Svante Söderqvist - Nachhaltiger Jazz

Foto von Svante Söderqvist und Angela Ballhorn
Svante Söderqvist und Angela Ballhorn, Foto: Erik Brun

Svante Söderqvist ist Kontrabassist und Cellist, der aus dem Schatten seines Sideman-Daseins nach vorne tritt und mit THE ROCKET sein eigenes Bandprojekt vorstellt. Das besticht durch einprägsame, schlichte Melodien, die sein Trio zusammen mit Tuulikki Bartosik am Akkordeon wunderbar transparent vorträgt. Der Einsatz seiner eigenen Stimme, mit der der schwedische Musiker seine Bass- oder Cellostimmen mitsingt, gibt der Band einen ganz eigenen Sound.

Doch besonders eindrücklich beschäftigt er sich mit einem Thema, das ihm am Herzen liegt und auf das kaum ein Musiker bisher grösseren Wert gelegt hat: Nachhaltigkeit. Söderqvist hat sich für seine Gigs in Stockholm einen Fahrradanhänger für Bass und Cello bauen lassen. So weit es geht, ist er damit unterwegs. An Verstärkern nimmt er, was die Clubs zu bieten haben und sind Gigs weiter weg, versucht er Flüge zu vermeiden. Nach Bremen war er samt seiner Band mit dem Nachtzug aus Stockholm angereist.

Denn – to face the facts – Musiker, egal, ob im Pop- Rock, Jazz oder Schlagerbereich, sind durch ihre Tourneen ganz schöne Umweltschweine. Svante Söderqvist will aber gerade auch für seine Kinder und deren Zukunft ein Umdenken anregen.

Ein Gespräch mit einem reflektierten Musiker, der nach Lösungen sucht.

jazz-fun.de:
Was muss man über dich wissen?

Svante Söderqvist:
Ich bin Svante Söderqvist, Bassist, Cellist und Sänger aus Schweden. Ich spiele hier in Bremen an der jazzahead! mit meiner Formation THE ROCKET. Ich komme aus der klassischen Musik als Cellist, habe aber auch schon immer Jazz gespielt. Und auch schwedische Folklore und Weltmusik. Lange Jahre habe ich vor allem in Schweden als Sideman gearbeitet. Seit 2002, glaube ich. 2020 habe ich mein erstes Album mit meiner Band mit eigenen Kompositionen veröffentlicht. Nach so vielen Jahren als Sideman fand ich es wichtig und nötig, mein eigenes Ding zu machen.

jazz-fun.de:
Es ist vermutlich gar nicht so leicht, wenn man jahrelang als Sideman gespielt hat und sich mit der Rolle identifiziert, auf einmal festzustellen, dass das noch nicht alles gewesen sein kann.

Svante Söderqvist:
Ich mag es sehr, Sideman zu sein, das möchte ich dazu sagen. Ich hatte immer viele Möglichkeiten, mich auch in dieser Position auszudrücken und die Musik zu formen.
Aber je älter ich wurde, je mehr haben sich alle um mich herum verändert… meine Frau ist Ärztin, sie hatte einen Abschluss. Ich war immer noch der Musiker, der Sideman, derjenige, der vermutlich nie richtig Geld verdienen würde.

Obwohl ich inzwischen auch einen Master Abschluss habe und vielleicht später auch irgendwann mal einen Doktortitel machen werde. Aber es musste noch etwas anderes geben, als nur gut Bass zu spielen. Ich hatte ab und zu mal was komponiert, mich aber nie als Komponisten gesehen, nur weil ich mal ein Stück geschrieben habe.

jazz-fun.de:
Für das Regal komponiert oder auch aufgeführt?

Svante Söderqvist:
Ich hatte eine Band, mit der ich die Stücke gespielt habe, aber ich habe realisiert, dass ich verstehen musste, was für Musik ich schreiben wollte. Weil ich so viele verschiedene Genres spiele, sollten möglichst viele davon in meiner Musik sein. Weil mich das ausmacht. Dann habe ich einen Song geschrieben, von dem ich überzeugt war, den ich  aufführen wollte, nach einer Weile kam ein zweiter dazu.

jazz-fun.de:
Das hat sich dann langsam entwickelt.

Svante Söderqvist:
Es hat eine Weile gedauert, bis ich meine Stimme gefunden habe. Nach vielen Jahren als professioneller Musiker habe ich mich in Stockholm für das Master-Programm eingeschrieben. Im Alter zwischen 37 und 40 habe ich das gemacht, also schon ziemlich alt, direkt vor der Pandemie. Ein Ergebnis dieser Zeit war mein Album „Arrival“, mein erstes Album mit dem Trio, mit dem ich noch arbeite.

Ich bin viel im klassischen Bereich unterwegs und in schwedischer Volksmusik, aber ab dann ging es los, dass ich mit meiner Musik in Schweden unterwegs war. Diese ganze Entwicklung ist fantastisch für mich. Ich mag es wirklich, hier zu sein und zu sehen, dass Menschen meine Musik zur Kenntnis nehmen. Meine Musik ist mein Baby.

jazz-fun.de:
Das ist der nächste Schritt, nicht zu machen, für was man als Sideman gefragt ist, sondern sein eigenes Ding.

Svante Söderqvist:
Genau. Ich kann als Sideman viele Entscheidungen fällen und die Musik gestalten. Aber ich möchte so lange wie möglich im Musikbusiness bleiben und gerne auch als Frontmann mit meiner Musik. Jetzt ist es egal, ob ich Geld verdiene, das ist nicht der Grund, warum ich hier bin. Ich möchte Menschen erreichen und mich selber weiterentwickeln. Als ich für meinen Master ans Konservatorium zurückgekehrt bin, habe ich erkannt, dass ich mich weiterentwickeln will, mich selber herausfordern will, als Musiker und auch als Komponist. Wir hatten im letzten Jahr mit THE ROCKET begonnen, zusammen mit  Tuulikki Bartosik, der Akkordeonspielerin aus Estland, die aus der Folkszene kommt. Wir kommen eher aus der Jazzszene, sie kommt mit einem ganz anderen Background. Das ist interessant und inspirierend und bringt neue Aspekte. Zu meiner Schulzeit ging ich zur Musikschule, ich komme aus einem kleineren Ort zweieinhalb Stunden nördlich von Stockholm, der Bollnäs heisst. Da gab eine starke Jazzszene, aber auch Volksmusik und Klassik. Ich habe von Anfang an in allen drei Stilen musiziert. Je mehr Musik dazu kommt, desto besser.

jazz-fun.de:
Jetzt hast du das Trio, oder ist es ein Quartett?

Svante Söderqvist:
Ein Quartett eigentlich, ich spiele Bass und Cello, Adam Forkelid Klavier und Calle Rasmusson Schlagzeug. Und dazu kommt Tuuliki.

jazz-fun.de:
Akkordeon und Klavier ist eine interessante Mischung.

Svante Söderqvist:
Als wir THE ROCKET aufgenommen hatten und in der Postproduction sassen, haben wir überlegt, ob wir etwas noch dazu nehmen müssen. Da ich ja Bass und Cello spiele, habe ich sonst gerne noch weitere Sounds addiert und ich singe oft auch in Unisono mit meinen Instrumenten. Ich liebe es, nach der Aufnahme extra Farben dazu zu nehmen. Live ist es dann wieder anders, das macht die Musik so spannend. Aber dann habe ich Tuuliki vor einem Jahr getroffen und wir haben festgestellt, dass sie ein Perfect Match ist. Ein viertes Instrument zu einem Jazztrio dazu zu nehmen, ist normalerweise eher ein Blasinstrument. Man denkt nicht an Akkordeon oder die elektronischen Effekte, die sie auch verwendet. Das war interessant und neu. Sie ist kein Jazzmusiker und hat ganz andere Ideen.

Foto von THE ROCKET
THE ROCKET

jazz-fun.de:
Die Band spielt dann anders.

Svante Söderqvist:
...und ich schreibe andere Musik. Akkordeon auf diese neue Art zu nehmen ist eine Herausforderung und führt mich auf neue Wege. Im Jazztrio wäre es schwieriger. Auch Cello zu spielen, oder mit Bogen und all dem klassischen Background, den ich habe oder mit meiner Stimme, die ich gerne und oft dazu nehme, ist es schon anders als das normale Jazztrio, aber mit Tuuliki ist es noch einmal ganz anders.

jazz-fun.de:
Also ist THE ROCKET kein Trio mit Gast, sondern ein festes Quartett.

Svante Söderqvist:
Genau. Wir spielen zwar auch Gigs im Trio, aber THE ROCKET ist mein Quartett. Im Svante Söderqvist Trio kann ich dieselben Songs spielen, aber sie sind anders. Wir wollen jetzt so viel wie möglich im Quartett spielen. Das ist viel interessanter. Niemand hat diese Besetzung. Du kannst so auch in der Weltmusik- oder der klassischen Szene spielen. Das erweitert unseren Markt nicht unerheblich.

jazz-fun.de:
Du spielst Ende des Monats am Jazzbaltica Festival in Deutschland.

Svante Söderqvist:
Nils Landgren (künstlerischer Leiter des Jazzbaltica Festivals) kenne ich schon lange, ich hatte in Östersund meinen ersten festen Job. Dort, sechs Stunden nördlich von Stockholm, gibt es immer noch eine Musikinstitution. 2002 hatte sie ein fest angestelltes Jazzsextett. Ich hatte den Job als Bassist vier Jahre lang. Unsere erste Tour war mit Nils Landgren, die zweite mit Magnus Lindgren. Daher stammen die Kontakte. Ich habe immer schon gesagt, dass Deutschland wichtig ist. Es wird toll sein, da zu spielen. Wir spielen diesen Sommer auch eine Griechenlandtour, dann in Stockholm und Umea am Festival, das wird grossartig. Jetzt sind wir bereit. Ich hatte Nils und auch dem Label ACT meine Musik gezeigt, aber du musst bestimmte Dinge erreicht haben, um das Publikum zu bekommen. Das hatte ich damals noch nicht. Jetzt kann ich meine Musik präsentieren.
Ich bin jetzt das vierte Mal in Bremen, es ist immer grossartig und spannend zu sehen, wie unterschiedlich die verschiedenen Jazzszenen sind. Der Balkan, Südeuropa, das zu sehen hat mich beeinflusst, meine Band und meine Musik zu pushen.

jazz-fun.de:
Du hast ein cooles T-Shirt an, mit deinem Fahrradanhänger für den Bass und dem Cello auf dem Rücken. Nachhaltigkeit ist dir ein wichtiges Thema.

Svante Söderqvist:
Das ist mir ein sehr wichtiger Punkt. Ich bin wirklich sehr beunruhigt, was unsere Umwelt angeht. Das macht mir Angst, auch für meine Kinder. Wenn ich eine Plattform kreieren kann, die das genauso thematisiert wie meine Musik, dann wäre das auch für die Musik gut. Wenn ich Musik schreibe, dann geht es oft darum, was gerade zu der Zeit in der Welt los war, als ich komponiert habe. Ich spreche viel über die Umwelt und politische Prozesse. Ich will eine Inspiration sein und nach Lösungen suchen.
Ich möchte nicht mehr fliegen. Von Estland, der Tallinn Music Week, mussten wir zurückfliegen und wir müssen natürlich nach Griechenland fliegen, aber das war jeweils für vier Tage, nicht nur für einen. Und ich musste „ja“ sagen zu dem grossen Festival.

Nach Bremen bin ich mit dem Nachtzug von Stockholm über Hamburg gekommen. In Schweden lege ich 90 Prozent der Tourneen mit dem Zug zurück. Manchmal nehmen wir ein Mietauto, aber sehr selten. Wenn du mit dem Auto – ohne Ausnahmen – fährst, hast du das doppelte an Emissionen, das könnte man ganz einfach um die Hälfte kappen! Ich habe drei Kinder, wir haben zwar noch ein Auto, aber ich lege 95 Prozent meiner Strecken mit dem Fahrrad zurück. Wenn ich das Auto nehmen müsste, bräuchte ich für mich drei oder vier Gründe als Anlass. Wenn wir nach Bollnäs, in meine alte Heimat reisen, machen wir das mit dem Zug.

Bremen ist eine gute Stadt zum Fahrrad fahren, das ist toll. Malmö, Uppsala und Lund sind in Schweden gut zum Fahrrad fahren, Studentenstädte halt. Die Politik baut leider lieber noch Strassen für Autos. Du kannst den Leuten nicht sagen, dass sie etwas falsch machen, aber du kannst sie inspirieren, Dinge zu verändern. Wenn ich mit all meinem Equipment mit Fahrrad und Zug reisen kann, dann könnt ihr das auch! Für mich ist es eine Art Sport geworden, nach besseren Lösungen zu suchen.

Konzert am Jazzbaltica Festival:
Svante Söderqvist (b), Tuulikki Bartosik (acc), Adam Forkelid (p), Calle Rasmusson (dr)

Samstag 28.6.2025, 15h Jazzcafé, Timmendorfer Strand

Das Gespräch führte Angela Ballhorn
Foto: Erik Brun, Svante Söderqvist (The Rocket)

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Während der jazzahead! 2025 in Bremen trafen wir den Berliner Pianisten und Komponisten Matti Klein – einen der profiliertesten Vertreter des modernen Groove-Jazz in Deutschland. Bekannt durch seine Arbeit mit dem Mo’ Blow-Quartett sowie zahlreichen Kollaborationen (u.a. mit Nils Landgren, Ed Motta und Jakob Manz), hat Klein mit seinem eigenen Matti Klein Soul Trio eine unverwechselbare Klangsprache entwickelt – irgendwo zwischen Jazz-Funk, Soul, Vintage-Vibes und urbaner Eleganz.

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Johannes Käsbach – Klanglandschaften voller Poesie

Auf jazzahead! trafen wir Johannes Käsbach – Komponist, Gitarrist, Produzent und Sänger. Im Interview spricht er über sein Klanglys-Projekt, das nordische Klangästhetik, lyrische Melodien und moderne Jazz-Elemente miteinander verbindet. Käsbach gibt Einblicke in seine musikalische Vision, erzählt von der Entstehung seiner Kompositionen und von der Suche nach dem perfekten Gleichgewicht zwischen Emotion, Atmosphäre und klanglicher Offenheit. Ein Interview von Angela Ballhorn

Klangräume in Bewegung: Nils Kugelmann im Gespräch

Nils Kugelmann zählt zu den spannendsten Stimmen der jungen deutschen Jazzszene. Auf der jazzahead! 2025 hatten wir die Gelegenheit, mit dem Bassisten und Komponisten über seine musikalische Vision, sein neues Album sowie seine Herangehensweise an Klang, Struktur und Emotion zu sprechen. Seine Musik ist tief, voller Energie und zugleich durchdacht und offen – ein Wechselspiel aus rhythmischer Spannung, lyrischer Tiefe und überraschender Leichtigkeit.

Kraftvoll, virtuos und grenzenlos: Isabelle Bodenseh im Gespräch

Während der jazzahead! 2025 sprachen wir mit der Flötistin Isabelle Bodenseh, die mit ihrer beeindruckenden Bühnenpräsenz und virtuosen Spieltechnik neue Maßstäbe für das Flötenspiel im Jazz setzt. Ob mit klassischer Querflöte, Alt- oder Bassflöte – Bodenseh bringt das oft unterschätzte Instrument in den Mittelpunkt des musikalischen Geschehens. In ihren Projekten verbindet sie kraftvollen Groove, komplexe Improvisation und südamerikanische Einflüsse mit einer unbändigen Spielfreude.

Kunst, Klang und Alpenluft – Das Jazzfestival Saalfelden im Gespräch

Im Interview sprechen Daniela Neumayer und Mario Steidl, die Leitung des renommierten Jazzfestivals Saalfelden, über Visionen, Herausforderungen und Highlights des kommenden Festivals. Zwischen alpiner Kulisse, innovativem Programm und internationaler Strahlkraft bleibt das Festival ein Ort der musikalischen Entdeckungen. Ein spannender Blick hinter die Kulissen eines der bedeutendsten Jazzereignisse Europas.

Lucía (Lucía Gutiérrez Rebolloso) im Gespräch

Im Rahmen der jazzahead! 2025 trafen wir die junge Sängerin Lucía (Lucía Gutiérrez Rebolloso) aus Veracruz, Mexiko. Die 23-Jährige gilt als eine der spannendsten Stimmen der neuen Generation – eine Künstlerin, die mühelos zwischen Jazz, lateinamerikanischer Musik und Pop balanciert und dabei eine ganz eigene Klangsprache entwickelt. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, tiefem musikalischem Verständnis und einer starken Verbindung zu ihrer kulturellen Herkunft bringt Lucía frischen Wind in die internationale Jazzszene.

Lyrik und Weite: Andreas Polyzogopoulos im Gespräch

Der griechische Trompeter Andreas Polyzogopoulos zählt zu den spannendsten Stimmen des europäischen Jazz. Auf der jazzahead! 2025 trafen wir den Musiker zum Gespräch über sein künstlerisches Selbstverständnis, aktuelle Projekte und seine musikalischen Wurzeln zwischen Jazz, Rock und traditioneller griechischer Musik. Sein Klang ist lyrisch, durchdrungen von Weite und emotionaler Tiefe. Im Interview spricht er über Improvisation als Ausdruck innerer Bilder, über Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern und über das ständige Suchen nach musikalischer Wahrhaftigkeit.

Maik Krahl – Vier gewinnt

Der Trompeter Maik Krahl konnte in Bremen sein neues Projekt vorstellen, ein akkordinstrumentloses Quartett mit Trompete, Saxophon, Bass und Schlagzeug. Das Album in der interessanten Besetzung heisst „The Magic of Consistency“ (Challenge Records). Nach einem gut besuchten Konzert im Bremer Schlachthof kam der Musiker am nächsten Morgen am jazz-fun-Stand vorbei: „Ich habe im Schlachthof gespielt, es war supervoll, das Publikum war toll, die Musik war toll. Es hat alles gut geklappt, die Energie war gut, ich bin auf den Mitschnitt gespannt.“  Ein Interview von Angela Ballhorn

Mehr als eine Messe – Götz Bühler über die jazzahead! und seine Mission für den Jazz

Was macht die jazzahead! so einzigartig? Und wie sieht die Zukunft der internationalen Jazzszene aus? Im Gespräch mit Götz Bühler, dem künstlerischen Leiter der jazzahead!, erfahren wir mehr über die Ideen, Herausforderungen und Visionen hinter Europas wichtigstem Branchentreffen für Jazz. Ein Interview über Leidenschaft, Programmgestaltung und die Kraft der Vernetzung.

Mehr Sichtbarkeit, mehr Dialog – Ein Gespräch über den Deutschen Jazzpreis

Im Rahmen der jazzahead! 2025 haben wir mit Hannes Möller (Projektleitung Deutscher Jazzpreis) und Johanna Schneider (Sängerin, Komponistin und Vorstandsmitglied der Deutschen Jazzunion) ein gemeinsames Interview geführt. Im Mittelpunkt stehen die Ziele, Entwicklungen und Herausforderungen rund um den Deutschen Jazzpreis. Das Gespräch beleuchtet die Rolle des Preises in der Szene, den Wunsch nach mehr Sichtbarkeit für Jazz in Deutschland und die Bedeutung eines transparenten, wertschätzenden Auswahlverfahrens. Ein aufschlussreicher Dialog über kulturpolitische Verantwortung, künstlerische Vielfalt und den Wandel in der deutschen Jazzlandschaft.

Offene Strukturen, tiefe Emotionen: Unleashed Cooperation im Gespräch

Bei der jazzahead! 2025 trafen wir die polnische Band Unleashed Cooperation – ein Ensemble, das sich der kreativen Freiheit, emotionaler Tiefe und einem sehr modernen Verständnis von Jazz verschrieben hat. Die Musik des Kollektivs bewegt sich zwischen Improvisation, Komposition, Groove und Atmosphäre – mit Einflüssen aus Jazz, Avantgarde, Ambient und zeitgenössischer Musik. Die Band bestehend aus einigen der spannendsten Musiker der jungen polnischen Szene, versteht sich Unleashed Cooperation als offenes Projekt, in dem die persönliche Ausdruckskraft jedes Mitglieds im Vordergrund steht.

Poesie, Präzision und Improvisation: Evgenij Zelikman im Gespräch

Auf der jazzahead! 2025 trafen wir den Pianisten und Komponisten Evgenij Zelikman, dessen musikalische Sprache sich durch tiefe emotionale Nuancen, kompositorische Klarheit und feinsinnige Improvisation auszeichnet. Zelikman, in Russland geboren und heute in Deutschland aktiv, verbindet in seinem Spiel klassische Einflüsse mit zeitgenössischem Jazz, osteuropäischen Klangfarben und einer ganz persönlichen Erzählhaltung.

Rhythmus als Stimme: Kasiva Mutua im Gespräch

Kasiva Mutua gehört zu den aufregendsten Percussionistinnen Afrikas. Die aus Kenia stammende Musikerin verbindet traditionelle ostafrikanische Rhythmen mit Elementen aus Jazz, Funk und Spoken Word – mit klarer Haltung, tiefer Verwurzelung und internationaler Strahlkraft. Im Interview auf der jazzahead! 2025 spricht sie über den Stellenwert von Rhythmus in afrikanischen Kulturen, ihre Rolle als Frau in der Percussion-Welt und darüber, wie Musik für sie zu einem Werkzeug für Empowerment und kulturellen Dialog wird.

Rhythmus, Risiko und Vision – Diego Piñera im Gespräch

Im Rahmen der jazzahead! 2025 haben wir den Schlagzeuger und Komponisten Diego Piñera zum Video-Interview getroffen. Im Gespräch erzählt er offen von seinem musikalischen Werdegang zwischen Uruguay und Deutschland, seiner künstlerischen Entwicklung und den Herausforderungen, die ein kreatives Musikerleben mit sich bringt. Dabei spricht er über seinen Umgang mit Risiko, seine persönliche Klangsprache und was es für ihn bedeutet, als improvisierender Musiker authentisch zu bleiben. Ein intensives, ehrliches Porträt eines Künstlers, der seinen ganz eigenen Weg geht.

Romantik und Avantgarde: Schubert NOW! im Gespräch

Mit Schubert NOW! führen die Harfenistin Anastasia Razvalyaeva, die Sängerin Veronika Harcsa und der Komponist und Elektronikkünstler Bálint Bolcsó das musikalische Erbe Franz Schuberts in eine neue Klangdimension. Ihr neues Album auf dem Label BMC ist nicht nur eine Hommage an den großen Romantiker, sondern auch ein künstlerisches Statement für die Gegenwart: Improvisation, experimentelle Klangfarben und genreübergreifende Gesangstechniken verbinden sich zu einer faszinierenden Neuinterpretation klassischer Lieder. Im Interview sprechen die drei Künstler:innen über kreative Prozesse, musikalische Grenzgänge und die Suche nach zeitgenössischer Ausdruckskraft.

Svante Söderqvist - Nachhaltiger Jazz

Svante Söderqvist ist Kontrabassist und Cellist, der aus dem Schatten seines Sideman-Daseins nach vorne tritt und mit THE ROCKET sein eigenes Bandprojekt vorstellt. Das besticht durch einprägsame, schlichte Melodien, die sein Trio zusammen mit Tuulikki Bartosik am Akkordeon wunderbar transparent vorträgt. Der Einsatz seiner eigenen Stimme, mit der der schwedische Musiker seine Bass- oder Cellostimmen mitsingt, gibt der Band einen ganz eigenen Sound.

Von Liebe, Optimismus und vom Tratschen der Menschen – Sunna Gunnlaugs im Gespräch

Sunna Gunnlaugs ist eine Jazzpianistin aus Island und ein umtriebiger Eckpfeiler der Szene dort, aber auch in ganz Europa und den USA unterwegs. Ihr neuestes Projekt „Ástin, Bjartsýnin Og Andskotans Blaðrið Í Fólkinu“ (sunny sky / galileo) hat – trotz Vertonung isländischer Gedichte von Jón úr Vör – mittlerweile Nachfragen aus anderen Ländern erfahren.

Zwei Visionen, ein Orchester – Christina Fuchs & Caroline Thon über das Fuchsthone Orchestra

Im Rahmen der jazzahead! 2025 sprachen wir mit Christina Fuchs und Caroline Thon, den beiden Gründerinnen und musikalischen Leiterinnen des Fuchsthone Orchestra. Seit 2019 steht das groß besetzte Ensemble für einen innovativen, genreübergreifenden Sound im Bereich des zeitgenössischen Jazz. Im Interview geben Fuchs und Thon Einblicke in ihre kompositorische Arbeit, die Herausforderungen und Chancen eines solchen Großprojekts – und sprechen über die Notwendigkeit, neue Strukturen im Jazz mutig zu gestalten. Ein Gespräch über Klangvisionen, Gleichberechtigung und die Kraft kollektiver Kreativität.

Zwischen Klangabenteuer und Klarheit – Mareille Merck im Gespräch

Auf der jazzahead! 2025 in Bremen haben wir die Gitarristin Mareille Merck zum Interview getroffen. Sie spricht mit uns über ihren Zugang zum Klang, das Zusammenspiel mit ihrer Band „Larus“, neue musikalische Einflüsse und ihren Weg als improvisierende Musikerin zwischen Tradition und Aufbruch. Ein persönliches Gespräch über kreative Prozesse, das Leben auf Tour und die Zukunft des Jazz aus der Sicht einer der spannendsten Stimmen der jungen europäischen Szene.

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