Winfried Dulisch nennt Sätze, welche Du nie zu einem Journalisten sagen solltest.

Liebe Jazz-Promoterin, lieber Jazz-Promoter,

dieses Thema interessiert Dich garantiert brennend. – Falls Du mit genau diesem Satz Deine Anrufe beginnst, weckst Du bei dem angerufenen Journalisten überhaupt kein brennendes Interesse. Du verstärkst damit viel mehr genau jene Abwehrhaltung, die Du mit Deiner Gesprächseröffnung eigentlich überwinden wolltest.

Es geht immer noch schlimmer: „Auf dieses Album hat die Fachwelt schon lange gewartet.“ – Bitte nenne mir mindestens drei Fachleute, die mehrere Wochen lang im strömenden Regen vor den Toren des Tonträger-Presswerks gestanden haben und auf die erlösende Nachricht warteten: Die Platte kann endlich veröffentlicht werden.

Einen weiteren Tiefpunkt der KI-generierten Promotion-Arbeit markiert diese Floskel: „Die Kritik war begeistert!“ – Wie soll ich mir diese Begeisterung vorstellen? Sprangen meine Kolleginnen und Kollegen vor Begeisterung auf ihre Schreibtische und tanzten wild zappelnd und schreiend zu dieser Musik?

Kannst Du noch mehr vertragen? – Bitteschön: „Wir hatten dir vor 14 Tagen das neue Album von XYZ geschickt. Ich wollte eigentlich nur mal so ganz allgemein bei den Empfängern unserer Promo-Aussendungen nachfragen, ob ihr das Album einsetzen könnt.“ – Brutaler kann die Promotion-Industrie einem ambitionierten Fachautor nicht zu verstehen geben, dass er irgendwo im unteren Drittel einer Telefonliste neben vielen anderen nützlichen Idioten rangiert.

Spätestens jetzt kennst Du mich gut genug, um zu wissen, dass ich für meine Leser schreibe – und nicht für Dich oder die von Dir vertretenen Künstler. Ich interessiere mich nur für Themen, welche die Gedankenwelt meiner Leser bereichern könnten. Der Leser ist mein Auftraggeber und meine Inspirationsquelle – nicht Du.

Magst Du mir trotzdem noch immer eine hörenswerte Geschichte erzählen, über die ich eine lesenswerte Kolumne schreiben kann? – Wenn Du mich anrufen magst, freue ich mich jetzt schon auf Deine wertvollen Anregungen für meine Arbeit.

Bleib in Schwingung!

Winfried Dulisch

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