen eine Sternstunde des Jazz. So wie die Künstler der italienischen Freskenmalerei den Mut hatten, in kürzester Zeit direkt auf nassen Putz zu malen, schufen die drei feinen Handwerker Danielsson, Neset und Lund ebenso etwas Besonderes innerhalb eines Tages. Oder wie sich Lund kurz nach den Aufnahmen euphorisch äußerte: „Es war wie… Wow! Haben wir das wirklich getan?!"
Simon Kanzler entspringt der aufkeimenden Szene des jungen Berliner Musiker-Kollektivs KIM, und lässt mit Double Identity mystische Bilder entstehen. Die Klangflächen des Vibraphonisten verschmelzen mit dem Klavierspiel des aufstrebenden Elias Stemeseder. Doppelte Identitäten durch und durch – mit zwei Kontrabässen und feinen Schlagzeugtexturen. Kammerensemble inklusive!
Arrangiert von Meistern wie Jaques Morelenbaum oder Ruria Duprat und bei einem Song (»Meditation«) von Dado Villa-Lobos ergänzt, dem ehemaligen Gitarristen und Sänger der brasilianischen Rockband Legião Urbana und Großneffen des klassischen Komponisten Hector Villa-Lobos, hat Cristina Braga alle Freiheiten, um den Charme ihrer Stimme und die irisierende Schönheit ihres Harfenspiels zu entfalten.
Markus Geiselhart wurde 1977 in Stuttgart geboren und lebt seit 2006 als freischaffender Bandleader, Komponist, Arrangeur und Posaunist in Wien mit Lehrauftrag an der hiesigen Musikuniversität. Er machte sich in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Arbeit mit dem Don Ellis Tribute Orchestra einen Namen.
Wem die Gnade der Geburt berühmter Eltern zuteilwurde, rennt in der Show- und Medienwelt zwar zuweilen offene Türen ein, muss aber auch mit der Skepsis der Öffentlichkeit rechnen. Lisa Simone, Tochter der legendären Sängerin Nina Simone, ging deshalb erst einmal einen völlig anderen Weg und ergriff einen technischen Beruf bei der US-Air Force inklusive Stationierung im Irak.
Klaus Doldinger wird 80 – und nutzt die Gelegenheit, um einige Lieblingsstücke aus seinemgut 400 Kompositionen umfassenden Werk einer Frischzellenkur zu unterziehen.„Jungbrunnen statt Ruhestand“ könnte die Devise heißen, nach der „der erfolgreichste Jazzmusiker desLandes“ (Jazz thing), außerdem allgegenwärtig als Komponist einiger derbedeutendsten Film- und Fernsehmusiken – vom Tatort-Thema über die Musik zu „DasBoot“ bis zu „Die UnendlicheGeschichte“ – , sein 35. Album produziert hat.
Justin Mullens “The Cornucopiad” – mit den neuesten Kompositionen für sein Oktett sprengt er die musikalischen Grenzen des Waldhorns. Mit elf Kompositionen auf The Cornucopiad stellt Waldhornist, Komponist und Bandleader Justin Mullens auch sein Oktett vor. Dabei präsentiert er gemeinsam mit Chris Cheek (Altsaxofon, Klarinette), Peter Hess (Bass- Klarinette), Ohad Talmor (Tenorsaxofon), Peter Thompson (Gitarre), Desmond White (Bass), Matt Ray (Piano) und Marko Djordjevic (Schlagzeug) eine Auswahl und Zusammenstellung an Stücken, die The Cornucopiad gleichsam als Konzeptalbum definieren.
The Rob Garcia 4 ist seit der Bandgründung in 2009 aus der internationalen Szene des Modern Jazz nicht mehr wegzudenken. Mit drei Alben auf Brooklyn Jazz Underground Records - Perennial (2009), The Drop And The Ocean (2011) und The Passion Of Color (2014) – erringt das Quartett die allgemeine Hochachtung der Fachpresse. Auf weltweiten Auftritten in Clubs und auf bedeutenden Festivals erspielen sich Bandleader Rob Garcia (Drums, Komposition) und seine Formation Noah Preminger (Tenorsaxofon), Gary Versace (Piano) und Masa Kamaguchi (Bass) die Begeisterung ihrer stetig wachsenden Fangemeinde.
Die siebzehnköpfige Überfliegerband des Jazz sprüht vor Energie. Das hört man nicht nur ihrer Musik an, das zeigt auch das atemberaubende Arbeitspensum der Amerikaner. Neben eng getakteten Welttourneen ist auch der Album-Output rasant.
Berlin, 25. April 2016. Auf der jährlichen Mitgliederversammlung der Union Deutscher Jazzmusiker in Bremen wählten die Mitglieder mit der Sängerin Anette von Eichel und dem Vibraphonisten Wolfgang Lackerschmid zwei hochprofilierte Musiker/innen aus Köln und Augsburg in den Vorstand. Diese folgen auf Christoph Hillmann und Peter Ortmann, die beide nicht erneut kandidierten.
Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein - Westfalen ist auch in Sachen Jazz kein bisschen leise: Geschätzte 1000 Musikerinnen und Musiker spielen regelmäßig auf circa 200 Livebühnen. Etwa 3500 Jazzkonzerte locken übers Jahr mehr als eine halbe Million Besucher an. Über 30 Festivals tragen ebenso zum Imagefaktor der Region bei.
Weltgrößter Jazz-Branchentreff in der Hansestadt eröffnet
Die 11. Ausgabe der jazzahead! wurde heute am frühen Abend in Bremen eröffnet. Bei der offiziellen Eröffnungsfeier kamen Gäste aus Bremen, Berlin und dem Partnerland Schweiz sowie die internationalen Aussteller und Teilnehmer zusammen.
Weiterlesen … JAZZAHEAD! MACHT BREMEN ZUR JAZZMETROPOLE
Berlin, 21. April 2016. Die jazzstudie2016 – Lebens- und Arbeitsbedingungen von Jazzmusiker/innen in Deutschland (www.jazzstudie2016.de) zeigt eindrücklich, unter welch schwierigen Bedingungen und mit wie großem persönlichen Einsatz Jazz in Deutschland gegenwärtig geschaffen wird. Damit erzeugt sie starke Resonanz in Politik, Fachszene, Presse und Öffentlichkeit.
Hannes Zerbe präsentiert mit »Nachtcafé« eine überraschend neue Seite seines künstlerischen Schaffens. Seit acht Jahren existiert die Zusammenarbeit der beiden Musiker Zerbe und Engelhardt, und natürlich zeigen beide auf »Nachtcafé« ein ganz anderes musikalisches Gesicht als es im Orchesterzusammenhang möglich wäre.
Das neu formierte Trio um den Tübinger Vibraphonisten Dizzy Krisch zelebriert in seiner Musik die Wiederentdeckung der musikalischen Gleichberechtigung: zupackend, kommunikativ, direkt. Gast des Trios ist mit Lauren Newton eine der weltweit wichtigsten Vokalistinnen der Improvisierten Musik.