Maria Baptist - Resonance

Maria Baptist - Resonance

Maria Baptist
Resonance

Erscheinungstermin: 24.08.2018
Label: Maria Baptist, 2018

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Das Titelstück gibt der CD ihren Namen und dies ist gut gewählt. Alles was an Ideen, Elementen, Spielweisen auf der CD zu hören ist, ertönt hier als konzentrierte Zusammenfassung, als angebotene Einführung, besser als ein Hineinbitten in diesen schwingenden Kosmos. Und es stellt den Ansatz der Musikerin umfassend da: Wiedergeben, Wiederklingen, was an Eindrücken, an Inspirationen in einem – nicht nur - musikalischen Leben erfahren, erarbeitet und hier - positiv gemeint - „erspielt“ wurde. Einfacher gesagt: großes Piano, das nicht die Kategorien von Klassik, Neuer Musik oder Jazz benötigt. Die Musik von Resonance spricht für sich.

Ebenso ist es nicht bedeutend, ob sich diese Musik stärker an zuvor erarbeiteten Ideen und Themen fokussiert oder als freie Improvisation aus der Inspiration des Augenblicks heraus die schöpferische Kraft bezieht. Beides ist stets präsent, die Elemente von realer musikalischer Erdung (stellvertretend für Techniken und Erfahrungen) und freier schöpferischer Fantasie. Aus diesem reflektierenden Verknüpfen und Wiedergeben der Elemente entsteht ein heimlicher Zauber, die Magie der Musik von Resonance.

Resonance oder 9 Piano-Geschichten aus dem tönenden Kosmos

Resonance
Zarte Klänge stellen das Titelstück vor. Nach einer kurzen Phase der Einführung – zum Warmhören, zum Anfreunden - nimmt das Thema Fahrt auf. Rhythmisch markant akzentuiert entwickelt sich die musikalische Idee. Eingestreute kurzzeitige „Brüche“ erhöhen nur den Reiz der Idee. Die emotionale Spielweise der Pianistin steigert konsequent den ohnehin stark expressiven Charakter dieser Musik. Das Thema ist stets präsent. Es überzeugt durch eine warme tiefe Klangfarbe, die durch die umwerfenden Akkorde der linken Bass-Hand wellenartig auflanden. Die rechte Hand spielt sich frei, schraubt sich in Höhe des freieren Ausdrucks. Ein Bild: Diese Musik reflektiert die tönenden Weiten eines gewaltigen Kosmos: Resonance.

Stillness Speaks
Wie oft, so haben die Titel bei der Komponistin einen deutlichen Sinnbezug, der sich logisch erschließt. So auch hier: Die Stille spricht, sie redet zu uns durch das Medium Musik, hörbar gemacht durch das Piano von Maria Baptist. Die Stille steht dabei nicht still, sondern bewegt sich raumüberwindend. Zart lyrisch raubt Maria Baptist den unerhörten Welten des Kosmos deren Klänge und Frequenzen, erweckt sie zu ihrer Musik, bringt sie zum Sprechen.

The High Line
Eine bestechende Melodielinie über ein rhythmisch packendes Thema hat schon alles um zu gewinnen. Wenn dazu noch das Thema sich in stringenter Art und Weise - angereichert mit dramatischen Akzenten voller Überraschungen - entwickelt, so bleiben keine Wünsche offen: wie im Roman mit allen möglichen Variationen, mit Verzögerungen und Beschleunigungen, Nebenhandlungen, mit neuen Figuren, und wieder zurück zum Gegenstand, dem Plot der musikalischen Idee.

After the Darkness
Das balladenhafte Thema greift stark in die Fantasie des Hörers ein. Was kommt nach der Dunkelheit? Die Erhellung, die Erleuchtung oder geht einfach nur die Sonne auf? Wie auch immer: Die Spielweise mit ihren perlenden Läufen, die kristallinen Struktur des Themas und die dunkelschönen Klangfarben laden zum Tagträumen ein.

Urban Mediation
Wie in den anderen Titeln, so überwältigt auch hier der Sound durch die perfekte Technik beider Hände. Das Zusammenspiel der Hände bewegt sich zwischen all diesen Polen: mal klug ergänzend, mal gegentaktisch aufspielend, dann sich im Wettbewerb mit den andern Hand befindend, aber auch synchron die Aussage immens verstärkend. Dies alles ohne Unterlass. Ohne Zweifel muss diese Kunst des Pianospielens mit den Händen umgesetzt werden. Die geniale Fähigkeit, dies im Kopf zu antizipieren, dies ist der große Kunstentwurf im Pianospiel, das hier zwischen Komposition und Improvisation permanent hin und her schwind und dadurch jene unglaubliche Lebendigkeit schafft, die diese Musik auszeichnet. Technisch ausgedrückt: dieses Stück ist eine Gebrauchsanweisung zum Innehalten, Zur-Ruhe-kommen, zum Meditieren ohne jeden Kitsch.

Raising the Frequencies
Hier sind wir im Reich der tosenden Dramatik. Da kämpfen kosmische Frequenzen um die Gunst der Künstlerin, sie zu hör- und erlebbarer Musik umzusetzen. Klingt gewaltig dieser Text, aber so tönt die Musik! Raus aus den Fesseln der Harmonien und hinein in die unendlichen Weiten freitönender Galaxien. Deren Frequenzen prasseln urgewaltig auf den Hörer nieder und versetzen ihn in Schwingungen.

The Blossom
Das Element der Ballade, das Erzählen von Geschichten findet sich in einzelnen Passagen (fast) aller Titel wieder. Dennoch sind die folgenden 3 Titel explizite Balladen. So das zu Beginn fast zerbrechlich wirkende Blossom, das jedoch trotz seiner Zartheit ungemein kraftvoll sich erweist. Wer kann sich der Schönheit von derart musikalischem Blütenzauber entziehen?

Ähnliches gilt für den sprechenden Titel Early Sunday Morning. Klar und Frisch, ruhig und entspannt mit der Freude am Wachsein. Mit der Neugier auf den neuen Tag, was dieser bringen möge und was selbst zu tun sei. „Die Sonne scheint, eine leichte Brise weht, der Kaffee duftet…“ Zu diesen Balladen passt gleichfalls die letzte wunderbare Geschichte, die des Song of the Soul.

Obwohl episch inspiriert, sind diese Geschichten von kurzweiliger Leichtigkeit ohne dabei in gefällige Belletristik abzugleiten. Sie sind nichts weniger als die gelungene Übersetzung von Poesie in Musik: Resonance.

Text: Cosmo Scharmer

  1. Resonance
  2. Stillness Speaks
  3. The High Line
  4. After the Darkness
  5. Urban Meditation
  6. Raising the Frequencies
  7. The Blossom
  8. Early Sunday Morning
  9. Song of the Soul

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