Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu vielen Meldungen weiterführende Inhalte: detaillierte Album-Reviews, exklusive Interviews, ausführliche Konzert und Festivalreportagen und fundierte Künstlerbiografien. Unsere kuratierten Besten Jazz-Alben bündeln darüber hinaus die prägendsten Veröffentlichungen eines Jahres – als Orientierung in einer stetig wachsenden Jazzwelt.
„Press Enter“ ist das Destillat all dieser Einflüsse: amerikanische Jazz-Tradition und -Moderne, europäische Klassik, Filmmusik, Komposition und Improvisation. Der Titel ist bezeichnend für Romain Collins Art, konsequent seinen eigenen Weg zu verfolgen und geht auf Wayne Shorter zurück. Collin erinnert sich: „Als ich mit Wayne in Indien war, sprachen wir darüber, wie man manchmal große Pläne im Leben oder in der Musik hat – aber oft nicht nach ihnen handelt. Plötzlich machte er eine Pause und sagte dann „Press Enter!“. Danach ging er…aber das blieb bei mir hängen.“
Ein deutscher Jazzmusiker vom Weltformat – das war und bleibt eine Rarität. Rolf Kühn zählt zu dieser Königsklasse des Jazz. Seine neue und lange erwartete Studioproduktion STEREO ist ein Kunstwerk und ein Meilenstein: Ein großartiger und fast durchsichtiger Klang verbindet sich auf diesem neuen MPS Album mit einem Erforschen und Ausloten des musikalischen Materials eines Master Musicians.
Aus keinem anderen Land stammen weltweit auf die Bevölkerungszahl gerechnet mehr profilierte Jazzmusiker als aus Norwegen. Jan Garbarek ist der Fixstern, doch war es vor allem auch die zweite, in den 1960er Jahren geborene Generation, die dem „Nordic Jazz“ zu weltweitem Ansehen verhalf: Nils Petter Molvær, Bugge Wesseltoft, Geir Lysne, Eivind Aarset und eben auch der Saxofonist Tore Brunborg. Obwohl in der norwegischen Jazzszene hochangesehen, ist Brunborg international eher als Sideman bekannt. Erst jetzt hat der 54-Jährige mit seinem ACT-Debüt „Slow Snow“ einen internationalen Auftritt in eigener Sache.
Die „Superjazz“-Formel von BRUUT! versammelt den Surrealismus von Quentin Tarantino Filmen, Second Hand Schallplatten und alten Westernfilmen. Im Einklang mit Lavalampen und neu interpretiertem Boogaloo. BRUUT! swingt mit aller Macht. Sie konterkarieren das Schreiend- Bunte mit dem Unperfekten und das Tanzbare mit dem Hörbaren. Um es kurz zu machen: BRUUT! machen Superjazz. Und breiten sich dabei international bis nach Japan, Polen, Burkina Faso, Deutschland, England, Südafrika, Spanien, Surinam, in die Türkei und bis nach Belgien aus.
Mit dem Album „Dee Dee’s Feathers“ begibt sich die Jazz-Legende Dee Dee Bridgewater zusammen mit Irvin Mayfield und dem New Orleans Jazz Orchestra (NOJO) auf eine musikalische Reise durch die Geschichte von New Orleans. Aufgenommen wurden die Songs in den Esplanade Studios, die sich in einer restaurierten Kirche der vom Hurrikan schwer beschädigten Altstadt befinden. Die Veröffentlichung von „Dee Dee’s Feathers“ geht mit einer Welttournee einher, mit Auftritten beim New Orleans Jazz & Heritage Festival, beim North Sea Jazz Festival und beim Montreal Jazz Festival sowie im Barbican (London) und im berühmten Apollo Theatre in New York.
Mit seinem neuen Album „Time Pieces“ widmet sich Bassist Kyle Eastwood einem für Jazzer zeitlosen, bedeutenden Stil: dem Hard Bop der 1950er und 1960er Jahre. Eastwood sagt, der lyrische Hard Bop – voller Groove und anspruchsvoller Harmonik – sei seine Lieblingsmusik.
IKI sind ein Phänomen: Das Vokalensemble besteht aus acht Sängerinnen aus Dänemark, Norwegen, Finnland und Island. Ihre Musik ist ein immer wieder überraschender Mix aus Folk, Klassik, Jazz, Pop, Oper, Soul, sakralen Tönen und Avantgarde. Ihr gemeinsames Projekt IKI beschreiben die Vokalartistinnen übrigens mit diesen Worten: „IKI ist ein neugeborenes Baby, eine freche Göre, eine Meerjungfrau oder eine weise alte Frau“. Im Ergebnis entstehen ungewöhnliche Töne, die so schwer zu fassen wie die Songs ihrer Schwestern, der Amerikanerinnen Coco Rosie. Einfach zu goutierende Kost bietet das Oktett jedenfalls nicht. Aber aufregend klingen sie immer! Das selbst betitelte Debütalbum der IKI-Sängerinnen gewann im Jahr 2011 auf Anhieb den Danish Music Award Jazz, das dänische Gegenstück zum amerikanischen Grammy.
Manchmal muss man sich in der Ferne verlieren, um sich selbst zu finden. Den Trompeter Gunnar Halle beispielsweise traf eine entscheidende Erkenntnis auf den Straßen Istanbuls, weit entfernt von seiner norwegischen Heimat. Fast zwei Jahrzehnte lang hatte Halle sich in den Dienst unterschiedlichster Musiker gestellt, darunter die Sängerin Susi Hyldgaard, die angesagten Electro-Rocker Whomadewho sowie sein sensibles Avantgarde-Quartett Fattigfolket.
Andy Sheppard erweitert den musikalischen Horizont seines vielgepriesenen Projekts Trio Libero mit Michel Benita und Sebastian Rochford, indem er das Ensemble um den Gitarristen Eivind Aarset – der 2008 schon zu Sheppards Album „Movements In Colour“ beigetragen hatte – ergänzt.
Auf Dallendyshe ("Die Schwalbe"), ihrem zweiten ECM-Album, singt Elina Duni von der Liebe und vom Exil. Die bewegte Geschichte der Balkanregionen hat viele solcher Lieder hervorgebracht und die Stücke hier, hauptsächlich aus traditionellen albanischen Quellen stammend, werden von Elina und ihrer Band mit Leidenschaft und tiefem Verständnis interpretiert.
“Beauteous Tales and Offbeat Stories”, das zweite Album des finnischen Kari Ikonen Trios lebt von der Magie der Kontraste. Der mehrfach preisgekrönte Pianist Kari Ikonen, sowie seine Mitmusiker Drummer Markku Ounaskari, Finnlands Jazzmusiker des Jahres, und der armenische Bassist Ara Yaralyan präsentieren neben vollendeten Eigenkompositionen, einem Bollywood-Schlager und einem armenischen Liebeslied auch mehrere freie Improvisationen, die spontan im Studio entstanden. Durch dieses Spiel mit dem Risiko schaffen sie es, ihre außergewöhnliche Dynamik und Kreativität mit viel Energie in Aufnahmen zu bannen.
Paul Kuhn und Bert Kaempfert gehören ohne Zweifel zu den Großen ihres Fachs. Beide feierten ihre größten Erfolge zur gleichen Zeit, sind sich allerdings persönlich nie begegnet.
Bei ihrem ersten Zusammentreffen für einen gemeinsamen Song im Jahr 2011 in einem Pariser Studio stellten Fatoumata Diawara und Roberto Fonseca fest: vier Minuten und 32 Sekunden waren nicht genug. Sie wollten diese perfekte Harmonie weiterverfolgen, die sie bei ihrer Zusammenarbeit entdeckt hatten.
Auch auf seinem dritten ECM-Album You’ve Been Watching Me ist der Saxophonist und Komponist Tim Berne wieder als Leader seiner dynamischen New Yorker Band Snakeoil zu hören, die er mit dem Gitarristen Ryan Ferreira zum Quintett erweitert – damit verleiht er dem Klang von Snakeoil zusätzliche Nuancen.
Auch auf ihrem 12. Album FJORD hat Susan Weinert wieder eine faszinierende Stimme für sich entdeckt. In der Norwegerin Torun Eriksen fand sie eine kongeniale Partnerin, die sich mit ihrer weichen Stimme und den tiefgründigen Texten mehr als ideal in die Kompositionen Susan Weinert's einfügt. Auf 5 Songs brilliert Torun Eriksen mit ihrer wunderschönen Stimme und erzählt geheimnisvolle, lustige und traurige Geschichten mitten aus dem Leben, die die Seele tief berühren und noch lange dort bleiben.
„Wir spielen keine frei improvisierte Musik, sondern improvisieren über Song-artige Strukturen“, beschreibt Hendrika Entzian die Ästhetik ihres Debütalbums Turnus. Mit Gesang hat das Kölner Quartett um die 30-jährige Kontrabassistin und Komponistin aber nichts im Sinn. Das songhafte der Stücke zeigt sich in ihrer Form und in Melodien, die mal weite Bögen schlagen, mal die Atmosphäre einer klassischen Jazzbar weit nach Mitternacht vermitteln. Entzians musikalische Erzählkunst wirkt lyrisch und warmherzig, lockt mit hintergründigem Leuchten, überlässt plakative Gefälligkeit, Repetition und juvenile Muskelspiele gerne anderen. Ihre Leitmotive sind oft Sprungbretter für sensible, gleichwohl phantasievolle Improvisationen. Dabei scheint bisweilen der elegante Geist von Kenny Wheeler, Stan Getz oder Bill Evans am Horizont vorbeizuwehen.
Der Berg ruft. Die Musik von "Nature" ist von einer intensiven Naturerfahrung geprägt, die man in dieser Intimität und Unmittelbarkeit eher vom norwegischen Jazz kennt. "In der Natur zu sein, ist für mich eine wichtige Inspiratiosquelle", bekennt Nils Wogram. "Dort kommt man auf andere Gedanken, findet Ruhe und kann völlig unanalytisch die Welt betrachten."
Wenn sich Larry Klein für eine Stimme begeistert und bereit erklärt, eine Sängerin zu produzieren, so ist das eine riesige Auszeichnung. Immerhin ist er für Erfolgsalben von Melody Gardot, Madeleine Peyroux, Tracy Chapman, Joni Mitchell und anderen verantwortlich. Jetzt hat er ein neues Gesangstalent entdeckt: Indra Rios-Moore, deren sinnliche Interpretationen von Jazz- und Pop-Songs ins Ohr gehen und dort hängen bleiben.
FEELING ALIVE ist purer Jazz, ausdrucksstark, modern und lebendig. Mit diesem Album erzählt das Agathe Jazz Quartet von der Liebe, dem Leben und der Kunst des Zusammenlebens. Dabei stehen die drei Eigenkompositionen der Frontfrau Agathe Iracema im Mittelpunkt. Der Titelsong Feeling Alive, der als Featurings „Mr Funk Posaune“ Fred Wesley und den Trompeter Nicolas Folmer präsentiert, führt von einem sanften Einstieg über artistische Soli zu einem Unisono Arrangement und ist quasi Agathes Statement zur Musik schlechthin. Die außergewöhnliche Musikalität der Band zieht sich aber ausnahmslos über das gesamte Album, das auch Jazzstandards, einige neu interpretiert und arrangiert, zum allerbesten gibt.
SHALOSH stammen aus New York und Israel und sind eine Genre-übergreifende, akustische, progressive, rohe Jazz-Band. Auch wenn SHALOSH ein Trio sind, tauchen sie tief in klassische Jazzimprovisationen ein und crossovern mühelos gen Rock, Electro sowie afrikanische und orientalische Sounds. Das Debüt "The Bell Garden" beginnt gerade, international für Furore zu sorgen.
Emil Mangelsdorff hat in seinem Leben zahlreiche Alben auf dem Frankfurter Label L+R Records veröffentlicht. Vor allem mit seinem Quartet , als Musiker im Jutta Hipp Quintet oder dem legendären Joki Freund Sextet, aber auch zusammen mit Bob Degen, Atilla Zoeller und anderen sorgte er immer wieder für glänzende Augen unter Jazz Liebhabern. Unter dem Namen Tune in! erscheint nun eine Zusammenstellung, welche die schönsten Stücke seines L+R Records Kataloges auf einer CD vereint, darunter auch der Titel ‚Sweet Georgia Bright' vom gerade erst erschienenen Studioalbum des Emil Mangelsdorff Quartets ‚Stolen Moments'.
„Individual Difference“ ist außergewöhnliche und individuelle Klaviermusik. Sie vermittelt eine emotionale Innenwelt von großer Intensität. In einem intuitiven Verschmelzungsprozess haben sich Kraft und Pointiertheit des Jazz mit Klang und Gestimmtheit des Impressionismus verbunden. Die Musik klingt neu und natürlich, ist klanglich schön und trotz ihrer Eigenständigkeit vertraut. Die zwölf Stücke der CD „Individual Difference“ sind kompakt und kontrastreich. Jedes Stück hat Charakter und seine eigene musikalische Form. Alle Stücke kommen hörbar aus einer schöpferischen Quelle. Kompositorische Festlegung und improvisatorische Freiheit sind in Balance.
Die Re-Edition zum 50jährigen Jubiläum des legendären Albums von John Coltrane. Das Branford Marsalis Quartet (Marsails - Saxophones, Calderazzo - Piano, Revis - Bass, Watts - Drums) spielen John Coltranes legendäre A Love Supreme Suite.
Nach seinem 1985er Blue-Note-Livealbum "A Night In Copenhagen" kehrt Saxophonist Charles Lloyd mit einer weiteren Liveaufnahme zum blauen Label zurück. Seine grandiose "Wild Man Dance"-Suite hat er exklusiv für das Jazztopad Festival Breslau komponiert, wo sie im November 2013 für das gleichnamige neue Blue-Note-Album mitgeschnitten wurde.
Torgeir Vassvik ist ein Grenzgänger: Der norwegische Sami-Musiker überschreitet auf seinen Veröffentlichungen regelmäßig die scharfen Trennlinien zwischen traditionellen und modernen Soundlandschaften. Vassvik setzt auf seinem zweiten Album „Sápmi“, das bereits im Jahr 2009 in Norwegen erschienen ist, vor allem auf den traditionellen Joik, den gutturalen Gesang der Samen und die hypnotische Wirkung der schamanischen Sami-Trommel. Und kombiniert diese archaischen Klänge mit sibirischem Obertongesang und mit Tönen, die sich in der ungezähmten Natur des Polarkreises finden. Klingt das furchterregend? Jawohl, und das sind diese wilden Töne mitunter. Aber ungemein aufregend sind sie auch!
Yiruma – dieser Name steht für einfühlsame und träumerische Musik, die Menschen jeglichen Alters auf der ganzen Welt berührt und inspiriert. In seiner Heimat Südkorea ist Yiruma ein Superstar und füllt Hallen mit Zehntausenden von Zuhörern. Mit seinem poetischen Klavierstück “River Flows In You“ hat er es darüber hinaus seit 2010 zu weltweiter Popularität geschafft und auch hier zu Lande längst die Charts erobert.
Auf ihrem neuen Album "Coming Forth By Day" zollt Cassandra Wilson ihrem Vorbild Billie Holiday Tribut, pünktlich zum 100. Geburtstag der Jazz-Legende am 7. April 2015. Cassandra Wilson sagt über Billie Holiday, sie habe gesungen wie niemand vor ihr: improvisatorisch und instrumental. Sie wusste den emotionalen Kern eines Songs zu erkennen und zu vermitteln. Dieser revolutionären Art zu singen huldigt Cassandra Wilson auf ihre eigene revolutionäre Weise.
Für sein neues Album "Time And The River" hat sich David Sanborn Marcus Miller als Bassisten und Produzenten ins Boot geholt. Nach 15 Jahren sind die beiden somit endlich wieder auf einem gemeinsamen Werk zu hören, und nicht nur Sanborn ist glücklich darüber. Jeder, der sich an "Upfront" von 1992 und "Inside" von 1999 erinnert, ist voller Vorfreude.
Schon der Name des gemeinsamen Quintett-Projekts von Joe Lovano und Dave Douglas lässt keine Zweifel zu: Shorters Klassiker "Footprints" stand Pate für Sound Prints. Mit "Live at Monterey Jazz Festival" liefern sie nun ihr Debüt-Album ab, das bei besagtem Festival im September 2013 aufgezeichnet wurde. Auf dem Programm standen insgesamt sechs Stücke: zwei von Lovano, zwei von Douglas und zwei neue, für Sound Prints geschriebene Kompositionen von Wayne Shorter.
Schon immer war Ida Sand für Überraschungen gut. Als sie mit 29, nach dem Studium an der Göteborger Musikhochschule und den Lehrjahren in der Stockholmer Jazzszene, 2007 ihr ACT-Debüt „Meet Me Around Midnight“ vorlegte, klang das so ganz anders, als man es von einer schwedischen Sängerin erwartet hatte: Kein ätherischer, „nordischer“ Pop-Jazz, sondern purer, von ihrem dramatischen Timbre befeuerter Soul. Denn Gospel Music und der Soul einer Nina Simone, Etta James und Aretha Franklin, eines Sam Cooke, Donny Hathaway oder Stevie Wonder waren Sands prägende frühen Einflüsse gewesen. Immer wieder verwandelte Sand auf ihren bisherigen drei ACT-Alben Songs dieser Heroen „mit ihrer dunklen, samtig-kraftvollen Stimme in funkelnde Pretiosen“, wie die Financial Times schrieb. Presse wie Publikum waren sich einig, mit Ida Sand eine neue „große weiße Soulstimme“ gehört zu haben.
Larry Coryell returns for his third release on Wide Hive Records in awesome fashion with what is arguably one of his greatest albums.
Jazz bedeutet, die Dinge immer zum ersten Mal zu machen: Auch die Konzertprogramme von „Jazz at Berlin Philharmonic“ sind diesem Credo verpflichtet. Einzigartig, überraschend und mit offenem Ausgang erklingen im Kammermusiksaal bisher ungehörte Musikerkombinationen und Grenzen überschreitende Projekte. Nicht zuletzt deshalb sind die seit November 2012 stattfindenden und fast immer ausverkauften Konzerte Highlights in der Berliner Musiklandschaft.