Der Kölner Pianist und Organist über seine Arbeit im Salon de Jazz, die Bedeutung der Improvisation und die Suche nach emotionaler Tiefe.

Foto von Clemens Orth und Angela Ballhorn
Clemens Orth und Angela Ballhorn, Foto: Erik Brun

Den Kölner Jazzmusiker Clemens Orth nur auf Pianist und vielleicht noch Hammondorgelspieler zu reduzieren, greift zu kurz. Der Musiker ist mit eigenen Projekten, aber auch als Sideman beschäftigt, hat den Salon de Jazz in Köln, in dem er regelmässig Konzerte und Sessions veranstaltet. Die Räumlichkeiten fungieren auch als Studio, eine Handvoll Produktionen erscheinen pro Jahr. Die wiederum teilweise auf seinem eigenen Label erscheinen.
Ein vielbeschäftigter Musiker in vielen Funktionen!
Von Angela Ballhorn

jazz-fun.de:
Ich würde mir wünschen, dass du dich in kurzen Worten vorstellst.

Clemens Orth:
Mein Name ist Clemens Orth, ich bin Pianist und Organist, ich produziere seit 20 Jahren Musik, ich habe mir ein kleines Tonstudio aufgebaut, und an dem Tonstudio hängt noch ein Live-Room. Da veranstalte ich seit nunmehr 15 Jahren Konzerte. Das ist ein kleiner Raum, es passen 60 oder 70 Leute rein. Aber der Raum ist gut ausgestattet mit guten Instrumenten und ist akustisch entsprechend gut, weil es ein Studioraum ist. Das findet sehr grossen Anklang. Der Raum heisst Salon de Jazz.

jazz-fun.de:
Welche Besetzungsgrössen treten in dem Salon auf?

Clemens Orth:
Es haben tatsächlich auch schon mal Besetzungen mit sieben oder acht Leuten dort gespielt, aber das ist eigentlich zu viel. Der Raum ist dafür zu klein. Die sinnvolle Besetzung wäre Quartett oder vielleicht noch Quintett. Wir haben sehr viel Triomusik oder aber auch Musik im Duo. Für kleinere kammermusikalische Sachen ist der Raum einfach perfekt.

Ich versuche den Spagat hinzubekommen aus Live-Spielen, was natürlich immer noch meine Priorität ist und dieser Studiosache mit Produktion und eben abends noch den Club. Das ist natürlich sehr viel, es lastet mich manchmal auch mehr als 100 Prozent aus.

jazz-fun.de:
Eigentlich sind das ja auch drei Jobs.

Clemens Orth:
Mittlerweile habe ich ein Team von zehn Leuten, das macht es einfacher. Die arbeiten sowohl im technischen Bereich als auch im Social Media Bereich und stehen noch an der Bar

jazz-fun.de:
Das kannst du als Einzelperson ja auch gar nicht mehr stemmen.

Clemens Orth:
Auf keinen Fall. Es ist mittlerweile auch eine Firma geworden, seit ziemlich genau fünf Jahren. Wir sind sehr breit aufgestellt. Wir hatten mittlerweile auch viele Hiphop- und Popproduktionen. Durch die stilistische Bandbreite schaffen wir das es, alles wirtschaftlich oben zu halten.

Ein gemeinsamer Aufhänger ist mir wichtig, die Ausrichtung, auch was das Label angeht. Das gibt es nämlich ebenfalls, über das kleine Label CTO Music haben inzwischen etliche Künstler, die ich aufgenommen und produziert habe, veröffentlicht, aber auch andere ihre Sachen untergebracht, Es ist ein kleines Label, wir machen in erster Linie Online Releases, auf Wunsch aber auch physische Releases. In der ganzen Ausrichtung ist mir wichtig, dass Improvisation eine bedeutende Rolle spielt. Wenn jemand anfragt, ein Schlageralbum zu produzieren, das würde ich vermutlich nicht machen. Nicht, weil es Schlager ist, sondern weil es da ja in der Regel keinen Raum für Improvisation gibt. Aber Singer-Songwriter, wenn da jemand improvisatorische Freiräume sucht, oder Avantgarde Jazz oder Standard Jazz ist, das ist egal. Das, was aus dem Stegreif entsteht, hat für mich einen ganz hohen Stellenwert und Bedeutung.

jazz-fun.de:
Das trifft ja dann auch für Hiphop zu, weil das Sprachimprovisation ist.

Clemens Orth:
Ja, genau, wenn es Freestyle ist. Die Art von Hiphop, die bei mir gemacht wird und die ich produziere, die ist schon sehr jazzverwandt. Das sind keine Trap-Sachen, oder das, was man halt kennt. Das ist ja immer sehr gut performt, aber total festgelegt, das finde ich weniger interessant. Da ist der gemeinsame Aufhänger. Ansonsten ist es mir stilistisch wirklich fast egal.

jazz-fun.de:
Gute Musik mit Improvisation.

Clemens Orth:
Am besten mit guter Improvisation, damit beim Hörer etwas hängen bleibt. Ich bin ja ein Fan, wenn beides da ist, ein interessantes Konstrukt, das auf einem intellektuellen Prozess basiert. Aber am Ende soll auch etwas rum kommen, das emotional bewegt. Da sind wir auch gleich bei einem wichtigen Thema, was mir nämlich bei 90 Prozent vom deutschen Jazz fehlt, wenn ich das mal so sagen darf. Das wird ganz offensichtlich, wenn man in andere Länder und da mal auf eine Jamsession geht. Wenn man in Deutschland auf Jamsessions geht, fällt auf, dass alle technisch viel besser spielen können, aber viel weniger rüberkommt.

jazz-fun.de:
Also das technische Niveau ist hier höher.

Clemens Orth:
Ja, das sehe ich so, das ist meine Meinung, und das darf ja jeder anders sehen. Für mich hat das Emotionale trotz aller Virtuosität einen hohen Stellenwert.

jazz-fun.de:
Virtuosität packt einen ja nicht unbedingt.

Clemens Orth:
Das muss nicht sein, ich finde es auch klasse, ein komplexes Stück zu schreiben und sich mit moderner Komposition auseinanderzusetzen. Aber am Ende soll schon was beim Hörer hängen bleiben, dass er nach Hause geht und weiss „Ich kann jetzt glücklich einschlafen, das Konzert hat mir etwas gegeben“ und nicht mit dem Gefühl „da bekomme ich Hirnkrebs davon“. Das finde ich wirklich ein Thema. Und ich bin nicht alleine, zumindest die Musikerkollegen, mit denen ich spiele, da sehen das viele ähnlich. Aber das ist von Szene zu Szene unterschiedlich. Die finden vielleicht das, was ich mache, oldschool, langweilig und corny.

jazz-fun.de:
Aber die Unterschiede sind ja gut.

Clemens Orth:
Und es geht ja auch um eine Mitte. Man sollte sich nicht verrennen. Da neigt man hier total dazu, nicht nur im Bereich der Kunst sondern überall, dass man sich in einen Dogmatismus verrennt. Leute, bleibt einfach offen, hört euch auch mal ein paar andere Sachen an. Geht mal zu einem Typ, der etwas anderes macht und versucht, euch darauf einzulassen. Wenigstens nicht schon mit Ressentiments reingehen. Vielleicht auch erst mal ein Bier trinken und sich dann drauf einlassen. Die Kopfbarriere ist manchmal so gravierend, dass die Leute die Sachen gar nicht an sich ranlassen. Das ist ein grosses Problem.

Aber am Ende bleibt es subjektiv, es macht keinen Sinn, den Zeigefinger zu erheben. Es geht darum, Dinge zu entdecken. Und ich kann ja auch nur aus meiner Erfahrung sprechen und Offenheit wird immer belohnt, finde ich.

jazz-fun.de:
Wenn du die Leute an die Hand nimmst, kann man die Zuschauer auch besser mitnehmen.

Clemens Orth:
Ich sehe in den Szenen, dass alle gerne für sich bleiben. Die lieben sich alle und gehen abends zusammen was trinken und lästern über die anderen und das bleibt schade. Was könnte passieren, wenn man aus jeder Szene das Beste herausnehmen würde und mal aus diesen Elementen was neues macht?
Es wäre interessant, was da für eine Musik dabei herauskommen würde. Aber warum macht das keiner?

jazz-fun.de:
Vielleicht, weil man sich doch stilistisch abgrenzen möchte und lieber ins einer Box bleibt?
Wo würdest du dich selber musikalisch verorten? Du bist ja meistens im Klaviertrio unterwegs.

Clemens Orth:
Auf jeden Fall, ich komme schon vom Klavier. In den letzten Jahren spiele ich viel Hammondorgel und habe da schon meinen eigenen Weg gefunden. Ich habe da – wenn ich das so sagen darf – einen eigenen Stil entwickelt, aber das ist total homogen passiert. Ich habe mir sehr viele Sachen angehört und versucht, mir die besten Sachen von anderen Musikern rauszupicken. Das ist technisch eine wahnsinnige Herausforderung zusammen Bass, Akkorde und alles zu spielen. Du bist wie eine kleines Orchester, du hältst den ganzen Laden zusammen. Alle müssen sich auf dich verlassen können, sonst fliegt alles auseinander. Diese Souveränität zu kriegen und das Wissen und sich mit dem Instrument und der Orchestrierung auseinanderzusetzen, ist viel Arbeit.

jazz-fun.de:
Es ist ein ganz anderes Instrument, auch wenn es schwarzweisse Tasten wie das Klavier hat.

Clemens Orth:
Das ist es in der Tat! Das mache ich auch verstärkt, ich habe eine eigene Reihe in meinem Club, Hammond Grooves, da gibt es einmal in der Woche einen Hammond-Abend und danach ist Jamsession. Das ist eine schöne Sache, die sich da etabliert hat. Das sind so meine Hauptschwerpunkte.

jazz-fun.de:
Und Klaviertrio ist natürlich ein weites Feld, darüber habe ich schon mit vielen gesprochen...

Clemens Orth:
Das ist unglaublich schwer, es ist schwer, etwas zu landen, das nachhaltig ist, Es ist so ein überschwemmter Bereich, es gibt so viele Trios. Es ist die Königsdisziplin eines jeden Jazzpianisten. Es ist die Traumvorstellung: Man ist selig, man wird getragen von der Band, man kann sich ausdrücken. Es ist der Traum eines jeden Pianisten, im Trio zu spielen, wenn es gut läuft.

jazz-fun.de:
Weil du halt alles machen kannst, Melodie, Solo, begleiten, auch dein eigenes Solo...

Clemens Orth:
Du bist halt nackt, die ganze Intimität deiner Sprache steht im Mittelpunkt. Ich kenne keinen Jazzpianisten, der sagen würde „Jazztrio berührt mich nicht“. Höchstens aus schlechter Erfahrung vielleicht.

jazz-fun.de:
Es ist ja nicht einfach, weil man nie weiss, was für ein Klavier einen in einem Club erwartet.

Clemens Orth:
Und das kann manchmal echt ein schlechtes Instrument sein. Ich habe vor langem einmal im B Flat in Berlin gespielt, da kam der Klavierstimmer noch eine halbe Stunde vor dem Konzert vorbei. Und als ich angefangen habe zu spielen, war das Instrument sofort wieder im Eimer. Wahrscheinlich haben die Wirbel nicht gehalten. Ich habe auch mit Keyboard-Instrumenten über das Studio zu tun.

jazz-fun.de:
Aber nicht vergleichbar mit einem guten Flügel...

Clemens Orth:
Und ganz ehrlich: elektronische Instrumente interessieren mich immer weniger.  Ich habe auch so eine Fusion-Phase mit Sounds und  Mini Moog durchlaufen. Ich setze das ein, wenn es benötigt wird. Aber für live interessiert es mich wirklich nicht. Stell mir eine Hammond oder einen Flügel hin, dann bin ich glücklich.

jazz-fun.de:
Was gibt es an aktuellen Produktionen von dir?

Clemens Orth:
Es gibt etwas, das ich nicht produziert habe, das aber auf meinem Label erschienen ist. Da bin ich Sideman. Die Band heisst Samhita, die spielt eine Fusion aus Jazz und indischer klassischer Musik. Komponiert wird von Hindol Deb, einem indischen klassischen Sitarspieler, die Musik wird von Pascal Hahn arrangiert. Der hat das ganz toll für Large Ensemble arrangiert. Wir waren jetzt auch gerade wieder auf Tour mit der Band. Das ist eine tolle Melange, angenehm zu hören, nicht zu abstrakt, nicht zu komplex, Pascal hat einen tollen Sinn für Form und Dramaturgie.

Ich habe mit Hindol schon vorher ein Album im Quartett produziert, damit haben wir vor Corona angefangen, das war seine erste Konfrontation mit westlicher Musik. Wir mussten erstmal jahrelang daran arbeiten, die beiden Welten zu verbinden.

jazz-fun.de:
Da ist ja schon die Stimmung der Instrumente ganz anders.

Clemens Orth:
Das auch, ja. Wir spielen eine Musik, die Jazzchanges hat, es ist wirklich Musik, die moduliert und nicht wie sonst üblich bei den Ragas modal bleibt. Das ergab Situationen, wo Hindol während des Stücks oder sogar im Solo selbst seine Sitar umstimmen muss. Wir haben keine Rücksicht darauf genommen, wir kannten ja auch das Instrument nicht gut genug, um zu wissen, was möglich ist. Er hat gesagt, nehmt keine Rücksicht, ich will meinen eigenen Weg finden. Er ist der einzige Sitarspieler, der sich getraut hat, das überhaupt anzugehen. Die Verbindung gab es ja schon seit den 70er Jahren mit dem Mahavishnu Orchestra. Aber das ist anders, im Vergleich zu uns viel modaler. Wir spielen fast schon Standard Changes, es geht manchmal in eine Medianten Tonart, das ist toll.

Darüber hinaus mache ich gerade Singer-Songwriter-Sachen. Im Sommer wird eine Orgeltrio-Platte mit Jonathan Kreisberg erscheinen, ein Kollege aus New York, mit dem ich auch schon länger zusammenarbeite. Es bleibt interessant, es kommen immer zwei bis drei Releases auf meinem Label pro Jahr. An Produktionen sind es sogar noch mehr, wenn die auf einem anderen Label erscheinen. Pro Jahr komme ich sicher auf fünf bis sieben  Produktionen. Damit bin ich ganz gut ausgelastet.

jazz-fun.de:
Aber doch lieber so, als sagen zu müssen „eigentlich würde ich gerne mehr machen“.

Clemens Orth:
Die Zeiten hatte ich auch, zum Beispiel als ich von New York zurück nach Köln gekommen bin. Das war erst mal sehr schwer. Du warst die Energie von New York gewohnt, dass du halt jeden Abend irgendwo hingehst, und dann kommst du in eine Stadt, wo vielleicht alle zwei Wochen eine Session veranstaltet wird. Du musst diese Kraft und diesen Saft auf einmal wieder aus dir selber rausholen. Das ist nicht leicht. Ich habe es durchgezogen und bin da geblieben. Obwohl ich 2009 bis 2013 immer hin- und hergependelt bin, weil mir die Stadt New York so viel gegeben hat. Auch von den Leuten, vom sozialen Netzwerk, und man kommt dort auch schneller mit Leuten in Kontakt. Und dann kam Corona, und dann war sowieso Shutdown für alle.

Im Moment bin ich auch bei Peter Protschkas Organic Universe dabei, zwei Bläser, Orgel und Schlagzeug, quasi 60er Jahre Hardbop, auch mit ein paar Joe Henderson Tunes.  Damit bin ich momentan als Sideman unterwegs, die Besetzung, die etwas Dunkles im Klang hat, hört man nicht so häufig.

Im November wird Clemens Orths neues Album „In Dulci Jubilo“ erscheinen.
Website:
http://www.clemensorth.com/

Das Gespräch führte Angela Ballhorn
Foto: Erik Brun

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Klangräume in Bewegung: Nils Kugelmann im Gespräch

Nils Kugelmann zählt zu den spannendsten Stimmen der jungen deutschen Jazzszene. Auf der jazzahead! 2025 hatten wir die Gelegenheit, mit dem Bassisten und Komponisten über seine musikalische Vision, sein neues Album sowie seine Herangehensweise an Klang, Struktur und Emotion zu sprechen. Seine Musik ist tief, voller Energie und zugleich durchdacht und offen – ein Wechselspiel aus rhythmischer Spannung, lyrischer Tiefe und überraschender Leichtigkeit.

Kraftvoll, virtuos und grenzenlos: Isabelle Bodenseh im Gespräch

Während der jazzahead! 2025 sprachen wir mit der Flötistin Isabelle Bodenseh, die mit ihrer beeindruckenden Bühnenpräsenz und virtuosen Spieltechnik neue Maßstäbe für das Flötenspiel im Jazz setzt. Ob mit klassischer Querflöte, Alt- oder Bassflöte – Bodenseh bringt das oft unterschätzte Instrument in den Mittelpunkt des musikalischen Geschehens. In ihren Projekten verbindet sie kraftvollen Groove, komplexe Improvisation und südamerikanische Einflüsse mit einer unbändigen Spielfreude.

Kunst, Klang und Alpenluft – Das Jazzfestival Saalfelden im Gespräch

Im Interview sprechen Daniela Neumayer und Mario Steidl, die Leitung des renommierten Jazzfestivals Saalfelden, über Visionen, Herausforderungen und Highlights des kommenden Festivals. Zwischen alpiner Kulisse, innovativem Programm und internationaler Strahlkraft bleibt das Festival ein Ort der musikalischen Entdeckungen. Ein spannender Blick hinter die Kulissen eines der bedeutendsten Jazzereignisse Europas.

Lucía (Lucía Gutiérrez Rebolloso) im Gespräch

Im Rahmen der jazzahead! 2025 trafen wir die junge Sängerin Lucía (Lucía Gutiérrez Rebolloso) aus Veracruz, Mexiko. Die 23-Jährige gilt als eine der spannendsten Stimmen der neuen Generation – eine Künstlerin, die mühelos zwischen Jazz, lateinamerikanischer Musik und Pop balanciert und dabei eine ganz eigene Klangsprache entwickelt. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, tiefem musikalischem Verständnis und einer starken Verbindung zu ihrer kulturellen Herkunft bringt Lucía frischen Wind in die internationale Jazzszene.

Lyrik und Weite: Andreas Polyzogopoulos im Gespräch

Der griechische Trompeter Andreas Polyzogopoulos zählt zu den spannendsten Stimmen des europäischen Jazz. Auf der jazzahead! 2025 trafen wir den Musiker zum Gespräch über sein künstlerisches Selbstverständnis, aktuelle Projekte und seine musikalischen Wurzeln zwischen Jazz, Rock und traditioneller griechischer Musik. Sein Klang ist lyrisch, durchdrungen von Weite und emotionaler Tiefe. Im Interview spricht er über Improvisation als Ausdruck innerer Bilder, über Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern und über das ständige Suchen nach musikalischer Wahrhaftigkeit.

Maik Krahl – Vier gewinnt

Der Trompeter Maik Krahl konnte in Bremen sein neues Projekt vorstellen, ein akkordinstrumentloses Quartett mit Trompete, Saxophon, Bass und Schlagzeug. Das Album in der interessanten Besetzung heisst „The Magic of Consistency“ (Challenge Records). Nach einem gut besuchten Konzert im Bremer Schlachthof kam der Musiker am nächsten Morgen am jazz-fun-Stand vorbei: „Ich habe im Schlachthof gespielt, es war supervoll, das Publikum war toll, die Musik war toll. Es hat alles gut geklappt, die Energie war gut, ich bin auf den Mitschnitt gespannt.“  Ein Interview von Angela Ballhorn

Mehr als eine Messe – Götz Bühler über die jazzahead! und seine Mission für den Jazz

Was macht die jazzahead! so einzigartig? Und wie sieht die Zukunft der internationalen Jazzszene aus? Im Gespräch mit Götz Bühler, dem künstlerischen Leiter der jazzahead!, erfahren wir mehr über die Ideen, Herausforderungen und Visionen hinter Europas wichtigstem Branchentreffen für Jazz. Ein Interview über Leidenschaft, Programmgestaltung und die Kraft der Vernetzung.

Mehr Sichtbarkeit, mehr Dialog – Ein Gespräch über den Deutschen Jazzpreis

Im Rahmen der jazzahead! 2025 haben wir mit Hannes Möller (Projektleitung Deutscher Jazzpreis) und Johanna Schneider (Sängerin, Komponistin und Vorstandsmitglied der Deutschen Jazzunion) ein gemeinsames Interview geführt. Im Mittelpunkt stehen die Ziele, Entwicklungen und Herausforderungen rund um den Deutschen Jazzpreis. Das Gespräch beleuchtet die Rolle des Preises in der Szene, den Wunsch nach mehr Sichtbarkeit für Jazz in Deutschland und die Bedeutung eines transparenten, wertschätzenden Auswahlverfahrens. Ein aufschlussreicher Dialog über kulturpolitische Verantwortung, künstlerische Vielfalt und den Wandel in der deutschen Jazzlandschaft.

Offene Strukturen, tiefe Emotionen: Unleashed Cooperation im Gespräch

Bei der jazzahead! 2025 trafen wir die polnische Band Unleashed Cooperation – ein Ensemble, das sich der kreativen Freiheit, emotionaler Tiefe und einem sehr modernen Verständnis von Jazz verschrieben hat. Die Musik des Kollektivs bewegt sich zwischen Improvisation, Komposition, Groove und Atmosphäre – mit Einflüssen aus Jazz, Avantgarde, Ambient und zeitgenössischer Musik. Die Band bestehend aus einigen der spannendsten Musiker der jungen polnischen Szene, versteht sich Unleashed Cooperation als offenes Projekt, in dem die persönliche Ausdruckskraft jedes Mitglieds im Vordergrund steht.

Poesie, Präzision und Improvisation: Evgenij Zelikman im Gespräch

Auf der jazzahead! 2025 trafen wir den Pianisten und Komponisten Evgenij Zelikman, dessen musikalische Sprache sich durch tiefe emotionale Nuancen, kompositorische Klarheit und feinsinnige Improvisation auszeichnet. Zelikman, in Russland geboren und heute in Deutschland aktiv, verbindet in seinem Spiel klassische Einflüsse mit zeitgenössischem Jazz, osteuropäischen Klangfarben und einer ganz persönlichen Erzählhaltung.

Rhythmus als Stimme: Kasiva Mutua im Gespräch

Kasiva Mutua gehört zu den aufregendsten Percussionistinnen Afrikas. Die aus Kenia stammende Musikerin verbindet traditionelle ostafrikanische Rhythmen mit Elementen aus Jazz, Funk und Spoken Word – mit klarer Haltung, tiefer Verwurzelung und internationaler Strahlkraft. Im Interview auf der jazzahead! 2025 spricht sie über den Stellenwert von Rhythmus in afrikanischen Kulturen, ihre Rolle als Frau in der Percussion-Welt und darüber, wie Musik für sie zu einem Werkzeug für Empowerment und kulturellen Dialog wird.

Rhythmus, Risiko und Vision – Diego Piñera im Gespräch

Im Rahmen der jazzahead! 2025 haben wir den Schlagzeuger und Komponisten Diego Piñera zum Video-Interview getroffen. Im Gespräch erzählt er offen von seinem musikalischen Werdegang zwischen Uruguay und Deutschland, seiner künstlerischen Entwicklung und den Herausforderungen, die ein kreatives Musikerleben mit sich bringt. Dabei spricht er über seinen Umgang mit Risiko, seine persönliche Klangsprache und was es für ihn bedeutet, als improvisierender Musiker authentisch zu bleiben. Ein intensives, ehrliches Porträt eines Künstlers, der seinen ganz eigenen Weg geht.

Romantik und Avantgarde: Schubert NOW! im Gespräch

Mit Schubert NOW! führen die Harfenistin Anastasia Razvalyaeva, die Sängerin Veronika Harcsa und der Komponist und Elektronikkünstler Bálint Bolcsó das musikalische Erbe Franz Schuberts in eine neue Klangdimension. Ihr neues Album auf dem Label BMC ist nicht nur eine Hommage an den großen Romantiker, sondern auch ein künstlerisches Statement für die Gegenwart: Improvisation, experimentelle Klangfarben und genreübergreifende Gesangstechniken verbinden sich zu einer faszinierenden Neuinterpretation klassischer Lieder. Im Interview sprechen die drei Künstler:innen über kreative Prozesse, musikalische Grenzgänge und die Suche nach zeitgenössischer Ausdruckskraft.

Svante Söderqvist - Nachhaltiger Jazz

Svante Söderqvist ist Kontrabassist und Cellist, der aus dem Schatten seines Sideman-Daseins nach vorne tritt und mit THE ROCKET sein eigenes Bandprojekt vorstellt. Das besticht durch einprägsame, schlichte Melodien, die sein Trio zusammen mit Tuulikki Bartosik am Akkordeon wunderbar transparent vorträgt. Der Einsatz seiner eigenen Stimme, mit der der schwedische Musiker seine Bass- oder Cellostimmen mitsingt, gibt der Band einen ganz eigenen Sound.

Von Liebe, Optimismus und vom Tratschen der Menschen – Sunna Gunnlaugs im Gespräch

Sunna Gunnlaugs ist eine Jazzpianistin aus Island und ein umtriebiger Eckpfeiler der Szene dort, aber auch in ganz Europa und den USA unterwegs. Ihr neuestes Projekt „Ástin, Bjartsýnin Og Andskotans Blaðrið Í Fólkinu“ (sunny sky / galileo) hat – trotz Vertonung isländischer Gedichte von Jón úr Vör – mittlerweile Nachfragen aus anderen Ländern erfahren.

Zwei Visionen, ein Orchester – Christina Fuchs & Caroline Thon über das Fuchsthone Orchestra

Im Rahmen der jazzahead! 2025 sprachen wir mit Christina Fuchs und Caroline Thon, den beiden Gründerinnen und musikalischen Leiterinnen des Fuchsthone Orchestra. Seit 2019 steht das groß besetzte Ensemble für einen innovativen, genreübergreifenden Sound im Bereich des zeitgenössischen Jazz. Im Interview geben Fuchs und Thon Einblicke in ihre kompositorische Arbeit, die Herausforderungen und Chancen eines solchen Großprojekts – und sprechen über die Notwendigkeit, neue Strukturen im Jazz mutig zu gestalten. Ein Gespräch über Klangvisionen, Gleichberechtigung und die Kraft kollektiver Kreativität.

Zwischen Klangabenteuer und Klarheit – Mareille Merck im Gespräch

Auf der jazzahead! 2025 in Bremen haben wir die Gitarristin Mareille Merck zum Interview getroffen. Sie spricht mit uns über ihren Zugang zum Klang, das Zusammenspiel mit ihrer Band „Larus“, neue musikalische Einflüsse und ihren Weg als improvisierende Musikerin zwischen Tradition und Aufbruch. Ein persönliches Gespräch über kreative Prozesse, das Leben auf Tour und die Zukunft des Jazz aus der Sicht einer der spannendsten Stimmen der jungen europäischen Szene.

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