Tägliche Neuigkeiten, Albumankündigungen, Festivalmeldungen, Interviews, Releases und Entwicklungen aus Deutschland, Europa und der weltweiten Jazzszene.

Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu vielen Meldungen weiterführende Inhalte: detaillierte Album-Reviews, exklusive Interviews, ausführliche Konzert und Festivalreportagen und fundierte Künstlerbiografien. Unsere kuratierten Besten Jazz-Alben bündeln darüber hinaus die prägendsten Veröffentlichungen eines Jahres – als Orientierung in einer stetig wachsenden Jazzwelt.

Echoes Of Swing - Dancing

Es wird heute oft übersehen, dass der frühe Jazz vor allem Tanzmusik war. Vom Charleston und Ragtime über den Foxtrott und Lindy Hop und bis zum Jive entstanden die neuesten Tänze parallel zur Entwicklung der Jazzmusik. Erst später, beginnend mit dem Swing und Bebop wurde der Jazz konzertant. Am Schnittpunkt dieser Entwicklung bewegen sich seit vielen Jahren die „Echoes of Swing“, und so muss man es auch verstehen, wenn das Quartett sein neues Album „Dancing“ nennt: Der Pianist Bernd Lhotzky, der Altsaxofonist Chris Hopkins (abseits der „Echoes“ wie Lhotzky auch ein Weltklasse-Stride-Pianist), der Trompeter (und Sänger) Colin Dawson und der Schlagzeuger Oliver Mewes sind alles andere als eine Tanzkapelle, und obwohl sie sich dem klassischen Jazz widmen, haben sie auch mit Retrotrends oder Neoswingern nichts gemein. Mit ihrer Begeisterung für den unerschöpflichen - und unerschöpften – harmonischen und den unerreichten melodischen Reichtum der „zweiten Klassik“ bringen sie die Musik selbst zum Tanzen.

Preisverleihung Albert-Mangelsdorff-Preis 2015

Berlin, 07. November 2015
Der Pianist und Komponist Achim Kaufmann wurde gestern im Rahmen des Jazzfests Berlin mit dem Albert-Mangelsdorff-Preis 2015 (Deutscher Jazzpreis) geehrt. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der GEMA-Stiftung, der GVL und dem Förderungs- und Hilfsfonds des Deutschen Komponistenverbandes gestiftet. Überreicht wurde der Preis in Form einer Trophäe des Berliner Metallbau­künstlers Wolfgang Seidel von Silke Eberhard, Vorstand der Union Deutscher Jazzmusiker.

Mette Henriette

Das unbetitelte ECM-Doppelalben-Debüt der jungen norwegischen Saxophonistin, Komponistin und Improvisatorin Mette-Henriette Martedatter Rølvåg ist ein atemberaubendes musikalisches Statement. In ihren Ensembles treffen ›Jazzmusiker‹ auf ›Klassikmusiker‹ – doch die dabei entstehende Musik erschafft ihre eigenen Welten, außerhalb der Genre-Definitionen. Mette-Henriette verflicht hier Form und Freiheit auf ungewöhnliche Art, während ihr intensives Tenorsaxophonspiel sich durch Kompositionen von mitunter entwaffnender Fragilität bewegt.

Scott DuBois - Winter Light

Der 37 Jahre alte US-amerikanische Jazzgitarrist und Komponist Scott DuBois ist einer der wichtigen jungen Protagonisten der New Yorker Jazzszene. Die New York Times schreibt: „DuBois Musik schlägt Wellen. Erzählerisch und von melodischer Sensibilität. Überzeugende Kompositionen mit Leichtigkeit und komplexem Feinsinn.“ Schlicht „faszinierend“ findet die amerikanische Jazz Times sein innovatives Gitarrenspiel.

Joo Kraus, Omar Sosa & Gustavo Ovalles - JOG

In dem neu gegründeten Trio mit dem Perkussionisten Gustavo Ovalles aus Venezuela und dem deutschen Trompeter Joo Kraus verbindet Sosa den gewachsenen musikalischen Fundus früherer musikalischer Begegnungen mit den elektronischen Experimenten, die auf eine einzigartige Klangreise entführen. Dabei ist der ebenfalls Echo Jazz prämierte Ulmer Trompeter Joo Kraus, der zuletzt mit Omar Sosa bei dessen Miles Davis / Kind Of Blue – Hommage Eggun (SKP 9114) zusammentraf, sowohl Motor für die elektronischen Soundtüfteleien des Trios wie auch poetischer Gegenpart zum vielseitigen Pianospiel des Kubaners.

Steve Gadd - 70 Strong

Seit den 70er Jahren hat Steve Gadd so ziemlich alles gesehen und alles getan. Er gilt als einer der einflussreichsten Schlagzeuger der Neuzeit und überbrückt zahlreiche musikalische Genres. Seine Art des Cross-Sticking zwischen Hi-Hat und Snare zeigten neue Mittel und Wege, um einen Funk-Groove zu erzeugen. Sein berühmtes Schlagzeug-Solo auf dem Titeltrack von Steely Dans legendärem Album Aja ist nur ein Beispiel seiner bemerkenswerten Karriere. Bei wegweisenden Jazz-Fusion-Alben des Gitarristen Al Di Meola und des Keyboarders Chick Corea setzte er Zeichen.

Maceo Parker - Roots Revisited - The Bremen Concert

2% Jazz, 98% Funky Stuff ist seit Erscheinen des Live-Albums Life on Planet Groove 1992 zum Markenzeichen des Ex-James Brown Saxophonisten Maceo Parker geworden. Doch angefangen hatte diese explosive Mischung in einem anderen Verhältnis 1990, als sein Solo-Album Roots Revisited in Europa und den USA die Charts hochkletterte: da standen eher Soul, R´n´B und Jazz, eben die Musik mit der er aufwuchs, im Zentrum einer Frischzellenkur. Weil das alles so gar nicht nach Retro klang, sondern die Essenz dieser Musik wieder freispülte, konnte sich ein junges Publikum voll drauf einlassen.

Panzerballett - Breaking Brain

Es ist wahr, nicht oft bekommt man die Worte „verstörend“, „verwirrend“, „verkopft“ und „krass“ in einem Satz zu lesen – in einem positiven Zusammenhang ohnehin nicht. Doch Breaking Brain ist kein normales Album. Und Panzerballett ist keine gewöhnliche Band. Sie sagt diese Worte nämlich über sich selbst – mit einigem Stolz! Was aber bei jeder anderen Band auf eine Mischung aus Größenwahn und einer mittelschweren Persönlichkeitsstörung hinweisen würde, trifft hier auf wundervolle Weise den Nagel auf den Kopf.

Pete Josef - Colour

Der UK-Sänger und Multiinstrumentalist Pete Josef operiert an der Schnittstelle zwischen Jazz, Soul, Pop und Downbeat: Sein Debüt „Colour“ erscheint am 30. Oktober bei Sonar Kollektiv. Einen passenderen Titel als „Colour“ hätte Pete Josef für sein längst überfälliges Solodebüt nicht wählen können: Wie bei einem zufällig entdeckten, analogen Fotoalbum von einem zurückliegenden Trip ans Meer, die strahlenden Bilder schon leicht sepiafarben an den Ecken, sind es tatsächlich die Farbschattierungen, die satten, warmen Klangfarben dieser Songs, die einen immer wieder genauer hinhören lassen, ohne sich überhaupt einen wirklichen Reim darauf machen zu müssen.

Lionel Loueke - Gaia

Appetit auf unverfälschten Jazzrock pur? Knochentrockene Grooves? Epische Gitarrensoli? Rhythmen, bei denen selbst Mathematiker nicht mehr mitzählen können? Dann empfehlen wir das inzwischen vierte Blue-Note-Album von Gitarrist Lionel Loueke, dem aus Westafrika stammenden, in den USA lebenden aktuellen Meister der Jazzfusion.

Jazzmine - The Play

Die neue CD von Jazzmine aus dem Land der Mitternachtssonne glänzt mit einer puren instrumentalen Jazz-Fusion auf neuen eigenen Tracks. Jazzmine wurden im Herbst 2014 gegründet und bestehen aus einem spannenden Mix von Musikern aus verschiedensten europäischen Ländern: Deutschland, Frankreich, Ungarn, Rumänien und Norwegen, die aber allesamt in Oslo sesshaft sind.

Nigel Kennedy - Vivaldi - The New Four Seasons

Die 1989 von Nigel Kennedy veröffentlichte Einspielung von Vivaldis Vier Jahreszeiten ist das meistverkaufte Klassik Album aller Zeiten. Kennedy selbst sagte damals über diese Aufnahme, er habe die berühmten vier Violinkonzerte von Vivaldi bewusst weder »authentisch« mit alten Instrumenten noch in einem schwülstigen »romantischen« Stil spielen wollen. Er habe sich als Maxime gesetzt, »jede erdenkliche mir bekannte Technik« zu nutzen, um den Hörern sein Gefühl für diese Musik zu vermitteln. Auch glaube er nicht, dass die Vier Jahreszeiten überhaupt zeitbezogen seien, denn »was sie uns bieten, geht weit über das rein Historische hinaus«.

Thomas Strønen - Time Is A Blind Guide

Time Is A Blind Guide ist sowohl der Titel von Thomas Strønens Album als auch der Name seines neuen norwegisch-britischen Ensembles. Im Gegensatz zu seiner Formation Food und deren elektronischen Soundscapes ist TIABG eine rein akustisch agierende Gruppe, die »melodische Musik mit einem speziellen »Twist« spielt, wie der Schlagzeuger-Bandleader-Komponist es ausdrückt. Ihre Melodien entfalten sich geschmeidig über sich verlagernden rhythmischen Mustern.

Shai Maestro Trio - Untold Stories

‘When you stop seeing other human beings as human beings’” ist eine der Kompositionen auf dem neuen Album von von Shai Maestro und zugleich ein Leitmotiv das ihn zutiefst bewegt und für seine Kompositionen inspiriert. Geboren und aufgewachsen in konfliktreichen Realitäten in Israel wurde Shai Maestro für Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft sensibilisiert. Ihm wurde bewusst, wie sehr Gewalt, Sexismus und Rassismus auch in den sozialen Medien vorherrschen und damit eine feindselige Grundstimmung beibehalten und sogar kultiviert wird. „Vergessen wir in solchen Situationen, dass wir menschliche Wesen sind?“, fragte sich Shai Maestro.

Olivia Trummer feat. Jean-Lou Treboux - Classical To Jazz One

Mit ihrem neuen Project „Classical to Jazz“, kurz C2J, beweist Olivia Trummer, dass sich Gegensätze nicht nur anziehen, sondern sich auch hervorragend ergänzen können. Die Pianistin und Komponistin ist nicht die erste, die sich der Herausforderung stellt und zwei scheinbar so widersprüchliche Genres wie Klassik und Jazz zusammenbringt. Aktiv stellen sich Musiker beider Lager immer wieder die Frage, wie man die weiten Spannungsbögen, den kultivierten Anschlag, den Nuancenreichtum aus der Klassik mit der Spontaneität, der Freiheit und rhythmischen Energie des Jazz verbinden kann.

Myriam Alter - Crossways

Nach ihren beiden sehr erfolgreichen Alben für ENJA (ENJ-9451 feat. Dino Saluzzi) und (ENJ-9513 feat. Jacques Morelenbaum) wurde es Zeit für die dritte Produktion ihrer einzigartigen Musik, die manchmal fröhlich, manchmal melancholisch klingt, immer aber mediterran eingefärbt ist.

Michael Wollny - Nachtfahrten

Am Anfang war ein Buch, „Nachtmeerfahrten“. Thema war die Schwarze Romantik, jene Seite der Romantik, die im Nachtschatten gedeiht und im wohligen Gruseln der Fantasy nachhallt. Eine Streichung weiter stand schon ein Titel fest: „Nachtfahrten“. Michael Wollny ist ein Freund der Nacht. In der Nacht sind Katzen grau, nachts verschwimmen die Kontraste und die Affekte treten über die Ufer der Vernunft: Angst und Freude, Wut und Trauer, Leidenschaft und Wahnsinn – verheißungsvoll und beängstigend.

Sarah McKenzie - We Could Be Lovers

Swing, Coolness und eine kleine Prise Sex Appeal: Sarah McKenzie möchte die klassische Eleganz der Fifties und Sixties zurück in die Musik bringen. Das kann man wohl als Blitzkarriere bezeichnen: Es ist gerade einmal zweieinhalb Jahre her, dass die 27-jährige Sängerin und Pianistin ein Stipendium für das berühmte Berklee College of Music erhielt.

Musiker fordern Weiterentwicklung von APPLAUS bei den Konditionen für Künstler

Berlin, 12. Oktober 2015
Anlässlich der Verleihung des Spielstättenprogrammpreises ‚Applaus‘ durch die Kulturstaatsministerin beglückwünscht die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) alle Gewinner und betont die Wichtigkeit eines solidarischen Miteinanders in der Clubszene. „Nur eine starke Partnerschaft von Spielstätten und Musikern führt zu einem kulturell herausragenden Programm“, so Gebhard Ullmann, Vorsitzender der Union Deutscher Jazzmusiker.

Lisa Bassenge - Canyon Songs

Canyon Songs, das neue Album, ist ein neuer Schritt für die Künstlerin. Es ist die erste Veröffentlichung der Berliner Sängerin für Edel/MPS. Lisa Bassenge nahm elf Songs in Los Angeles auf, am Mischpult saß Grammy-Preisträger Larry Klein, der vor allem durch seine ausgezeichneten Produktionen für Till Brönner, Melody Gardot (My One And Only Thrill), oder Madeleine Peyroux hervorsticht.

Torsten Goods - Thank You Baby!

Spätestens seit seinem letzten Album "Love Comes To Town“ hat sich allgemein herumgesprochen, dass Torsten Goods einer ist, der „den großen Groove beherrscht“ (Süddeutsche Zeitung), bei dem sich „Popjazz so gut anfühlt wie seit George Benson nicht mehr“ (Kulturnews), weil er eben „Gitarre spielen kann wie George Benson, singen wie Frank Sinatra und komponieren wie Joe Sample“ (wiederum die Süddeutsche Zeitung). Und der gerade mal 34-Jährige ist keiner, der sich frühvollendet auf den Lorbeeren ausruht. Nach seinem frühen Durchbruch mit Ende 20 setzte er sich gezielt neue Reizpunkte: Er zog von Nürnberg nach Berlin, spielte mit Größen wie Till Brönner und versicherte sich seiner musikalischen Identität, indem er auch mal mit Popstars wie Sarah Connor arbeitete.

Steve Smith, Tony Monaco & Vinny Valentino - Groove: Blue

Dieses kleine Albumjuwel verdanken wir einer Zufallsbegegnung in Indonesiens Hauptstadt Jakarta im März 2011. Drummer Steve Smith und Gitarrist Vinny Valentino spielten damals mit ihrer Gruppe Vital Information auf dem Java Jazz Festival und wollten nach dem Auftritt noch für einen Gute-Nacht-Drink in die Lounge. Schon von Weitem hörten die beiden eine furios swingende Orgel und fragten sich, wer da wohl die schwarzen und weißen Tasten drückt.

Philip Catherine - The String Project - Live in Brussels

Fast wäre er gar nicht geboren worden. Sein Großvater mütterlicherseits spielte die erste Violine im London Symphony Orchestra. Im April 1912 wollte Mr. Brennan mit dem Schiff nach New York fahren und hatte bereits ein Ticket für die Titanic gebucht. Aber er kam zu spät, das Schiff legte ohne ihn ab. Und so kam es, dass zunächst seine Mutter das Licht der Welt erblicken konnte, und am 27. Oktober 1942 auch er, Philip Catherine.