Tag 14 als Writer in Residence beim Enjoy Jazz 2025: Schlagzeuger Makaya McCraven fährt in Mannheim die Tanzgrooves hoch

Der Schlagzeuger Makaya McCraven in der Alten Feuerwache in Mannheim am 06. November 2025.
Ein Review von Sarah Seidel

Makaya McCraven – ein Meister des Groove bewegt mit Funk, Drum & Bass, Hip-Hop und Jazz sein Publikum

”Off The Record“, streng vertraulich – so heißt das neue Album von Schlagzeuger Makaya McCraven, das gerade erst Ende Oktober erschienen ist. Und das Programm dieses Albums präsentiert der Musiker, der in Chicago beheimatet ist, heute Abend in der Alten Feuerwache in Mannheim. Der große Saal des Kulturbetriebs hat Säulen, hohe Decken und einen langgezogenen Barbereich. An der Stirnseite befindet sich die Bühne. Das Konzert des ”Beat Scientists“ Makaya McCraven – so bezeichnet er sich selbst – zieht viele Clubgänger und Fans des Dancefloor an. In den vergangenen Jahren hat der Schlagzeuger mit seinen Alben ”Universal Beings”, ”Deciphering The Message“ und ”In These Times“ eine große internationale Fangemeinde erspielt, gerade hat er einen Lauf. Mit ihm auf der Bühne stehen heute der Trompeter und sein musikalischer Kollaborator Marquis Hill, der Gitarrist Matt Gold und der Bassist Junius Paul. Eine eingespielte Band. Trompete und Gitarre verschlingen sich in vielen Passagen, spielen zusammen Harmonien, während der Groove-Motor von Bass und Schlagzeug schnurrt.

Es wird ein kurzweiliger Abend mit diesem Quartett. McCraven schlägt die unterschiedlichsten Rhythmen an, darunter Funk, Hip-Hop, Drum & Bass, Dub, Reggae und dann – das erfreut mich persönlich – gibt es auch eine Passage mit Swing und einem Blues March. Darüber spielt Marquis Hill eine Improvisation, die mir zeigt, dass die Musiker die Tradition dieser Musik verinnerlicht haben. Immerhin ist Makaya McCraven der Sohn des Schlagzeugers Steve McCraven, der lange Zeit mit dem Saxofonisten Archie Shepp gespielt hat.

Mir fällt auf, dass alles in diesem Setting seinen Platz hat. Das Konzert wirkt stark durchchoreografiert, es hätten gerne ein paar Überraschungsmomente dabei sein dürfen. Aber gerade als ich das denke, nimmt Makaya McCraven das Mikrofon und spricht, natürlich völlig ”off the record“, über das Thema Improvisation.

„Improvisation ist für mich ein Ausdruck des natürlichen Seins. Wir leben in einer Welt mit vielen Strukturen und Zeitplänen. Wir haben Systeme gebaut, um die kalte, komplexe und verwirrende Wirklichkeit dieser doch so schönen Welt zu überleben. Aber manchmal bringt uns die Anstrengung, die wir da hineinstecken, so weit weg von einer einfachen Wahrheit, die uns auf der Welt zusammenhält. Wir können die Zukunft nicht sehen. Wir müssen alles hier und jetzt miteinander herausfinden … das ist Improvisation! Das ist das Leben. Wenn wir wirklich im Moment sind, dann haben wir die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. Und dabei die Zukunft zu spüren. Das ist Improvisation! Danke, dass Ihr heute Abend mit uns improvisiert!“ Das also Makaya McCravens Plädoyer für Improvisation in diesem Konzert. Er betont noch, dass er selbst die Musik als Antithese und als Opposition zur Dunkelheit der jetzigen Zeit sieht.

McCraven schenkt uns ein Konzert mit einem starken Flow. Seine Grooves setzen das Publikum in Bewegung und die Musiker sind immerhin am Ende so gut drauf, dass sie bereitwillig noch eine Zugabe geben.

Da mein lang angefragtes Interview mit Makaya McCraven vor dem Konzert nicht geklappt hat, weil die Musiker erst spät am Flughafen Frankfurt angekommen und dann nach Mannheim gefahren worden sind, muss ich auf einen Moment danach warten. Immerhin: Als McCraven geduldig mit seinen Fans gesprochen und die Alben am Stand signiert hat, bekomme ich schließlich doch noch ein paar Minuten Gesprächszeit vor der Kamera. Nachgesehen werden kann unser kurzer Talk bei jazz-fun.de.

Text: Sarah Seidel
Fotos: Sarah Seidel, Elisabeth Samura

Dieser Beitrag ist Teil unserer Enjoy Jazz 2025-Berichterstattung.
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Sarah Seidel – Writer in Residence beim Enjoy Jazz Festival 2025

Alle Berichte, Reportagen und Eindrücke aus Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen.

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