Mulo Francel – musikalischer Grenzgänger zwischen Jazz, Weltmusik und Klassik
Mulo Francel gehört zu den Musikern, deren künstlerischer Weg sich nur schwer mit einem einzelnen Genre beschreiben lässt. Der 1967 geborene Saxophonist, Komponist und Bandleader bewegt sich seit Jahrzehnten zwischen Jazz, Weltmusik und Klassik, zwischen Improvisation, Tango, mediterranen Klangfarben und europäischen Musiktraditionen. International bekannt wurde er insbesondere als Mitbegründer von Quadro Nuevo, daneben entwickelte er zahlreiche eigene Projekte und Kooperationen, in denen das Saxophon zum Ausgangspunkt immer neuer musikalischer Begegnungen wird.
Francel wurde am 21. September 1967 in München geboren und wuchs im oberbayerischen Raum auf. Einen wichtigen frühen Zugang zur Musik fand er über die Jazz-Plattensammlung seines aus Böhmen stammenden Vaters, der früh verstarb. Als Jugendlicher spielte Francel zunächst Gitarre. Mit 16 Jahren kaufte er sich nach monatelangem Sparen für 400 D-Mark sein erstes gebrauchtes Saxophon und begann zunächst weitgehend autodidaktisch zu spielen.
Schon bald folgten erste Auftritte in einer Rockband. In dieser Zeit begegnete er auch dem Bassisten D.D. Lowka, mit dem ihn später eine jahrzehntelange musikalische Zusammenarbeit bei Quadro Nuevo verbinden sollte.
Nach ersten Studien und ausgedehnten Reisen entschied sich Francel endgültig für eine professionelle Musikerlaufbahn. Er studierte Saxophon und Komposition in Linz, München und New York und sammelte früh internationale Erfahrungen. In New Yorker Jazzclubs spielte er unter anderem mit Musikern aus dem Umfeld von Sting, später arbeitete er mit dem brasilianischen Trompeter Claudio Roditi. Konzertreisen führten ihn nach Afrika, Nord- und Südamerika sowie nach Asien.
Quadro Nuevo und die Suche nach einer eigenen Klangsprache
Eine entscheidende Station seiner Karriere war 1996 die Gründung von Quadro Nuevo. Die Formation entwickelte aus Tango, Jazz, Flamenco, mediterraner Musik, orientalischen Einflüssen und alten europäischen Melodien eine eigene musikalische Sprache. Was zunächst auch mit langen Reisen als Straßenmusiker durch den europäischen Süden verbunden war, entwickelte sich zu einer international erfolgreichen Konzertkarriere.
Mit Quadro Nuevo spielte Francel Tausende Konzerte auf nahezu allen Kontinenten – in Jazzclubs und Konzertsälen ebenso wie auf Festivals und bei ungewöhnlichen Konzertreisen. Auftritte führten das Ensemble unter anderem nach Mexiko, in die USA, nach Jordanien, Israel, Australien, Singapur, Korea, China und Argentinien sowie durch weite Teile Europas. Zu den prominenten Spielorten gehörte die Carnegie Hall in New York.
Die Veröffentlichungen von Quadro Nuevo erreichten hohe Positionen in internationalen Jazz- und Weltmusik-Charts und wurden mehrfach ausgezeichnet. 2010 und 2011 erhielt die Formation den ECHO Jazz als bester Live-Act. Hinzu kamen unter anderem Jazz Awards des Bundesverbandes Musikindustrie und der europäische Impala Award.
Die gemeinsamen Reisen wurden selbst Teil des künstlerischen Konzepts. Für Grand Voyage nahm Quadro Nuevo Musik an zahlreichen Orten rund um die Welt auf. 2011 erschien zudem das Buch Grand Voyage – Ein Roadbook, in dem die Musiker von ihren Reisen, Begegnungen und Erfahrungen unterwegs erzählen.
Das Saxophon als erzählende Stimme
Francels Spiel ist stark von einem melodischen Verständnis des Instruments geprägt. Virtuosität steht dabei weniger im Vordergrund als Klang, Ausdruck und die Fähigkeit, musikalische Geschichten zu entwickeln. Jazzimprovisation verbindet sich mit Tango, mediterraner Musik, arabischen Einflüssen und europäischen Melodietraditionen.
Diese Offenheit führte Francel auch in klassische und orchestrale Zusammenhänge. Als Solist arbeitete er unter anderem mit dem NDR-Orchester, dem WDR Sinfonieorchester, dem Münchner Rundfunkorchester, dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, der Philharmonie Salzburg und dem Ensemble Resonanz. Darüber hinaus komponierte er Musik für Film und Fernsehen.
Immer wieder sucht Francel bewusst nach musikalischen Situationen, in denen unterschiedliche Traditionen miteinander in Dialog treten. Seit Mitte der 2010er-Jahre intensivierte er beispielsweise die Zusammenarbeit mit Musikern aus dem arabischen Kulturraum. Daraus entstand unter anderem die Kooperation von Quadro Nuevo mit Cairo Steps und das 2017 veröffentlichte Album Flying Carpet.
Eigene Projekte und neue Begegnungen
Parallel zu Quadro Nuevo entwickelte Francel eine Reihe eigener Formationen. Mit Escape präsentierte er ein Album unter eigenem Namen, auf dem eigene Kompositionen im Jazzquartett neu interpretiert wurden.
Einen völlig anderen Weg beschritt er mit The Sax & the Sea. Für dieses Projekt spielte Francel ausschließlich solo und nahm eigene Kompositionen an verschiedenen Orten in Meeresnähe auf. Die Konzentration auf das unbegleitete Saxophon machte Klang, Atem, Melodie und Raum selbst zu zentralen Gestaltungselementen.
Mit Mocca Swing verband er 2017 erneut unterschiedliche musikalische Welten. Das Doppelalbum kombiniert Aufnahmen von Mulo Francel & Friends mit orchestralen Arrangements. Gemeinsam mit dem armenischen Pianisten David Gazarov, dem baskischen Akkordeonisten und Dirigenten Enrique Ugarte sowie dem Münchner Rundfunkorchester bewegte sich Francel zwischen Jazz, Klassik und Weltmusik.
2019 entstand mit dem Pianisten Chris Gall das Duo MYTHOS. Improvisation, Neoklassik und World Music treffen hier in einer kammermusikalisch konzentrierten Besetzung aufeinander. Weitere Projekte führten Francel unter anderem mit der Pianistin Nicole Heartseeker sowie den Musikern Paulo Morello und Sven Faller zusammen.
Auch in jüngeren Arbeiten bleibt die Begegnung mit anderen musikalischen Kulturen zentral. Mit dem ägyptischen Pianisten Rami Attallah und dessen Ensemble entstand Global Players, während die Zusammenarbeit mit dem Vibraphonisten Tim Collins einen weiteren kammermusikalischen Dialog eröffnet.
Ein musikalischer Brückenbauer
Bei aller stilistischen Vielfalt zieht sich eine Konstante durch Francels Arbeit: Musik versteht er als Möglichkeit der Begegnung. Das gilt für die Verbindung von Jazz und Klassik ebenso wie für die Auseinandersetzung mit Tango, arabischer Musik oder mediterranen Traditionen.
Seine Projekte entstehen häufig aus Reisen und persönlichen Begegnungen. Dabei geht es weniger darum, unterschiedliche Stile nebeneinanderzustellen, als vielmehr darum, gemeinsame musikalische Räume zu finden. Gerade darin liegt ein wesentlicher Teil seiner künstlerischen Handschrift.
Nach mehreren Jahrzehnten internationaler Konzerttätigkeit ist Mulo Francel damit weit mehr als der Saxophonist von Quadro Nuevo. Als Komponist, Bandleader und Initiator unterschiedlichster Projekte hat er eine eigene musikalische Welt geschaffen, in der Improvisation und Melodie, Fernweh und europäische Tradition sowie Jazz und Weltmusik selbstverständlich miteinander kommunizieren.
Diskographie
- Tim Collins & Mulo Francel - How Did We Get Here?, GLM, 2026
- Mulo Francel & Rami Attallah Group - Global Players, GLM, 2025
- Quadro Nuevo - Inside the Island, GLM, 2025
- Quadro Nuevo - Luna Rossa – Jubiläum Edition, GLM, 2025
- Quadro Nuevo - Happy Deluxe, GLM, 2024
- Mulo Francel & Nicole Heartseeker - Moonriver, GLM, 2023
- Mulo Francel, Paulo Morello & Sven Faller - Living Is Easy, Mostly, GLM, 2022
- Mulo Francel & Friends - Crossing Life Lines, GLM, 2022
- Mulo Francel & Nicole Heartseeker - That’s Amore, GLM, 2022
- Quadro Nuevo - December, GLM, 2022
- Mulo Francel - Mountain Melody, GLM, 2021
- Quadro Nuevo - Odyssee, GLM, 2021
- Quadro Nuevo - As an Unperfect Actor, ACT Music, 2021
- Mulo Francel & Nicole Heartseeker - forever young, Fine Music, 2021
- Quadro Nuevo - Mare, Fine Music, 2020
- Mulo Francel - Crossing Life Lines, GLM, 2020
- Mulo Francel & Chris Gall – MYTHOS - Mythos, GLM, 2019
- Mulo Francel & Friends - Mocca Swing, ACT Music, 2017
- Mulo Francel & Friends - Bix – A Tribute to Bix Beiderbecke, ACT Music, 2017
- Quadro Nuevo - Tango, GLM, 2015
- Mulo Francel & Friends - The Sax & the Sea, Fine Music, 2014
- Mulo Francel & Friends - Escape, Fine Music, 2014
- Quadro Nuevo & NDR Pops Orchestra - End Of The Rainbow, GLM, 2013
- Mulo Francel & Evelyn Huber - Songs of Spices, Fine Music, 2010
Links
Mulo Francel Internetseite:
https://www.mulofrancel.de/
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Kommentar von Heidi Sturm |
Mulo Francel Gewinnspiel