Tag 6 als Writer in Residence beim Enjoy Jazz 2025: Tania Giannouli und Nils Petter Molvaer im Interview und Übergabe des SWR-Jazzpreises an Christopher Dell

Ein Interview mit dem Trompeter Nils Petter Molvaer und der Pianistin Tania Giannouli nach dem Soundcheck in der Friedenskirche in Ludwigshafen am 29. Oktober 2025.
Ein Review von Sarah Seidel

Tania Giannouli und Nils Petter Molvaer im Soundcheck für ihre Premiere beim Enjoy Jazz

Die Fahrt von Heidelberg nach Ludwigshafen dauert ca. 45 Minuten, je nachdem, wie der Verkehr gerade über die Straßen und die Brücke zwischen Mannheim und Ludwigshafen rollt. Heute Nachmittag geht es relativ zügig. Volker Doberstein – künstlerischer Projektentwickler beim Enjoy Jazz – fährt mich und Elisabeth Samura –Social Media-Expertin des Festivals – mit dem Auto zur Friedenskirche in Ludwigshafen, wo wir auf Tania Giannouli und Nils Petter Molvaer treffen. Die beiden sind gerade mit einer Foto-Session in Beschlag genommen, als wir die Kirche betreten. Ich möchte hier später ein Interview mit ihnen führen. Elisabeth wird das Ganze filmen, sie baut ihre Stative auf, prüft ihre Kameras und Mikrofone.

Inzwischen hat man sich begrüßt, Tania Giannouli und Nils Petter Molvaer sind an ihren Instrumenten dabei, sich aufeinander einzustimmen. Das klingt so gut, dass ich große Lust auf das Konzert am nächsten Tag bekomme. Nils Petter Molvaer hat gerade einen 15-stündigen Flug aus Asien hinter sich, Tania Giannouli ist schon seit ein paar Tagen in Heidelberg und hat in diesem Zeitraum als Zuhörerin an allen Abendkonzerten teilgenommen.

Trotz der überwältigenden Müdigkeit setzt sich Nils Petter Molvaer mit uns hin, um noch kurz unser Video-Interview zu absolvieren. Diese beide haben eine tolle Chemie, das spürt man sofort. Sie scherzen miteinander, sie sind schnell und schlagfertig. Ich habe meine helle Freude an ihnen. Als sie sich für einen kurzen Social Media Clip selbst vorstellen sollen, korrigieren sie gegenseitig die Aussprache ihrer Namen. Der Humor dieser beiden ist eine eigene Geschichte.

Doppelkonzert mit Christopher Dell, dem SWR-Jazzpreisträger 2025

Abends geht es ein zweites Mal nach Ludwigshafen, dieses Mal ins BASF-Gesellschaftshaus, wo dem 60-jährigen Vibrafonisten Christopher Dell der SWR-Jazzpreis überreicht wird. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert, wurde von Joachim Ernst Berendt initiiert und 1981 erstmals vergeben. Und natürlich bleibt es nicht bei der Preiswürdigung allein, Christopher Dell wird im Rahmen seines Preisträgerkonzerts zwei Sets spielen. Eines mit dem Schlagzeuger Felix Astor und dem Bassisten Christian Ramond im Trio DRA, ein zweites mit Schlagzeuger Christian Lillinger und Bassist Jonas Westergaard im Trio DLW.

Der Konzertsaal im BASF-Gesellschaftshaus ist voll besetzt, hinter den Stuhlreihen haben sich die Aufnahmetechniker vom SWR an einem langen Tisch aufgebaut. Links und rechts große Fernsehkameras, man zeichnet heute Abend für den SWR nicht nur den Ton, sondern auch das Bild auf.

Die offiziellen Reden werden von SWR-Jazzredakteurin Julia Neupert, Festival-Impresario Rainer Kern, den Gastgebern von BASF, dem Programmchef SWR Kultur, dem Laudatoren Gregor Dotzauer und am Ende vom Preisträger selbst gehalten.

Christopher Dell, der große Philosoph und Forschende unter den deutschen Jazzmusikern, bringt die Erfahrung als Städtebautheoriker mit in seine Musik ein. Er denkt mathematisch und strukturell so ausgecheckt, dass er und seine Kollegen aus dem Trio DRA auf der Bühne laut mitzählen müssen. Das ist kein Einzählen, sondern ein rhythmisches Prinzip. Sehr spezielle Kost, hochintellektuell und ziemlich herausfordernd. Auch im zweiten Part mit Christopher Dells langjährigen Trio DLW wird es nur so frei, wie es das Konzept zulässt, mit den auf den Punkt zusammen agierenden Musikern Lillinger und Westergaard. Ein Angbot an diejenigen, die Musik als Philosophie begreifen und als künstlerisches Konzept. Ich behaupte einfach mal: wer die Kunst von Joseph Beuys mag, könnte die Musik von Christopher Dell mögen.

Das ausführliche Interview mit Tania Giannouli und Nils Petter Molvaer, das Sarah Seidel nach dem Soundcheck in der Friedenskirche in Ludwigshafen geführt hat, erscheint demnächst hier auf jazz-fun.de – ein spannendes Gespräch über Klang, Intuition und musikalische Begegnungen.

Text: Sarah Seidel
Fotos: Sarah Seidel, Kati Novicki, Christian Gaier

Dieser Beitrag ist Teil unserer Enjoy Jazz 2025-Berichterstattung.
Alle Artikel, Interviews und Fotostrecken zum Festival finden Sie auf www.jazz-fun.de

Sarah Seidel – Writer in Residence beim Enjoy Jazz Festival 2025

Alle Berichte, Reportagen und Eindrücke aus Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen.

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