Der Schlagzeuger und Komponist Srdjan Ivanovic (1983) vermischt Modern Jazz mit dem musikalischen Erbe des Balkans. Das lässt er in seine verschiedensten Projekte einfliessen. Vom Trio bis zur kompletten Bigband hat der Serbe alle Besetzungen anzubieten. Aktuell zur jazzahead! brachte er sein aktuelles Album „Modular“ (Rue Des Balkans) mit.
Von Angela Ballhorn
jazz-fun.de:
Ich möchte gerne über dein aktuelles Modular Projekt sprechen, das klanglich interessante Aspekte aufbietet.
Srdjan Ivanovic:
Ich hatte weniger aus der Soundperspektive geplant, sondern von den Musikern, mit denen ich spielen wollte. Ich habe Ludivine Issambourg an der Flöte, Manu Codjia an der Gitarre und Yoni Zelnik am Bass. Manu Codjia war Liebe auf den ersten Ton, ich liebe es wirklich, mit ihm zu spielen. Manchmal spielen wir im Trio mit Bass, Gitarre und Drums, meistens aber im Quartett. Ich hatte den Flötisten Magic Malik getroffen, er spielt sowohl auf dem Vorgängeralbum als auch auf meinem aktuellen. Also haben wir die Flöte dabei. Eine Weile gab es verschiedene Versionen der Band, mal auch mit Christophe Panzani am Saxophon. Als wir das Album gemacht haben dachte ich, prima, Bass, Gitarre, Drums und Saxophon. Zum ersten Mal hatte ich auch jemanden, der das Album produziert hat. Es ist grossartig, wenn du dir jemanden leisten kann, der dein Album produziert statt es selber zu machen. Der im Kontrollraum zuhört und Tipps gibt. Wenn du komplett in der Musik bist und spielst, kannst du das nicht und solltest es eigentlich auch nicht machen. Du solltest dich auf das Spielen konzentrieren und nicht darauf, ob der Take gut war. So ist es ein Freund, der meine Musik gut kennt, das war einfach. Schließlich habe ich die Leute ausgesucht, nicht ihre Instrumente.
jazz-fun.de:
Und du hast speziell für die Musiker geschrieben?
Srdjan Ivanovic:
Ja, denn es gab mit der Flötistin Ludivine Issambourg noch eine personelle Veränderung, weil Malik nicht immer greifbar war, also hat sie ihn ersetzt. Das wurde dann mein Quartett. Flöte und Gitarre ist eine gute Kombination, fast eine natürliche, würde ich sagen. Und dann noch Bass und Schlagzeug dazu.
jazz-fun.de:
Flöte hat man nicht so oft im LineUp, es ist immer eine besondere Klangfarbe.
Srdjan Ivanovic:
Ja, und hier haben wir manchmal sogar zwei Flöten mit Malik als Gast, und sogar mit Altflöte.
jazz-fun.de:
Normalerweise ist die Flöte ja nur eine Ergänzung.
Srdjan Ivanovic:
Ich mag Ludivines Energie, oft verbindet man die Flöte mit einem eher soften Sound, aber sie ist eine sehr energetischer Spielerin. Ihr Lehrer war Magic Malik. Sie spielen zwar sehr anders, aber es sie klingt mehr wie eine afrikanische Flöte, weniger wie eine klassische.
jazz-fun.de:
Woher kommt der Name Modular?
Srdjan Ivanovic:
Das hat mit Manu zu tun, er ist ein toller Musiker, ich habe ihn als Gitarrist in vielen verschiedenen Bands gehört. Er spielte auf Aufnahmen, die ich sehr schätze, wie Erik Truffaz in den frühen 2000ern. Er schätzt, dass es keine Formen gibt, nur verschiedene Teile von Songs. Es funktioniert mit Zeichen oder ohne, weil die Songs nicht so kompliziert sind. Wenn einer zu einem neuen Teil wechselt, dann folgen die anderen und schalten schnell um. Als wir geprobt haben, war ich es eigentlich gewohnt, dass Musiker sehr präzise waren und Noten mitgebracht haben. Wenn du einen A oder B Teil hast, ist es normal, dass Präzision gewünscht ist. Hier sind es aber nur Motive aus vielleicht zwei Takten bestehend und einer Pause. Dann gehst du zum nächsten Teil über. Ich mochte diese Idee und habe die Band auf dieser Idee basieren lassen. Die Formen sind frei. Für die Solos gibt es immer vier oder fünf Optionen, Manu mag es, dem Bassisten zu sagen, dass er einfach wechseln soll und er dann folgt.
jazz-fun.de:
Einer muss dann also die Initiative ergreifen.
Srdjan Ivanovic:
Genau. Es ist immer eine Überraschung. Also sind die Formen modular, die können von einem Teil zum anderen gehen. Eine andere Erklärung des Namens ist folgende: Ich mag die Idee, dass wir wir bei egal welcher Musik modulieren. We modulate to what we hear Wir modulieren zu dem, was wir hören. Wir spielen angelehnt an den Raum, die Musiker um uns, die Stücke, die Akustik, um das, was wir im Moment hören. Wir modulieren die Musik. Wir spielen anders in verschiedenen Räumen, wir modulieren die ganze Zeit.
jazz-fun.de:
Die Formen sind also nicht fest, so bleibt alles frisch. Für Improvisationen ist das hilfreich, wenn die Formen nicht auf AABA festgelegt sind. Aber es ist natürlich schwieriger, ohne ein Korsett zu arbeiten. Manchmal hilft die Form als Roter Faden.
Srdjan Ivanovic:
Manchmal ist es anders, als du denkst, dann ist dir eine feste Form nur im Weg. Freiheit ist schwieriger, du musst die Musik gut kennen, du musst deine Mitmusiker gut kennen. Da kommt man aber hin.
jazz-fun.de:
Du musst vertrauen und darauf vertrauen, dass jemand dich auffängt.
Srdjan Ivanovic:
Ich glaube, dass sich Musiker grundsätzlich zu viele Sorgen über Fehler machen und es ist schwierig, sie aus diesem Denken herauszuholen. Es ist klar, dass wir wir alles korrekt spielen wollen und sollen, aber wenn du dir zum Beispiel Schauspieler anschaust, die machen sich viel weniger Sorgen. In Schauspielschulen oder in Performances ist das Hauptthema die Kommunikation mit dem Publikum. „Was machst du mit dem Publikum“ ist eine Frage, die in der Musik zu selten gestellt wird.
jazz-fun.de:
Wenn du eine Band hast, die grossartig spielt, aber du als Publikum das Gefühl hast, dass sie nur für sich selber spielen, ist das befremdlich, finde ich.
Srdjan Ivanovic:
Genau. Auch der Gedanke, das Konzert war nicht gut, weil ich drei Noten verpasst habe, ist komisch. Das wird das Publikum normalerweise nicht merken, wenn du aber perfekt spielst, aber nicht mit dem Publikum kommunizierst…. Schauspieler sehen nicht den als Besten an, der seinen Text perfekt kann, sondern der am besten in Kontakt mit dem Publikum gehen kann. Von diesen Gedankengängen brauchen wir mehr.
jazz-fun.de:
Ich glaube aber gerade du als Schlagzeuger hast es schwerer. Deine Mitmusiker sind eher am Bühnenrand, Drummer sind meist hinten auf der Bühne, da ist der Kontakt zum Publikum schwieriger. Auch wenn du der Motor bist und schnell Dinge in der Musik ändern kannst.
Srdjan Ivanovic:
Mit meiner Band mag ich das Jazz-Lineup, dass das Schlagzeug an der Seite aufgebaut ist, dann kann ich die Band gut sehen, was wichtig ist, bin aber auch nahe am Publikum.
jazz-fun.de:
Welche weiteren Projekte hast du noch?
Srdjan Ivanovic:
Ich habe mein Blazin’ Quartet mit neuem Repertoire, wir hatten eine Tour über den Balkan, durch Rumänien, Griechenland und Bulgarien. Wir haben das neue Programm Kosmogonie geprobt und aufgenommen – die Geburt der Erde nach den Griechischen Sagen. Das ist wie eine Suite in verschiedenen Sätzen. Einige Elemente tauchen in anderen Sätzen wieder auf, es gibt Verwebungen. Das Projekt soll 2026 veröffentlicht werden. Im Quartett spielen der griechische Trompeter Andreas Polyzogopoulos, Federico Casagrande, ein Italiener, der in Frankreich lebt, an der Gitarre und der Bulgare Mihail Ivanov am Bass. Wir sind also eine sehr internationale und verstreute Band. Aber das wird uns nicht stoppen, wir haben das Repertoire, die Chemie, wir können lokale Gigs in Athen und Paris spielen, das wird mein grosses Projekt für 2026 werden!
Dann habe ich auch noch ein elfköpfiges Ensemble mit Trompete, Horn, Posaune und Tuba, drei Saxophonen und Klaviertrio plus Akkordeon. Die Band habe ich zusammen mit Vladimir Nikolov, der seit 15 Jahren für das Metropole Orchestra arrangiert. Da macht er meistens Jazzarrangements. Die Idee war es, quasi eine Bigband zu haben, die klanglich für ihn interessant ist, aber trotzdem nicht zu gross ist. Elf Leute ist schon fast zu gross. Ein Quartett ist meistens das Limit, um gebucht zu werden. Oder es muss sehr speziell sein. Meist haben wir in Serbien gespielt, weil wir zur Hälfte aus serbischen und französischen Musikern bestehen. Wir haben auf serbischen und mazedonischen Festivals gespielt. Vielleicht sollten wir auf Bigband aufstocken, da muss ich den Arrangeur überzeugen. Das hat vielleicht mehr Chancen. Es gibt ja Bigbands, die neue Musik haben wollen. In Bulgarien haben wir mit einer Bigband gespielt, dann ist die Instrumentierung noch farbenreicher. Sogar Maria Schneider reist nicht mehr mit ihrer eigenen Bigband!
jazz-fun.de:
Danke für das nette Gespräch!
Das Gespräch führte Angela Ballhorn
Foto: Erik Brun
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Bobby Rausch zählt zu den spannendsten Formationen der Berliner Szene. Mit einem Instrumentarium, das zunächst ungewöhnlich wirken mag – Baritonsaxophon, Bassklarinette und Schlagzeug – schaffen sie einen Sound, der kompromisslos, energetisch und tanzbar ist. Ihre Musik bewegt sich mühelos zwischen Hip-Hop, Jazz, Elektro und improvisierten Klangwelten. Wir haben uns mit Lutz Streun (Bassklarinette) und Nico Stallmann (Drums) unterhalten, um mehr über ihre künstlerische Vision, ihre Live-Power und die kreative Freiheit von Bobby Rausch zu erfahren. Ein Interview von Angela Ballhorn
Während der jazzahead! 2025 in Bremen trafen wir den Berliner Pianisten und Komponisten Matti Klein – einen der profiliertesten Vertreter des modernen Groove-Jazz in Deutschland. Bekannt durch seine Arbeit mit dem Mo’ Blow-Quartett sowie zahlreichen Kollaborationen (u.a. mit Nils Landgren, Ed Motta und Jakob Manz), hat Klein mit seinem eigenen Matti Klein Soul Trio eine unverwechselbare Klangsprache entwickelt – irgendwo zwischen Jazz-Funk, Soul, Vintage-Vibes und urbaner Eleganz.
Der in Dakar geborene Gitarrist Hervé Samb ist ein Brückenbauer zwischen Kontinenten und Klangwelten. Seit seiner Ankunft in Frankreich 1998 arbeitete er mit Größen wie Marcus Miller, Pharoah Sanders oder Somi zusammen und entwickelte sich zu einer prägenden Stimme des internationalen Jazz. Mit seinem neuen Album „Jolof“ widmet er sich den Traditionen seiner senegalesischen Herkunft und verbindet sie in seinem Stil des Jazz Sabar mit der Freiheit und Energie zeitgenössischer Improvisation. Im Gespräch erzählt Samb über seine Inspirationen, die Bedeutung von „Jolof“ und warum Musik für ihn immer auch eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln ist.
Der Saxophonist Óskar Guðjónsson ist oft auf deutschen Bühnen zu erleben, meist mit dem Quartett ADHD, das in Deutschland eine treue Fanbase hat. Zudem unterstützte der Saxophonist die isländische Superband Mezzoforte bei ihrem Neustart vor bald 20 Jahren. An der jazzahead! spielte er mit dem Pianisten Magnús Jóhann im Duo, die beiden haben das aktuelles Album „Fermented Friedship“.
Mit „ism“ veröffentlicht Jens Düppe sein mittlerweile viertes Album beim Label Enja – diesmal erweitert zum Quintett mit dem italienischen Saxophonisten Francesco Bearzatti. Im Interview spricht der Schlagzeuger über sein besonderes Konzept des „Rein- und Rauszoomens“, über Strukturen, Freiräume und die Bedeutung von Klangfarben. Ein Gespräch über Komposition, Formbewusstsein und die Kraft des Moments im modernen Jazz. Von Angela Ballhorn
Auf jazzahead! trafen wir Johannes Käsbach – Komponist, Gitarrist, Produzent und Sänger. Im Interview spricht er über sein Klanglys-Projekt, das nordische Klangästhetik, lyrische Melodien und moderne Jazz-Elemente miteinander verbindet. Käsbach gibt Einblicke in seine musikalische Vision, erzählt von der Entstehung seiner Kompositionen und von der Suche nach dem perfekten Gleichgewicht zwischen Emotion, Atmosphäre und klanglicher Offenheit. Ein Interview von Angela Ballhorn
Róberta Andersen ist eine isländische Gitarristin, die in den letzten 20 Jahren mit einer Vielzahl von Künstlern der heimischen Musikszene zusammengearbeitet hat. Dazu gehören Múm, Ólöf Arnalds, Sin Fang, Julianna Barwick und Pascal Pinon. Dann ist sie auch Mitglied der Band Hist Og, die unter isländischen Jazz-Enthusiasten für Aufsehen sorgte.
Nils Kugelmann zählt zu den spannendsten Stimmen der jungen deutschen Jazzszene. Auf der jazzahead! 2025 hatten wir die Gelegenheit, mit dem Bassisten und Komponisten über seine musikalische Vision, sein neues Album sowie seine Herangehensweise an Klang, Struktur und Emotion zu sprechen. Seine Musik ist tief, voller Energie und zugleich durchdacht und offen – ein Wechselspiel aus rhythmischer Spannung, lyrischer Tiefe und überraschender Leichtigkeit.
Während der jazzahead! 2025 sprachen wir mit der Flötistin Isabelle Bodenseh, die mit ihrer beeindruckenden Bühnenpräsenz und virtuosen Spieltechnik neue Maßstäbe für das Flötenspiel im Jazz setzt. Ob mit klassischer Querflöte, Alt- oder Bassflöte – Bodenseh bringt das oft unterschätzte Instrument in den Mittelpunkt des musikalischen Geschehens. In ihren Projekten verbindet sie kraftvollen Groove, komplexe Improvisation und südamerikanische Einflüsse mit einer unbändigen Spielfreude.
Im Interview sprechen Daniela Neumayer und Mario Steidl, die Leitung des renommierten Jazzfestivals Saalfelden, über Visionen, Herausforderungen und Highlights des kommenden Festivals. Zwischen alpiner Kulisse, innovativem Programm und internationaler Strahlkraft bleibt das Festival ein Ort der musikalischen Entdeckungen. Ein spannender Blick hinter die Kulissen eines der bedeutendsten Jazzereignisse Europas.
Im Rahmen der jazzahead! 2025 trafen wir die junge Sängerin Lucía (Lucía Gutiérrez Rebolloso) aus Veracruz, Mexiko. Die 23-Jährige gilt als eine der spannendsten Stimmen der neuen Generation – eine Künstlerin, die mühelos zwischen Jazz, lateinamerikanischer Musik und Pop balanciert und dabei eine ganz eigene Klangsprache entwickelt. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, tiefem musikalischem Verständnis und einer starken Verbindung zu ihrer kulturellen Herkunft bringt Lucía frischen Wind in die internationale Jazzszene.
Der griechische Trompeter Andreas Polyzogopoulos zählt zu den spannendsten Stimmen des europäischen Jazz. Auf der jazzahead! 2025 trafen wir den Musiker zum Gespräch über sein künstlerisches Selbstverständnis, aktuelle Projekte und seine musikalischen Wurzeln zwischen Jazz, Rock und traditioneller griechischer Musik. Sein Klang ist lyrisch, durchdrungen von Weite und emotionaler Tiefe. Im Interview spricht er über Improvisation als Ausdruck innerer Bilder, über Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern und über das ständige Suchen nach musikalischer Wahrhaftigkeit.
Der Trompeter Maik Krahl konnte in Bremen sein neues Projekt vorstellen, ein akkordinstrumentloses Quartett mit Trompete, Saxophon, Bass und Schlagzeug. Das Album in der interessanten Besetzung heisst „The Magic of Consistency“ (Challenge Records). Nach einem gut besuchten Konzert im Bremer Schlachthof kam der Musiker am nächsten Morgen am jazz-fun-Stand vorbei: „Ich habe im Schlachthof gespielt, es war supervoll, das Publikum war toll, die Musik war toll. Es hat alles gut geklappt, die Energie war gut, ich bin auf den Mitschnitt gespannt.“ Ein Interview von Angela Ballhorn
Manon Mullener, 1997 im schweizerischen Fribourg geborene Jazzpianistin, ist eine Weltenbummlerin. Aus einer musikalischen Familie stammend, verbrachte sie als Kind Zeit in Kuba und war so fasziniert, dass sie als 17jährige zurückging, um Sprache und Musik zu lernen.
Was macht die jazzahead! so einzigartig? Und wie sieht die Zukunft der internationalen Jazzszene aus? Im Gespräch mit Götz Bühler, dem künstlerischen Leiter der jazzahead!, erfahren wir mehr über die Ideen, Herausforderungen und Visionen hinter Europas wichtigstem Branchentreffen für Jazz. Ein Interview über Leidenschaft, Programmgestaltung und die Kraft der Vernetzung.
Im Rahmen der jazzahead! 2025 haben wir mit Hannes Möller (Projektleitung Deutscher Jazzpreis) und Johanna Schneider (Sängerin, Komponistin und Vorstandsmitglied der Deutschen Jazzunion) ein gemeinsames Interview geführt. Im Mittelpunkt stehen die Ziele, Entwicklungen und Herausforderungen rund um den Deutschen Jazzpreis. Das Gespräch beleuchtet die Rolle des Preises in der Szene, den Wunsch nach mehr Sichtbarkeit für Jazz in Deutschland und die Bedeutung eines transparenten, wertschätzenden Auswahlverfahrens. Ein aufschlussreicher Dialog über kulturpolitische Verantwortung, künstlerische Vielfalt und den Wandel in der deutschen Jazzlandschaft.
Bei der jazzahead! 2025 trafen wir die polnische Band Unleashed Cooperation – ein Ensemble, das sich der kreativen Freiheit, emotionaler Tiefe und einem sehr modernen Verständnis von Jazz verschrieben hat. Die Musik des Kollektivs bewegt sich zwischen Improvisation, Komposition, Groove und Atmosphäre – mit Einflüssen aus Jazz, Avantgarde, Ambient und zeitgenössischer Musik. Die Band bestehend aus einigen der spannendsten Musiker der jungen polnischen Szene, versteht sich Unleashed Cooperation als offenes Projekt, in dem die persönliche Ausdruckskraft jedes Mitglieds im Vordergrund steht.
Auf der jazzahead! 2025 trafen wir den Pianisten und Komponisten Evgenij Zelikman, dessen musikalische Sprache sich durch tiefe emotionale Nuancen, kompositorische Klarheit und feinsinnige Improvisation auszeichnet. Zelikman, in Russland geboren und heute in Deutschland aktiv, verbindet in seinem Spiel klassische Einflüsse mit zeitgenössischem Jazz, osteuropäischen Klangfarben und einer ganz persönlichen Erzählhaltung.
Kasiva Mutua gehört zu den aufregendsten Percussionistinnen Afrikas. Die aus Kenia stammende Musikerin verbindet traditionelle ostafrikanische Rhythmen mit Elementen aus Jazz, Funk und Spoken Word – mit klarer Haltung, tiefer Verwurzelung und internationaler Strahlkraft. Im Interview auf der jazzahead! 2025 spricht sie über den Stellenwert von Rhythmus in afrikanischen Kulturen, ihre Rolle als Frau in der Percussion-Welt und darüber, wie Musik für sie zu einem Werkzeug für Empowerment und kulturellen Dialog wird.
Im Rahmen der jazzahead! 2025 haben wir den Schlagzeuger und Komponisten Diego Piñera zum Video-Interview getroffen. Im Gespräch erzählt er offen von seinem musikalischen Werdegang zwischen Uruguay und Deutschland, seiner künstlerischen Entwicklung und den Herausforderungen, die ein kreatives Musikerleben mit sich bringt. Dabei spricht er über seinen Umgang mit Risiko, seine persönliche Klangsprache und was es für ihn bedeutet, als improvisierender Musiker authentisch zu bleiben. Ein intensives, ehrliches Porträt eines Künstlers, der seinen ganz eigenen Weg geht.
Mit Schubert NOW! führen die Harfenistin Anastasia Razvalyaeva, die Sängerin Veronika Harcsa und der Komponist und Elektronikkünstler Bálint Bolcsó das musikalische Erbe Franz Schuberts in eine neue Klangdimension. Ihr neues Album auf dem Label BMC ist nicht nur eine Hommage an den großen Romantiker, sondern auch ein künstlerisches Statement für die Gegenwart: Improvisation, experimentelle Klangfarben und genreübergreifende Gesangstechniken verbinden sich zu einer faszinierenden Neuinterpretation klassischer Lieder. Im Interview sprechen die drei Künstler:innen über kreative Prozesse, musikalische Grenzgänge und die Suche nach zeitgenössischer Ausdruckskraft.
Der Schlagzeuger und Komponist Srdjan Ivanovic (1983) vermischt Modern Jazz mit dem musikalischen Erbe des Balkans. Das lässt er in seine verschiedensten Projekte einfliessen. Vom Trio bis zur kompletten Bigband hat der Serbe alle Besetzungen anzubieten. Aktuell zur jazzahead! brachte er sein aktuelles Album „Modular“ (Rue Des Balkans) mit. Von Angela Ballhorn
Svante Söderqvist ist Kontrabassist und Cellist, der aus dem Schatten seines Sideman-Daseins nach vorne tritt und mit THE ROCKET sein eigenes Bandprojekt vorstellt. Das besticht durch einprägsame, schlichte Melodien, die sein Trio zusammen mit Tuulikki Bartosik am Akkordeon wunderbar transparent vorträgt. Der Einsatz seiner eigenen Stimme, mit der der schwedische Musiker seine Bass- oder Cellostimmen mitsingt, gibt der Band einen ganz eigenen Sound.
Sunna Gunnlaugs ist eine Jazzpianistin aus Island und ein umtriebiger Eckpfeiler der Szene dort, aber auch in ganz Europa und den USA unterwegs. Ihr neuestes Projekt „Ástin, Bjartsýnin Og Andskotans Blaðrið Í Fólkinu“ (sunny sky / galileo) hat – trotz Vertonung isländischer Gedichte von Jón úr Vör – mittlerweile Nachfragen aus anderen Ländern erfahren.
Im Rahmen der jazzahead! 2025 sprachen wir mit Christina Fuchs und Caroline Thon, den beiden Gründerinnen und musikalischen Leiterinnen des Fuchsthone Orchestra. Seit 2019 steht das groß besetzte Ensemble für einen innovativen, genreübergreifenden Sound im Bereich des zeitgenössischen Jazz. Im Interview geben Fuchs und Thon Einblicke in ihre kompositorische Arbeit, die Herausforderungen und Chancen eines solchen Großprojekts – und sprechen über die Notwendigkeit, neue Strukturen im Jazz mutig zu gestalten. Ein Gespräch über Klangvisionen, Gleichberechtigung und die Kraft kollektiver Kreativität.
Sie war erste Flötistin im renommierten Metropole Orkest, leitete Jazzabteilungen an Hochschulen und bringt heute ihre Erfahrung als künstlerische Projektmanagerin in die Talentförderung beim Metropole Orkest ein.
Auf der jazzahead! 2025 in Bremen haben wir die Gitarristin Mareille Merck zum Interview getroffen. Sie spricht mit uns über ihren Zugang zum Klang, das Zusammenspiel mit ihrer Band „Larus“, neue musikalische Einflüsse und ihren Weg als improvisierende Musikerin zwischen Tradition und Aufbruch. Ein persönliches Gespräch über kreative Prozesse, das Leben auf Tour und die Zukunft des Jazz aus der Sicht einer der spannendsten Stimmen der jungen europäischen Szene.
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