The Freedom to Dream – Leonora Carrington, Dianne Reeves und ein Tag voller Magie in Paris

THE FREEDOM TO DREAM
THE FREEDOM TO DREAM, Grafik: Julie Lobo, Collage: Izabela Olejniczak

Paris hat im Laufe eines Jahres weit mehr Regentage als sonnige. Und doch: Sobald sich die Sonne zeigt, füllen sich jede Terrasse, jeder Park und jeder Stuhl, der ins Licht gerichtet ist, in Sekundenschnelle. Die Pariser weigern sich schlicht, einen Sonnenstrahl zu verpassen.

Ich habe es ihnen gleichgetan. Als letzte Woche die warmen Tage zurückkehrten, lief ich sofort zu meinem Lieblingsort – dem Jardin du Luxembourg. Auf dem Rückweg machte ich Halt im Musée du Luxembourg, wo derzeit eine Ausstellung der Künstlerin Leonora Carrington gewidmet ist. Wer in Paris ist, hat noch bis zum 19. Juli Zeit, sie zu sehen.

Schon beim Betreten scheint Carrington ihre Besucher in ihr surrealistisches und zugleich mystisches Universum einzuladen. Die Ausstellung beginnt mit frühen Skizzen und traumähnlichen Figuren. Familienfotografien geben Einblicke in ihre Kindheit, während ihre Stimme – aus einem intimen Interview – durch die Räume klingt, wenn sie über Leben, Liebe und Tiere spricht.

Ihr eigenes Leben liest sich wie ein Abenteuer: von Florenz über den Süden Frankreichs, durch Spanien bis schließlich nach Mexiko, wo sie einen großen Teil ihres künstlerischen Lebens verbrachte. Die Ausstellung versammelt 126 Werke – Gemälde, Zeichnungen und Objekte –, bevölkert von mythologischen Kreaturen, Tieren und geheimnisvollen Symbolen. Carringtons Welt verbindet surrealistische Fantasie mit Anklängen an die Renaissance Italiens, inspiriert von den klassischen Traditionen, die sie bewunderte.

Besonders bemerkenswert ist, dass Carrington als junge Frau in eine weitgehend von Männern dominierte surrealistische Bewegung eintrat. Max Ernst stellte sie dem Kreis vor, doch sie bewies schnell, dass sie dort aus eigener Kraft ihren Platz hatte. Neben Persönlichkeiten wie Salvador Dalí und André Breton wurde sie nicht nur für ihr Talent anerkannt, sondern auch für ihren unabhängigen Geist und ihren feinen Humor. Carrington selbst sagte einmal: „Ich hatte keine Zeit, die Muse von irgendjemandem zu sein. Ich war zu beschäftigt damit, zu lernen, wie man eine Künstlerin wird.“

Und genau das wurde sie: eine eigenständige Schöpferin, die ein zutiefst persönliches Universum voller Geheimnisse und Fantasie erschuf.

Als der Nachmittag langsam in den Abend überging, verließ ich Carringtons traumartige Welt und kehrte in die Realität zurück … nur um wenige Stunden später eine andere Form von Magie zu erleben – im New Morning, wo Dianne Reeves auf die Bühne treten sollte.

Die mehrfache Grammy-Preisträgerin und eine der großen Stimmen des Jazz hat über mehr als fünf Jahrzehnte eine außergewöhnliche Karriere aufgebaut. Sie arbeitete mit Künstlern von Sergio Mendes bis Harry Belafonte zusammen und verbindet mühelos Jazz mit brasilianischen und lateinamerikanischen Einflüssen, Pop und R&B.

Ihre reiche, warme und tief ausdrucksstarke Stimme erfüllte sofort den Raum. Mit Musik und Geschichten nahm sie das Publikum mit auf eine Reise durch Kindheitserinnerungen, durch Himmel voller Träume und durch die Freude, nach fünfzig Jahren auf der Bühne immer noch Musik machen zu dürfen.

Auf den ersten Blick scheinen Leonora Carrington und Dianne Reeves Welten voneinander entfernt zu sein: hier die surrealistische Malerin, dort die Jazzsängerin. Und doch schöpfen beide Künstlerinnen aus derselben tiefen Quelle der Vorstellungskraft und kreativen Freiheit.

Ob durch Malerei oder durch Musik – beide erinnern uns an etwas Wesentliches: an den universellen Wunsch, dem Alltäglichen zu entfliehen.

Ganz gleich, ob wir ihn auf einer surrealen Leinwand entdecken, in einer Jazzimprovisation hören oder einfach unter einem hellen Pariser Himmel sitzen – die Fantasie erlaubt es uns, weiterzugehen, weiter zu träumen und immer wieder neue Ruhe zu finden. Selbst nach fünfzig Jahren. Oder darüber hinaus.

Auf ihre jeweils eigene Weise schenken uns Leonora und Dianne dasselbe:
die Freiheit zu träumen.

Musee du Luxembourg
Musee du Luxembourg, Foto: Izabela Olejniczak

Text und Fotos: Jazzabela (Izabela Olejniczak)

Hier finden Sie frühere Episoden von „Lost in Paris with Jazzabela”

Lost in Paris with Jazzabela

Geschichten, die den Jazz lebendig machen

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