Jazz-fun.de: Die besten Jazz-Alben 2025

2025 war ein Jahr der starken künstlerischen Statements. Zwischen introspektiven Soloarbeiten, mutigen Großformaten und genreübergreifenden Projekten zeigte sich die Jazzszene so vielfältig und lebendig wie selten zuvor.

In dieser Auswahl versammeln wir die Jazz-Alben des Jahres 2025, die uns besonders überzeugt haben – durch kompositorische Substanz, klangliche Eigenständigkeit oder eine unverwechselbare künstlerische Handschrift. Diese Liste ist keine Rangordnung, sondern eine redaktionelle Würdigung jener Veröffentlichungen, die dieses Jahr geprägt haben.

Andreas Kurz / Johannes Ludwig / Alex Parzhuber - Triospaß

Das Album „Triospaß“ mag mit knapp 30 Minuten Spielzeit kurz erscheinen, doch es entfaltet von der ersten Note an eine enorme Sogwirkung. Die musikalische Verbindung zwischen Andreas Kurz (Piano), Johannes Ludwig (Saxofon) und Alex Parzhuber (Schlagzeug) ist sofort spürbar – nicht nur im Zusammenspiel der Musiker selbst, sondern auch in der Art und Weise, wie sie das Publikum mitreißen.

Brad Mehldau - Ride into the Sun

Brad Mehldau feiert das Schaffen von Elliott Smith mit einem Album, das weit mehr ist als nur eine Sammlung von Bearbeitungen seiner Kompositionen. Ride into the Sun betont die wesentlichen Aspekte der Songkunst dieses außergewöhnlichen Musikers und kleidet sie in vielfältige, fein ausgearbeitete instrumentale Arrangements. Die Stücke werden durch ausdrucksstarke Soli bereichert und von einer erlesenen Besetzung, angeführt vom Pianisten selbst, in großartiger Weise interpretiert.

Burkard Kunkel - Monxarella

Burkard Kunkels musikalische Reise begann mit der Zither. Inspiriert von der Titelmelodie der Fernsehsendung „Unter unserem Himmel“ wünschte er sich im Alter von sieben Jahren im Jahr 1974 eine eigene Zither. Seine ersten Auftritte hatte der gebürtige Würzburger auf Heimatabenden und bei Hauskonzerten im Spessart. Ab 1984 wandte er sich jedoch dem Jazz und dem Saxophon zu und legte die Zither zunächst beiseite.

C.A.R. - Valonia

Für ihr neues Studioalbum, das am 07.03.2025 erschienen ist, träumt die Köln-Berliner Band C.A.R. von einem malerischen Fleckchen Erde in den Bergen und am Meer, inmitten dichter Wälder und weiter Steppen, antiker Ruinen und futuristischer Öko-Städte, zum Skifahren, Surfen und Golfen.

Esther Kaiser & Axel Fischbacher - Moving Times

Es gibt gute Gründe, warum bei diesem Album die Namen aller Beteiligten gleichberechtigt gelistet sind. „Moving Times“ ist das Resultat echter Teamarbeit und die erste Produktion einer frisch formierten Gruppe, in der alle auf Augenhöhe agieren. Das ist nicht selbstverständlich, denn mit Sängerin Esther Kaiser und Gitarrist Axel Fischbacher sind zwei gestandene Kapazitäten des deutschen Jazzgeschehens vertreten, die seit vielen Jahren eigene Bands leiten und zahlreiche eigene Alben veröffentlicht haben.

Jan Gunnar Hoff - Voyage

Man kann mit gutem Grund sagen, dass Jan Gunnar Hoff mit „Voyage“ erneut eine Supergruppe ins Leben gerufen hat. Auch wenn das Album seinen Namen trägt und er selbst die Hälfte der zwölf Stücke komponiert hat, ist es musikalisch eindeutig ein Werk des gesamten Kollektivs. Zusamen mit Nguyên Lê, Per Mathisen und Gary Husband verleihen alle der Musik ein unverwechselbares Klangbild – von dem man schon nach wenigen Takten gefesselt ist.

John O’Gallagher - Ancestral

Ein Treffen der Meister – und was für eines! John O’Gallagher hat für sein neues Album eine Besetzung versammelt, die in der internationalen Jazzwelt ihresgleichen sucht. Musiker, die nichts mehr beweisen müssen, sondern einfach große Kunst schaffen. Schon das Einlegen der CD löst Vorfreude und eine gewisse Spannung aus: Was wird uns hier erwarten?

Joost Zoeteman, Bart Tarenskeen & Wim de Vries - Standard - No Standard

In einer Zeit, in der die musikalischen Genres in ständigem Dialog miteinander stehen, beweist Standard - No Standard, dass die Jazztradition nicht nur lebendig ist, sondern sich auch ständig weiterentwickelt. Dieses Album ist das Ergebnis einer beeindruckenden Zusammenarbeit zwischen dem Gitarristen Joost Zoeteman, dem Bassisten Bart Tarenskeen und dem Schlagzeuger Wim de Vries und zeigt, wie drei Musiker meisterhaft die Balance zwischen dem Respekt vor der Jazzgeschichte und einem frischen, zeitgenössischen Ansatz finden.

Julian Shore Trio - Sub Rosa

Der Begriff „sub rosa“ weckt düstere Bilder von geheimen Botschaften, verdeckten Operationen, Spionage und Ermittlungen. Jazz war schon immer eine Art Geheimsprache, die in abstrakter Form tiefe und komplexe Bedeutungen vermitteln und Emotionen ohne explizite Erklärungen transportieren kann. Der Pianist Julian Shore präsentiert auf seinem fesselnden neuen Album „Sub Rosa“, das am 6. Juni 2025 über Chill Tone erschienen ist, seine eigene Sammlung heimlicher Botschaften.

Knobil - Knobilive in Cully Jazz

Louise Knobil ist ein Phänomen – nicht nur im europäischen Maßstab. Ihre Musik zieht weite Kreise: von französischem Chanson und poetischer Liedkunst über rockige und punkige Riffs bis hin zu avantgardistischen Jazzimprovisationen. Gemeinsam mit Chloé Marsigny am Bassklarinett und Vincent Andreae am Schlagzeug bildet sie ein ungezähmtes Trio, das Musik erschafft, die sich jeder Schublade entzieht und dabei voller Energie und Charisma pulsiert.

Lea Maria Fries - CLEO

Mit einer Stimme, die unter die Haut geht, und einer unverwechselbaren musikalischen Handschrift gehört die Schweizer Sängerin Lea Maria Fries zu den aufregendsten Künstlerinnen der modernen Jazzszene. Ihre Musik ist eine aufregende Fusion aus afroamerikanischer Musik, modernem Jazz, experimentellen Rockelementen und poetischen Texten. Ein Sound, der Genregrenzen überschreitet und tief berührt.

Löwenzahnhonig - Kirschblütenboogie

Das Erste, was an dieser Musik auffällt, ist ihr Klang: kristallklar, zurückhaltend, aber voller innerer Dynamik. Nichts wirkt forciert, alles scheint mit natürlicher Leichtigkeit zu entstehen. Die Kompositionen sind sparsam, mit klaren Melodien und Themen, die sofort im Gedächtnis bleiben – und dennoch eine Aura von Romantik, Magie und feiner Unbestimmtheit bewahren. Auch die Arrangements betonen diese Reinheit, vermeiden Überladenes und lassen viel Raum für Zwischentöne.

Makar Novikov - Long Journey

Stylistisch im modernen Jazz verankert, öffnet dieses Album weit mehr Türen, als man zunächst vermuten würde. Makar Novikov hat Musik komponiert und arrangiert, die stilistische Grenzen großzügig übertritt und schon in den ersten Takten mit überraschenden rhythmischen Ideen aufhorchen lässt.

Mark Turner - Reflections on: The Autobiography of an Ex-Colored Man

Musiker wie Mark Turner müssen nichts mehr beweisen. Sie schaffen, weil sie schaffen müssen – aus innerem Antrieb, aus geistiger Notwendigkeit, aus künstlerischer Konsequenz. Reflections on: The Autobiography of an Ex-Colored Man ist kein einfaches Album, sondern eine Fortsetzung seines musikalischen und geistigen Weges – eine Art klingender Reflexion über Identität, Geschichte und Menschlichkeit.

Mikis Theodorakis & Henning Schmiedt - Lost Songs

Das große musikalische Vermächtnis des 2021 verstorbenen Komponisten Mikis Theodorakis wird mit diesem Album um 14 weitere Werke bereichert – sensibel und respektvoll neu interpretiert von Henning Schmiedt. Der deutsche Pianist hat diese meist kürzeren Kompositionen sorgfältig adaptiert und arrangiert. Die Stücke wirken wie musikalische Miniaturen, eigenständige kleine Lieder oder poetische Klangpostkarten, die trotz ihrer Schlichtheit eine tief berührende Wirkung entfalten.

NARRSTEIDLE - Ghost Ants

Eine musikalische Entdeckung für alle, die Klangexperimente, unerwartete Strukturen und rhythmische Abenteuer lieben. Steffi Narr und Oliver Steidle sind bekannt für ihre unermüdliche Suche nach neuen Ausdrucksformen – und mit Ghost Ants haben sie ein Werk geschaffen, das gleichermaßen fasziniert wie herausfordert.

Nicole Johänntgen - Solo III

Nicole Johänntgen ist eine Künstlerin, die in jeder Konstellation faszinieren kann – ob mit ihrem Quartett Robin, im Trio Labyrinth oder mit dem energiegeladenen Projekt Henry. Doch ihre besondere Leidenschaft bleibt das Spiel solo. Nur sie und ihr Saxofon. Keine Elektronik, keine Effekte. Pure Musik.

Nordsnø Ensemble (feat. Kit Downes) - ett omaka par

Das preisgekrönte deutsche Oktett Nordsnø Ensemble ist bekannt für seine grenzüberschreitende Verbindung von skandinavischer Folklore und zeitgenössischem Jazz. In Zusammenarbeit mit dem für den Mercury Prize nominierten britischen Pianisten Kit Downes nimmt ihr drittes Album den Hörer mit auf eine konzeptuelle Reise durch das Zusammenspiel von Gegensätzen: Fantasie und Wirklichkeit, Glaube und Zweifel.

Paolo Fresu - Kind of Miles

Paolo Fresu ist immer auf dem Vormarsch und begeistert uns mit jedem neuen Projekt. Der Sound der beiden Alben ist deutlich von den Klängen des Meisters Miles inspiriert. Der melodische Reichtum der Musik ist erstaunlich, ebenso wie die großartigen Soloparts, nicht nur des Leaders. Es ist ein ausgezeichnetes Album - großartige Musik, brillantes Spiel aller Bandmitglieder, ein raffiniertes Abenteuer, das den Ideenreichtum und die Klänge von Miles Davis mit der Virtuosität und Fantasie von Paolo Fresu verbindet.

Peace Chant 8 - More Private Jazz from Germany

Die Compilations von Tramp Records haben schon immer unser großes Interesse geweckt. Mit außergewöhnlicher Sorgfalt werden hier Aufnahmen ausgewählt, sorgfältig restauriert und in herausragender Klangqualität veröffentlicht. Begleitet wird die Musik von detailreichen Booklets mit exakten Angaben zu den beteiligten Musikern und Bands, ergänzt durch Entstehungsgeschichten und – bei manchen Stücken – sogar durch originale Konzert- oder Sessionfotos.

Philipp Maria Rosenberg - Rotwelsch

Die Idee, klassische Motive mit jazzigen Ansätzen zu verbinden, begleitet die Musikgeschichte schon lange. Doch Philipp Maria Rosenberg geht auf Rotwelsch einen ganz eigenen Weg. Sein Trio verschmilzt nicht einfach zwei Stilrichtungen, sondern öffnet einen neuen Raum zwischen ihnen: eine Zone, in der klassische Melodik und klare motivische Führung zur Grundlage improvisatorischer Freiheit werden.

Raphaël Pannier Quartet / Khadim Niang & Sabar Group - Live in Saint Louis, Senegal

Raphaël Pannier hat am 19. Mai 2024 einen Abend geschaffen, der schon jetzt als historisch gilt: ein Konzert, das nicht nur musikalisch beeindruckt, sondern auch kulturell verbindet und dem großen Doudou N’Diaye Rose eine spürbare Verbeugung widmet. Pannier bringt sein brillantes Quartett mit der Sabar Group von Khadim Niang zusammen – und gemeinsam entfachen sie ein rhythmisches Feuerwerk, das weit über Genregrenzen hinausstrahlt.

RENNER - Never Ending Story

Zwei Brüder und ein Wesensverwandter. Das sind Renner aus München, die derzeit in der deutschen Jazz-Szene für Aufsehen sorgen. Und das zu Recht! Das Trio verdient in mehrfacher Hinsicht das Prädikat „ungewöhnlich“. Das gilt sowohl für die Besetzung mit Posaune, Kontrabass und Schlagzeug als auch für die Geschwindigkeit, mit der die Band ihr Publikum für sich eingenommen hat.

Rico Jones - Bloodlines

Auf „Bloodlines“ betritt Rico Jones mit seinem Ensemble kompromisslos die radikalen Zonen moderner Jazzästhetik – und tut dies mit einer bemerkenswerten Ausdruckskraft. Klare, durchdachte Gitarrenlinien treffen hier auf energiegeladene, mitunter furios entfesselte Tenor-Saxofon-Phrasen. Diese wiederum durchdringen die dynamischen, mal brodelnden, mal sanft atmenden Texturen der Rhythmusgruppe, wodurch ein spannungsgeladenes und vielschichtiges Klangbild entsteht.

Scandinavian Art Ensemble with Tomasz Stańko - The Copenhagen Session Vol. 1

Seit Jahren kursierten in der dänischen und polnischen Jazzszene Gerüchte über eine verschollene Aufnahmesession mit dem legendären polnischen Trompeter Tomasz Stańko und einer Gruppe skandinavischer und polnischer Musiker. Nun, fast ein Jahrzehnt nach der Session und sieben Jahre nach Stańkos Tod, erscheinen die lang erwarteten Aufnahmen endlich.

Scandinavian Art Ensemble with Tomasz Stanko - The Copenhagen Sessions Vol. 2

Diesen Album muss man als ein völlig eigenständiges Dokument begreifen – als Momentaufnahme, die zu einem kostbaren Stück musikalischer Geschichte geworden ist. Hier begegnen sich junge, damals noch kaum bekannte europäische Musiker:innen und einer der größten polnischen Künstler: Tomasz Stańko. Und wie so oft im echten Leben: Das Ungeplante, Zufällige, beinahe Improvisierte wird zum Funken, der große Kunst entfacht.

Shuteen Erdenebaatar & Nils Kugelmann - Under The Same Stars

Ein Album wie „Under The Same Stars“ ist weit mehr als nur ein gemeinsames Projekt zweier hochkarätiger Musiker: Es ist die Begegnung zweier künstlerischer Persönlichkeiten, die ihre Ausdruckskraft und musikalische Fantasie auf einzigartige Weise miteinander verbinden. Shuteen Erdenebaatar und Nils Kugelmann entwickeln eine gemeinsame Sprache, die tief berührt und von großer künstlerischer Klarheit zeugt.

Spindrift - Trio Studies

Drei der wichtigsten Musiker der deutschen Improvisationsmusikszene zeigen in den acht „Studien“, wie spannend Instant Composing auf höchstem Niveau klingen kann. Lag das Arbeits- und Kraftfeld der drei Musiker zunächst in Nordrhein-Westfalen, so leben sie heute in Berlin (Schubert), Bochum (Blume) und Trier (Manderscheid).

Varre Vartiainen & Mike Stern - Head and Heart

Die Musik des Albums ist vom Fusion-Jazz der 70er Jahre inspiriert und wurde größtenteils von Varre Vartiainen komponiert. Mike Stern steuert jedoch ebenfalls eine bedeutende kreative Note bei. Von beiden Künstlern kann man meisterhaftes Gitarrenspiel erwarten. „Head & Heart“ ist die Fortsetzung von Vartiainens Soloalbum „Almost Standards“, das von der Kritik hochgelobt wurde.

Veronika Harcsa, Anastasia Razvalyaeva & Márton Fenyvesi - Schubert Now!

Dieses Album ist eine Offenbarung! Wir haben Schuberts Lieder noch nie so gesungen und vor allem so arrangiert gehört. Beim Hören dieser Musik taucht man ein in eine Welt aus elektronischen Hintergrundklängen, reinen, wunderschön gespielten Harfensounds und perfekt gesungenen klassischen Liedern. Ich bin voller Bewunderung für den Einfallsreichtum, die gegenseitige Inspiration und die Konsequenz, mit der dieses außergewöhnliche Trio die musikalischen Inhalte aufbaut. Ihr gemeinsames Werk ist ein klangliches Meisterwerk.

wehnermehner - Misquotation

Trombone und E-Gitarre – ein Duo, das schon durch seine Besetzung überrascht. Raissa Mehner und Max Wehner zeigen auf ihrem Debüt Misquotation, wie aus dieser scheinbar gegensätzlichen Kombination eine faszinierende, intime Klangwelt entstehen kann. Hier ist nichts überflüssig, nichts dekorativ. Jede Note hat Gewicht, jede Pause Bedeutung. Mehner und Wehner entwerfen ihre Musik mit fast asketischer Klarheit und eröffnen zugleich Räume von großer emotionaler Tiefe. Ihre Stücke leben vom Dialog – mal verschmelzen die Linien ineinander, mal prallen sie kantig aufeinander, um sich im nächsten Moment wieder in fragile Balance zu bringen.

Yumi Ito - Lonely Island

Yumi Ito begeistert einmal mehr mit ihrer einzigartigen Stimme. Die Kraft und Reinheit ihres Gesangs sind schlicht überwältigend, und auf ihrem neuen Soloalbum stellt sie dies eindrucksvoll unter Beweis. Nur Stimme und Klavier – und doch erschafft sie damit eine Klangwelt, die von großer Intensität und emotionaler Tiefe geprägt ist.

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