Bleib in Schwingung – Nachruf auf Winfried Dulisch

Winfried Dulisch
Winfried Dulisch in den Abbey Road Studios in London

Am Dienstag, dem 12. Mai 2026, ist mein Freund und langjähriger Wegbegleiter Winfried Dulisch verstorben. Mit ihm verliert jazz-fun.de nicht nur einen außergewöhnlichen Autor, sondern ich persönlich einen Menschen, dessen Stimme, Gedanken und kritischer Blick über viele Jahre ein fester Bestandteil meines Alltags geworden waren.

Es gibt Begegnungen, die verändern etwas. Als ich Winfried vor einigen Jahren kennenlernte, ahnte ich nicht, wie eng unsere Zusammenarbeit – und vor allem unsere Freundschaft – einmal werden würde. Aus Gesprächen wurden Diskussionen, aus Diskussionen stundenlange Telefonate. Manchmal über Musik, manchmal über Journalismus, oft über das Leben selbst. Nicht selten schien es, als gäbe es kein Ende dieser Gespräche – und vielleicht war genau das ihr Wert.

Winfried Dulisch, Jahrgang 1949, arbeitete in den Siebzigerjahren zunächst als Songwriter für Pop- und Jazzprojekte. 1984, wie er selbst einmal mit feiner Ironie formulierte, wechselte er die Seiten und wurde zum „professionellen Zuhörer“. Vier Jahrzehnte später schrieb der Musikjournalist, dass er es manchmal bedauere, die meiste Zeit nur auf jene geachtet zu haben, die auf der Bühne stehen. Sein Blick galt zunehmend den Menschen im Schatten der Konzerthallen – jenen, die Musik mit offenem Herzen aufnehmen, ohne selbst im Rampenlicht zu stehen.

Vielleicht war genau das Winfrieds besondere Stärke: Er sah Dinge, die andere übersahen.

Für jazz-fun.de wurde er weit mehr als nur ein Kolumnist. Er half mir dabei, das Magazin weiterzuentwickeln, erzählte von Festivals, Musikerinnen und Musikern, von Geschichten hinter Geschichten. Er kannte scheinbar alles – und vor allem alle. Doch Wissen allein machte ihn nicht besonders. Es war seine Haltung: offen, neugierig, kompromisslos ehrlich.

Von Winfried habe ich unglaublich viel gelernt. Über Journalismus. Über den Wert kritischer Distanz. Über die Fähigkeit, Informationen zu suchen – und die richtigen Fragen zu stellen. Vor allem aber lernte ich von ihm, wie wichtig Ehrlichkeit ist. Seine Kritik war nie bequem. Manchmal tat sie weh. Aber sie war immer ehrlich, immer konstruktiv und immer getragen von dem Wunsch, Dinge besser zu machen. Gerade deshalb war sie für mich so wertvoll.

Er wurde zu einem unverzichtbaren Partner in der täglichen Redaktionsarbeit – und weit darüber hinaus zu einem Freund, mit dem ich über alles sprechen konnte: über Erfolge, Zweifel, Probleme und Hoffnungen.

Mit seiner Kolumne „Der Dulisch“ schenkte er unseren Leserinnen und Lesern immer wieder neue Perspektiven. Er blickte auf die Welt durch einen ganz eigenen, kritischen Filter – oft überraschend, manchmal provokant, aber stets intelligent und menschlich. Selbst in scheinbar gewöhnlichen Themen fand er Gedanken, die nachhallten. Texte wie „Inspirationen“, „INSPIRATIONEN Special: Christmas-Favorites von Winfried Dulisch“, seine ketzerischen Pfingstgrüße, seine pointierten Gedanken zur Fußball-EM oder sein augenzwinkernder Text darüber, welche Sätze man niemals zu einem Journalisten sagen sollte – all das bleibt. Und wird mich weiter inspirieren.

Die letzten Jahre waren für Winfried nicht leicht. Er war schwer krank. Doch wer ihn kannte, weiß: Klagen gehörte nie zu seinem Wesen. Bis zuletzt blieb er ein freundlicher, zugewandter und neugieriger Mensch – interessiert an Neuem, offen für Diskussionen, voller Gedanken und Ideen.

Es gibt Menschen, deren Abwesenheit plötzlich eine Stille hinterlässt, die kaum auszuhalten ist.

Ich werde unsere Gespräche vermissen. Seine Fragen. Seine Kritik. Sein Wissen. Seine Freundschaft.

Und ich werde seine Worte vermissen, mit denen fast jedes unserer Gespräche endete:
„Bleib in Schwingung.“

Genau so werden wir ihn in Erinnerung behalten.

Mach’s gut, Winfried. Und danke – für alles. Bleib in Schwingung!

Text: Jacek Brun
Foto: Winfried Dulisch

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Kommentar von Thomas Pörschke |

Von Herzen Dank für diese bewegenden und zutreffenden Zeilen!

Kommentar von Gunda Koslowsky |

Vielen Dank, lieber Jacek. Zutreffender hätte keiner "den Dulisch" wie er sich selbst bezeichnete, beschreiben und wertschätzen können. So behalten wir ihn in Erinnerung, da er eine Bereicherung in unserem Leben war.

Kommentar von Alexander Moore |

Vielen Dank für den schönen Nachruf. Ich habe "den Dulisch" sehr zufällig 2003 in Graz kennengelernt, da hatte er gerade einen tollen Reisetext über Radfahren im Burgenland geschrieben gehabt. Und das Kulturhauptstadtjahr Graz 2003 hat ihn interessiert. Die Gespräche über seine Musik, meine Musik, unsere gemeinsame Liebe zu Uhren und noch so viele tausende andere Dinge waren wunderbar. Sein herrliches Schmähwort über die "Bluespolizei" in der ersten Reihe von Jazz-Clubs ist in meinen Wortschatz gewandert. Und die Geste, beim Reden immer rasch einen Zeigefinger in die Luft zu strecken, wenn er eine Pointe ablieferte oder ihm etwas klar geworden war, werde ich nie vergessen. Und viele andere Dinge auch nicht. Danke Winfried!

Kommentar von Axel Koch |

Gute und zutreffende Worte, die Du für Deinen Nachruf gefunden hast, lieber Jacek. Ich habe Winfried Dulisch als unbequemen und meinungstarken (wobei seine Meinung stets wohlfundiert war), gleichzeitig herzlichen Menschen und Journalisten kennenlernen dürfen. Ein großer Verlust.

Kommentar von Hansjörg Vollmer |

Treffender kann man Winfried Dulisch nicht beschreiben als Sie es lieber Herr Jacek Brun getan haben.
Seit dem Jahr 2000 stand auch Ich regelmäßig in Verbindung mit Herrn Dulisch.
Er war seinerzeit auf der Suche nach einer allergiefreien Armbanduhr, die er bis dahin nirgends gefunden hatte.
Gesagt getan - er entdeckte unsere Titanuhren - und schrieb gleich einen Artikel darüber und schickte ihn an DPA.
Seit dieser Zeit bekamen wir regelmäßig journalistische Unterstützung im Bereich Armbanduhren.
Die Texte für Fliegeruhren, Beobachtungsuhren, Taucheruhren stammen allesamt aus seiner Hand.
Namensgebungen wie U-Boot Uhr, Sextant, Carbon, Aquaristo und einige mehr sind bei gemeinsamen Gesprächen,
gegenseitigen Besuchen in Telgte, Bremen oder bei einer Fahrrad-Tour mit "Anita" im Ruhrgebiet über mehr
als 2 Jahrzehnten entstanden und zu unserem Markenzeichen geworden.
Als er mich vor Jahren wieder einmal besuchte, verpasste ich ihm einen Sturzhelm und wir machten spontan
eine Motorrad-Tour durch den Nordschwarzwald. In den Kurven legte er sich immer dagegen.
Darauf angesprochen meinte er, er folge nur seinem natürlichen Instinkt.
Er hat wesentlich am Bekanntheitsgrad unserer Uhrenmarke mitgearbeitet und sich auch technisch immer
mehr für Uhren interessiert. Sein gezieltes Hinterfragen hat viel dazu beigetragen, Produkte neu zu gestalten,
auch Nischen damit zu belegen und die potentziellen Käufer und Interessenten mit seiner Sprache zu erreichen.
In Wikipedia sind viele unserer gemeinsam erarbeiteten Steps zu erkennen https://de.wikipedia.org/wiki/Aristo_Vollmer
Telefonisch hatten wir oft längere Gespräche und diskutierten über neue Uhrenideen und deren textlich Umsetzung.
Seit seinem Umzug ins Erzgebirge ist es ruhiger geworden.
Beim letzten Anruf vor einem Monat hat er mich über seinen gesundheitlichen Zustand informiert und auch darüber,
dass es sein letzter Anruf, aus dem Hospitz, sein würde.
Er verabschiedete sich mit "Machen Sie es weiter gut, Herr Vollmer, und bleiben Sie in Schwingung.
Als ich am 15. Mai auf meinem Mobiltelefon seinen Namen las, war es die Lebensgefährtin, Frau Koslowsky, die mich vom
Tod meines Mitstreiters informierte.
Wir werden weiter unsere Werbetexte schreiben in "Prosa" im Stil unseres allseits geschätzten Herrn Dulisch, Journalist.
Hansjörg Vollmer, Geschäftsführer der ARISTO VOLLMER GmbH in Pforzheim

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