Zweiter Tag als Writer in Residence beim Enjoy Jazz 2025: Ein Nachmittag in der Heidelberger Altstadt und ein Abend mit der koreanischen Pianistin Gee Hye Lee in Schwetzingen

Viel positive Energie vom Gee Hye Lee Trio feat. Jakob Bänsch und Sandi Kuhn am 25. Oktober 2025.
Ein Review von Sarah Seidel

Ein Nachmittag als Touristin in der Altstadt von Heidelberg
Mit dem Schreiben und Sortieren der Fotos und Videos vom vergangenen Abend im Karlstorbahnhof verbringe ich den Vormittag im Hotel. Danach geht’s ohne Plan an die frische Luft, es ist etwas stürmisch und nasskalt. Beim Heidelberger Bismarckplatz um die Ecke gebogen, rein in die Fußgängerzone der Altstadt. Mal schauen, was kommt. Fühlt sich gut an, einen Nachmittag lang als Touristin in Heidelberg zu sein und sich treiben zu lassen. Kaffee trinken, das Stadtbild genießen und ab und zu nach oben schauen. Die Fahnen von Enjoy Jazz sind überall im Stadtbild zu entdecken.

Es ist ein typischer Samstagnachmittag in einer deutschen Innenstadt: Die Straßen sind voll, die die Cafés bevölkert, die Einkaufsläden hochfrequentiert. Schon sind die Ersten mit Weihnachtseinkäufen zugange, also bloß schnell weiter. So ein Samstag kommt natürlich auch nicht ohne Straßenmusiker aus, die Fußgängerzone macht mir diverse Angebote, ein faszinierendes Kontrastprogramm zum Festival.

Abends steht für mich das Trio der koreanischen Pianistin Gee Hye Lee mit dem Saxofonisten Alexander Sandi Kuhn und dem erst 22-jährigen Jakob Bänsch in einem Konzert im Franz Danzi Saal der Musikschule Schwetzingen auf dem Programm. Jakob Bänsch hatte ich gerade vor vier Wochen in einem Konzert in Hamburg gehört, ein starkes Konzert des Trompeters und seiner Band. Jetzt bin ich gespannt, wie diese beiden Bläser klanglich miteinander harmonieren und welche Musik Gee Hye Lee ihrem Publikum präsentiert. Außerdem freue ich mich auf Mareike Wiening, die hier am Schlagzeug sitzt.

Ein Konzertabend mit Gee Hye Lee in der Musikschule Schwetzingen

Shuttlefahrerin Anna aus dem Enjoy Jazz Team nimmt mich freundlicherweise mit zum Konzert nach Schwetzingen. Wir brauchen nur ca. 20 Minuten, dann sind wir in der romantisch beleuchteten Kleinstadt angekommen. Hauptstraße, Schloss, Brauhaus, alles in ein warmes, gelbes Licht getaucht. Pünktlich zum Konzertbeginn erreiche ich die Musikschule. Der Franz Danzi Saal mit Platz für ca. 160 Zuhörer ist voll besetzt. Co-Veranstalter an diesem Abend ist Manfred Kern von den Schwetzinger Jazztagen. Er macht die Ansage für das Quintett, bei dem die koreanische Pianistin Gee Hye Lee ihr reguläres Trio mit Schlagzeugerin Mareike Wiening und Bassist Joel Locher um zwei Bläser erweitert hat: Jakob Bänsch spielt Trompete, Alexander Sandi Kuhn Saxofon. Eine klassische Quintett-Besetzung. Schon in den guten alten Zeiten des Jazz haben Cannonball Adderley und Miles Davis gezeigt, dass man damit etwas reißen kann. Aber zurück auf die Bühne im Franz Danzi Saal: Gee Hye Lee macht zwischen den Stücken charmante Ansagen, hält während des ganzen Abends humorvoll Kontakt mit dem Publikum.

Im ersten Set wechselt sie ihre eigenen Kompositionen ab mit neu arrangierten Jazz Standards, darunter My Favorite Things oder Ornithology, ein Bebop-Klassiker von Charlie Parker. Die Intros der Stücke von Gee Hye Lee sind meist lyrisch-impressionistisch, bis Bass und Schlagzeug einsetzen, die Bläser dazukommen und alle Energie frei wird. Musik fürs Herz, mit Soul, Blues, Groove und Gospel. In manchen Passagen spielen Piano und Bass unisono, vom Schlagzeug kommt ein starker Drive, der sich innerhalb der Stücke steigert und wieder abebbt. Der Sound von Trompete und Saxofon passt super zusammen, tolle Solisten, jeder und jede hat seinen und ihren Spot, es macht einfach Spaß, ihnen zuzuhören. Einen schönen Moment schenkt uns dann gegen Ende noch Jakob Bänsch, als er ein leises Solo in den Innenraum des Konzertflügels auf der Bühne spielt und damit die Saiten zum Schwingen und Obertöne zum Klingen bringt.

Im zweiten Set dann nur noch Original-Kompositionen von Gee Hye Lee, Musik von ihrem aktuellen Album Encounters. Ein Abend voller Emotionen, positiv, friedlich, aufrichtend. Besonders in Erinnerung bleiben werden mir die Stücke Korea, Here We Come, vor sechs Jahren für eine Korea-Tour geschrieben, und For Today. Das konzentrierte, aufmerksame Publikum im Saal fordert am Ende noch eine Zugabe ein und bekommt sie auch. Gee Hye Lee selbst sagt es in der Zusammenfassung so: Es ist Musik voller Lebensfreude und Dankbarkeit.

Gee Hye Lee Trio feat. Jakob Bänsch und Sandi Kuhn
Gee Hye Lee Trio feat. Jakob Bänsch und Sandi Kuhn, Foto: Werner Idstein

Text: Sarah Seidel
Fotos: Sarah Seidel, Werner Idstein

Dieser Beitrag ist Teil unserer Enjoy Jazz 2025-Berichterstattung.
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Kommentar von Frank Steinhardt |

Danke für den interessanten Bericht - wie immer große Klasse- Sarah Seidel!
P.s. Ich war vor kurzem in Münster: 25 Jahre Jazz Club Münster. Gast: BILL EVANS u.a. mit DAVE WECKEL ….. Wahnsinn !
Herzl Grüße aus Essen
F. St.

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