Ob legendäre Größen ihres Fachs wie Julian Lage und Wolfgang Muthspiel, um nur diese beiden zu nennen, oder junge Gipfelstürmer wie Teis Semey, Rob Luft, Ant Law & Co.: Dass der 1994 in Dinkelsbühl geborene Gitarrist und Komponist Philipp Schiepek unbedingt in diese Liga gehört, zeigte sich bei seinem gestrigen Auftritt im Münchner Jazzclub Unterfahrt. Ein Bericht von Robert Fischer
Die Cologne Jazzweek 2025 hat neue Maßstäbe gesetzt: Mit 10.500 Besucher:innen, 50 Konzerten und Auftritten von mehr als 250 Musiker:innen aus 18 Nationen verwandelte das Festival die Rheinmetropole in eine pulsierende Jazzstadt. Von intimen Clubkonzerten bis zum historischen Dom-Solo von Kit Downes – die Vielfalt und Qualität dieser Ausgabe bestätigten den Ruf der Jazzweek als eines der wichtigsten europäischen Festivals.
Der angesehene französische Jazz-Rundfunkmoderator Alex Dutilh hatte eine sehr klare Sicht auf die aktuellen Trends im europäischen Jazz und in verwandter Musik, als er Anfang dieses Jahres von der jazzahead zurückkam. Er sieht die Avantgarde und das Experimentelle eindeutig auf dem Rückzug. Im Gegensatz dazu bemerkte er unter der Vielzahl junger Bands, die ihre Arbeit präsentierten, „un effort de lisibilité“ (ein Bemühen, verständlich zu sein), eine Betonung von Melodie, Rhythmus und Kommunikation. Er stellte auch fest, dass diese Richtung völlig aufrichtig und authentisch ist, dass sie von den Musikern selbst kommt. Ein Bericht von Sebastian Scotney
Das 45. Jazzfestival Saalfelden ist zu Ende gegangen und hat in vielerlei Hinsicht Maßstäbe gesetzt. Vier Tage lang verwandelte sich die Stadt im Salzburger Land in ein pulsierendes Zentrum für zeitgenössischen Jazz und experimentelle Musik. Unser Freund, der Fotograf Robert Fischer, war vor Ort und hat viele großartige Eindrücke eingefangen. Seine Fotos lassen die Festivalatmosphäre noch einmal aufleben.
Ja, Schwaz ist klein. Knapp 15.000 Einwohner. Aber der 30km östlich von Innsbruck gelegene und vom Karwendelgebirge eingerahmte Ort hat eine lange Geschichte und zählte zur Blüte des Bergbaus im 16. Jahrhundert zu einer der größten Bergbaumetropolen der Zeit, war nach Wien die zweitgrößte Ortschaft im Habsburgerreich. Ein Bericht von Christoph Giese.
Die 31. Ausgabe des Kristupo Festivalis (Christopher Summer Festival) bietet in jedem Sommer über zwei Monate lang ein buntes, genreübergreifendes Programm, das fast jeden Geschmack ansprechen dürfte. Angefangen von kostenlosen Konzerten im Park über den ebenfalls kostenlosen Konzertzyklus Sacred Music Hours in der St. Casimir´s Kirche, wo die Kirchenorgel zwar im Mittelpunkt steht, aber oft mit Solisten oder Chören erweitert wird. Ein Bericht von Christoph Giese.
In München steht (nicht nur) ein Hofbräuhaus. Vom weltbekannten Biertempel ist es ein Katzensprung zum Marienplatz, dem Herz der Stadt, und von da sind es nur noch ein paar Schritte zum international renommierten Luxushotel Bayerischer Hof, das alljährlich im Juli Schauplatz des Festivals „Jazzsommer“ ist. Leitmotiv der von Oliver Hochkeppel gewohnt souverän kuratierten und moderierten Ausgabe 2025 waren „Voices“ – schließlich hatten die deutschen Landesmusikräte gerade eben die menschliche Stimme zum „Instrument des Jahres“ gewählt. Ein Bericht von Robert Fischer.
Kann man noch leiser und behutsamer Klavier spielen und dabei doch ganz große, vielschichtige und spannende Geschichten erzählen als Gonzalo Rubalcaba das an diesem Abend im Teatro Pérez Galdós im Herzen der historischen Altstadt von Las Palmas de Gran Canaria tut? Man wundert sich vielleicht auch dass das Trio d´Été des kubanischen Tastenkünstlers bis auf die Ausnahme des verstärkten Kontrabasses von Matt Brewer rein akustisch spielt in dem großen Saal. Ein Bericht von Christoph Giese.
Was für ein Auftakt! Zur Eröffnung des diesjährigen Sommerfestivals im Bayerischen Hof – alljährlich ein Höhepunkt nicht nur der hiesigen Jazzszene – feierte ein begeistertes Publikum im voll besetzten Festsaal des traditionsreichen Nobelhotels die „amtierende Königin des klassischen amerikanischen Jazzgesangs“, Dee Bridgewater. Mitgebracht hatte sie ein exzellentes Quartett – neben ihr selbst Carmen Staaf als musikalische Leiterin am Flügel und Synthesizer, Rosa Brunello am E- und Kontrabass und Shirazette Tinnin am Schlagzeug – sowie ein Programm, das unter dem Titel „WE EXIST!“ Protestsongs femininer Musikikonen wie Roberta Flack, Nina Simone und Abbey Lincoln versammelte. Ein Bericht von Robert Fischer.
Nein, in Bayern gehen die Uhren nicht wirklich anders, aber zum Charme der Einheimischen gehört ein eher hintergründiger Humor, der sich oft erst auf den zweiten oder dritten Blick offenbart. So musste man schon ein bisschen genauer hinsehen, um zu erkennen, was die neben einem sitzende ältere Dame meinte, als sie in der Pause die Frage beantwortete, wie sie das Konzert denn bis dahin so gefunden habe. „Vogelwild“, antwortet sie ebenso rasch wie spontan, und erst der Anflug eines leisen Lächelns ließ erkennen, wie das zu verstehen war: als Kompliment. Ein Bericht von Robert Fischer.
Wenn es um große Weltmusikfestivals geht, denkt man erst einmal an Events im sogenannten Globalen Norden, z.B. an Rudolstadt in Deutschland, Sfinks in Belgien, Angoulême in Frankreich oder WOMAD in England, Australien und Neuseeland. In den letzten Jahren aber hat es ein Event in Südostasien in die erste Liga geschafft, so dass es kein Geheimtipp mehr ist, sondern als eine der besten Weltmusikveranstaltungen des Planeten gilt: Das Rainforest World Music Festival in Sarawak, dem größten Bundesstaat von Malaysia, gelegen auf der Insel Borneo zwischen dem Südchinesischen Meer, Indonesien und dem Sultanat Brunei. Ein Bericht von Wolfgang König.
Sie musste ein paar Mal Luftholen, mehrmals einen Augenblick warten, bevor sie weitersprechen konnte. Am Ende ihres Prüfungskonzertes war Joana Pereira emotional doch spürbar berührt, als es an ihre Danksagungen ging. Seit ein paar Jahren startet das Funchal Jazz Festival in den Tagen vor den Hauptkonzerten immer mit Konzertabenden bei freiem Eintritt im gemütlichen, kleinen Stadtgarten im Herzen der Hauptstadt der Blumeninsel Madeira. Ein Bericht von Christoph Giese.
Es hätte so schön sein können. Noch in der Woche zuvor war das Thermometer hier im Süden der Republik auf über 30 Grad geklettert – beste Bedingungen für ein Open-Air-Konzert im Park, der in diesem Fall ein (sehr schöner) Botanischer Garten und jährlich ein Austragungsort des Internationalen Augsburger Jazzsommers ist. Ein Bericht von Robert Fischer.
„So viele wunderbare Momente, internationale Klänge und Lebensfreude – JazzBaltica war wieder ein großes Fest!“ – mit diesen Worten brachte Nils Landgren, der künstlerische Leiter des Festivals, die besondere Atmosphäre der diesjährigen Ausgabe auf den Punkt. Vier sonnige Tage an der warmen Ostsee, Timmendorfer Strand erfüllt von Musik, Lächeln und Gesprächen – hier trifft sich jedes Jahr die Jazzfamilie, um gemeinsam etwas Einzigartiges zu erleben. Ein Bericht von Jacek Brun
Legenden haben es auch nicht leicht. Nie können sie es allen recht machen. Die einen wollen von ihnen immer wieder nur das hören, was sie einst zur Legende werden ließ. Die anderen erwarten von ihnen immer wieder etwas Neues. Und wieder anderen ist das Neue dann schon mal zu neu. Nämlich anders als das, was sie von „ihrer“ Legende zu erhoffen wagten. Ein Bericht von Robert Fischer.
Nicht kleckern, sondern klotzen lautet seit jeher das Motto bei den jährlich zelebrierten Jazzopen in Stuttgart, die sich selbst zu den „Top-3-Festivals für Jazz & Beyond in Europa“ zählen und „Weltklassejazz im Herzen Stuttgarts“ versprechen. Ersteres muss man als Eigenwerbung mal so stehen lassen – die Veranstalter bemessen das im Zweifel an den in der Tat erstaunlichen Besucherzahlen von um die 60 000 pro Saison. Ein Bericht von Robert Fischer.
Eindrücke von seinem Konzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks am 19. Juni 2025. Ein Bericht von Robert Fischer.
Bei der feierlichen Gala im E-Werk Köln wurden 22 Preise des Deutschen Jazzpreises 2025 verliehen. Ausgezeichnet wurden Künstler:innen, Alben, Festivals und Initiativen, die den Jazz in Deutschland und international prägen. Zu den Preisträger:innen zählen u.a. Eva Klesse (Künstlerin des Jahres), Ingrid Laubrock (Holzblasinstrumente), Peter Gall (Album des Jahres) und Sonic Interventions (Debüt des Jahres). Das musikalische Rahmenprogramm zeigte eindrucksvoll die Vielfalt und Energie der aktuellen Jazzszene.
Konzertbericht: Wanja Slavin in der Münchner Seidlvilla am 10. Juni 2025. Klein, fein und (sehr, sehr) gut – die von Martin Kolb kuratierte Konzertreihe JAZZ+ in der Münchner Seidlvilla ist seit über zwanzig Jahren eine feste Größe in der städtischen Musikszene. Wer sich für freie Improvisation, Avantgarde und verwandte Klangformen interessiert, kommt hier auf seine Kosten. Ein Bericht von Robert Fischer.
Wie klingt Schweizer Jazz? Wohl nirgendwo sonst kann man dieser Frage jedes Jahr für ein paar Tage nachgehen wie im wunderschönen, am Rhein und Rheinfall gelegenen Schaffhausen, ganz im Norden der Schweiz, unweit zur Grenze nach Deutschland. Denn das Schaffhauser Jazzfestival, das seine 36. Ausgabe feierte, ist „die“ Werkschau des Schweizer Jazz, treten dort doch ausschließlich Schweizer Bands oder Künstler mit Bezug zur Schweiz auf. Ein Bericht von Christoph Giese
Am 30. März 2025 ging die 54. Internationale Jazzwoche Burghausen zu Ende. Rund 8.000 begeisterte Gäste besuchten das sechstägige Festival mit 22 Hauptkonzerten und einer JazzNight, bei der sich die Burghauser Altstadt in eine klingende Bühne verwandelte. Mit dabei: internationale Stars wie Gregory Porter, Kenny Garrett oder Billy Cobham - aber auch zahlreiche junge Acts, die in Burghausen ihre ersten großen Schritte machten.
Muskulös ist sein Spiel, rasend schnell mitunter seine Improvisationen. Ja, Amaro Freitas ist ein Virtuose auf den schwarz-weißen Klaviertasten, ein Klangsucher zwischen Jazzimprovisation und brasilianischen Folklore-Rhythmen. Aber der Pianist aus Recife im Nordosten Brasiliens ist noch viel mehr als nur das, was er bei seinem beeindruckenden Solokonzert beim Festival Jazz à Liège zeigte. Ein Bericht von Christoph Giese
Mit einem neuen Besucherrekord, hochkarätigen Konzerten und spannenden Zukunftsperspektiven setzte die jazzahead! 2025 ein starkes Zeichen für die Jazzwelt. 2026 blickt Bremen nach Schweden – und feiert das 20-jährige Jubiläum des Festivals.
Freunde der alpenländischen Blasmusik lieben die Stadt Saalfelden, weil hier zwei Blasmusikkapellen um die Wette spielen. Im österreichischen Bundesland Salzburg gilt die 1872 gegründete Bürgermusik Saalfelden als eine der besten Blasmusikkapellen, ihr Mitglied Christoph Blatzer war sogar schon Weltmeister auf der Mundharmonika. Die Konkurrenz, die heute als Stadtkapelle firmiert, wurde vor über 100 Jahren ebenfalls als Eisenbahnerblasmusik gegründet und rekrutierte ihre Mitspieler aus dem Arbeitermilieu.
„Wunden und Wunder“ ist die aktuelle Ausgabe der Salzburger Osterfestspiele überschrieben, die ihr Programm unter der künstlerischen Leitung von Nikolaus Bachler um die Sparten Tanz und elektronische Musik erweitert haben. So durfte man in diesem Jahr gespannt sein auf das jüngste Werk von Angelin Preljocaj: „Requiem(s)“ hat der französische Choreograf sein 90-minütiges Werk genannt, das sicher nicht zufällig bestens zum Festivalmotto passt. Ein Bericht von Robert Fischer
Es beginnt zunächst einmal verstörend. Eben noch hat sich das Publikum in einem Vorraum des Bergson Kunstkraftwerks eingefunden, einen Drink in der Hand, gespannt in Erwartung eines unterhaltsamen Abends. Aber dann wird ein merkwürdiges Gefährt hereingefahren, das je nach individueller Fantasie an ein Krankenhausbett erinnert oder an einen überdimensionalen Brutkasten. Ein Bericht von Robert Fischer
Was für eine Klangmalerei. Wenn Danilo Pérez, John Patitucci und Brian Blade miteinander musizieren, dann ist da einfach dieses blinde, telepathische Verständnis dank der jahrelangen Zusammenarbeit. Ein Bericht von Christoph Giese
Johnanna Summer und Jakob Manz - Albumpräsentation im Münchner Jazzclub Unterfahrt am 7. Februar 2025 Ein Bericht von Robert Fischer für jazz-fun.de
Kraft und Poesie - das Sylvie Courvoisier Trio im Münchner Jazzclub Unterfahrt. Noch am Tag danach reibt sich der Kritiker erstmal die Ohren. Was war das jetzt? Dass die in New York lebende Schweizer Pianistin Sylvie Courvoisier mit ihrem fulminant besetzten Trio für einen aufregenden Abend sorgen würde, war gewiss. Ein Bericht von Robert Fischer für jazz-fun.de
Ohne ihn würde es das alles wohl nicht geben. Den Jazz in dieser Form. Den Havnar Jazzfelag, den „Hafen-Jazzclub“, kein realer Club, sondern mehr ein Synonym für all die Jazzaktivitäten auf den Färöern. Das Plattenlabel Tutl Records und den gleichnamigen Plattenladen mitten in der Hauptstadt Tórshavn. Ein Label, auf dem einheimische Musiker veröffentlichen können. Auch die international bekannte Sängerin Eivør, die berühmteste Stimme der kleinen Atlantikinseln und eine der wichtigsten Skandinaviens überhaupt, hat auf Tutl Records Platten herausgebracht. Ein Bericht von Christoph Giese
Eine Deutschland-Premiere bedeutet ja immer dass man das Projekt auf der Bühne eigentlich nicht kennen kann, so man es nicht schon irgendwo im Ausland gehört hat. Anastasia Wolkenstein hat bei der dritten Ausgabe ihres liebevoll kuratierten Festivals Sparks & Visions im wunderschönen Regensburg den Auftaktabend im über 200 Jahre alten Theater der Stadt gleich mal mit drei Deutschland-Premieren programmiert. Viel frische Klänge also und einiges zum entdecken. Ein Bericht von Christoph Giese
Eine fantastische Wundertüte mit vielen Premieren und ungewöhnlichen Instrumenten war die diesjährige Ausgabe des Internationalen Jazzfestivals in Münster. Kaum ein Festival kann vermutlich mit so vielen Geigen, Bratschen, Celli, Harfe oder Fagott im Lineup aufwarten, von den pferdehufgroßen Kastagnetten aus Ibiza ganz zu schweigen. Ein Bericht von Angela Ballhorn