Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu vielen Meldungen weiterführende Inhalte: detaillierte Album-Reviews, exklusive Interviews, ausführliche Konzert und Festivalreportagen und fundierte Künstlerbiografien. Unsere kuratierten Besten Jazz-Alben bündeln darüber hinaus die prägendsten Veröffentlichungen eines Jahres – als Orientierung in einer stetig wachsenden Jazzwelt.
Drei Veteranen des nordischen Jazz, elf akustisch-elektronische Kompositionen, eine brandneue Band: Bugge Wesseltoft, Magnus Öström und Dan Berglund sind Rymden! Rymden kennen keine Genres. Pop, Rock, Club-Sounds und sogar Klassik fließen in den Sound dieses zumeist akustischen Trios ein, Synthesizer und Electronics werden nur subtil eingesetzt.
Vorgestellt wird das Projekt der WDR- Big Band mit der Sängerin Jazzmeia Horn als Social Call. Nun, gutgemeint, aber die Musik klingt auch nicht anders als bei Konzerten, die diesen Anspruch nicht erheben. Zu hören sind solche humanistischen Statements sowie nicht. Bob Mintzer hat die Leitung und die (meisten) Arrangements steuert er ebenfalls zu. Diese sind sein Markenzeichen oder sein Label, dafür ist er bekannt und seine Arrangements sind bei seinen Kollegen beliebt. So war es zu erwarten, genau so klingt dies dann auch. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Die italienische Musik-Ikone Künstler Paolo Conte veröffentlicht sein neues Album “Live in Caracalla – 50 Jahre Azzurro”. Das Doppelalbum enthält die Aufnahmen zweier einzigartiger Konzerte: Am 14. und 15. Juni feierte Paolo Conte gemeinsam mit seinem Orchester und geladenen Gästen 50 Jahre “Azzurro” in der Caracalla Therme in Rom. In seinem neuen Live Trailer gibt Paolo Conte Einblicke in die Entstehung dieser einmaligen Konzert-Erlebnisse.
Zur Einführung gibt es viele Informationen, darunter die, dass das AEC das letzte Mal vor 27 Jahren in Berlin gastierte. Meine Begegnung mit dem AEC reicht bis ins Jahr 1973 zurück. Damals noch unter dem Namen Berliner Jazztage spielte das Ensemble in der „heiligen“ Halle der Philharmonie. Stets war (ist) die Jazzwelt ein wenig verkehrt oder ver-rückt in diesem, der Klassik geweihten, Musiktempel mit der phantastischen Akustik. Umso größer war der Kontrast zwischen dem Ambiente des großen Saals und dem Erscheinungsbild des ACE. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Hamburg, den 13.11.2018 | Wolfgang Schlüter, einer der wichtigsten Vertreter seiner Generation im europäischen Jazz, ist gestern, am 12.11.2018, im Alter von 85 Jahren verstorben. Völlig unerwartet und gerade mit den abschließenden Aufgaben eines neuen Projektes mit seinem Quartett und Streichern beschäftigt, erlag er den Folgen eines Schlaganfalls.
Der Auftritt und die Ansage der Chefin machen sofort alles klar. Hier wird kein Pardon gegeben, weder musikalisch, noch in der Art der Performance inklusive der Ansagen. Nun, die Lady, die im authentischem Outfit von Nord-Neukölln (für Nicht-Berliner: extrem weiter Jogging-Anzug, Base Cap) die Bühne betritt, wundert sich, dass Ihre gemotzte Begrüßungsfrage nicht erwidert wird. Irritiert, vielleicht sogar enttäuscht, wiederholt sie den Auftakter in der Hoffnung auf mehr Resonanz. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
The Black Drop. Davon gab es reichlich zu hören, aber – wie schon beim Konzert von Irreversible Entanglements ausgeführt – es wurde zu wenig verstanden. Ganz subjektiv: Ich habe zu wenig verstanden, um den Inhalte dieses Poems zu würdigen. Nun, mein unzureichendes Englisch, eher Amerikanisch mag mir zu Recht um die Ohren gehauen werden, aber ich habe den starken Eindruck, dass nur eine kleine Minderheit der Lyrik von Moor Mother folgen kann. Es bleibt, ein Bedauern darüber zu äußern und sich auf die Musik zu fokussieren. Diese bleibt allein der AEC-Legende von Roscoe Mitchell überlassen. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Der coolste Mann in Hollywood? Für das Magazin GQ kann es darauf derzeit nur eine Antwort geben: Jeff Goldblum. Nun aber wird es noch um einiges cooler! Denn der Schauspieler, den man in der ganzen Welt aus Blockbustern wie "Jurassic Park" und "Independence Day" kennt, hat für Decca Records gerade sein erstes Album als Jazzpianist aufgenommen. Zusammen mit seiner langjährigen Band The Mildred Snitzer Orchestra und namhaften Gästen wie Trompeter Till Brönner, den Sängerinnen Imelda May und Hailey Reinhart sowie der Komikerin Sarah Silverman ist er in die legendären Capitol Studios in Los Angeles gegangen, um live vor Publikum ein vor Witz und Energie nur so sprühendes Programm mit Jazz- und Bluesklassikern aufzunehmen.
Es gibt Projekte, die muten wie Haut Cuisine-Rezepte an: allein die Länge der Zutatenliste lehrt die Köche das Fürchten, doch läuft einem bei der schieren Vorstellung der zu erwartenden Genüsse gleich das Wasser im Munde zusammen... Sebastian Krol und Rüdiger Ruppert, die beiden Organisatoren der BigBand der Deutschen Oper Berlin, müssen den Vergleich mit diesen visionären Küchenkünstlern nicht scheuen.
In der Tat, die Musik von Irreversible Entanglements – so der Name der Gruppe - ist nicht rückgängig zu machen. Entanglements kann auch Verwicklungen, Verstrickungen beinhalten mit leichter Tendenz zum Negativen. Wir sind beim 1. Konzert des diesjährigen Jazzfestes und beim Thema. Es geht sofort richtig zur Sache: freier Sound, der kaum thematische oder rhythmische Variationen aufweist, dafür umso mehr das energetische Spiel mit Klangräumen und Feldern sucht, ohne sich um harmonisches Wohlgefallen zu kümmern. Es tönt nach jener Sturm– und Drangphase im FreeJazz, die in den späten 60-zigern und frühen 70-zigern begann, und die sich seitdem kaum oder nicht veränderte. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
What´s new? – so fragt ein Jazz-Standard und diese Frage wird gern an die Ausrichter und Besucher von Musikfestivals gestellt. So auch beim 55. Jazzfest. Zwei Methoden, um sich einer Antwort zu näheren: Top Down und Bottom Up. Wir fangen von oben an, da Top Down etwas leichter fällt, als der schwierige Weg Bottum Up, also von der erdigen
Basis des Publikums zu den luftigen Höhen der Künstler und Veranstalter. Ein Bericht von Cosmo Scharmer
Während viele Klassik-Pianisten sein musikalisches Erbe mit spitzen Fingern anfassen, erlebt Satie in der Jazz-Szene ein kleines Revival. Christoph Busse – den Beobachter zu den besten deutschen Jazz-Pianisten zählen – hat dem französischen Exzentriker mit seinem Quartett jetzt ein ganzes Album gewidmet. „The Velvet Gentlemen“ lautet der augenzwinkernde Titel in Anspielung auf Saties Kleiderschrank, in dem sieben identische Samtanzüge hingen, die Satie trug, wenn er im Pariser Nachtclub in die Tasten griff.
Gestern erreichten das moers festival wunderbare Neuigkeiten aus Berlin: Der Bund wird das moers festival ab 2019 mit jährlich 250.000 € und zum 50. Jubiläum im Jahr 2021 sogar mit 400.000 € unterstützen. Ursprünglich sollte die auf drei Jahre begrenzte Förderung i.H.v. 150.000 € 2019 auslaufen. Kerstin Radomski (CDU), Mitglied im Haushaltsausschuss und direkte gewählte Bundestagsabgeordnete im hiesigen Wahlkreis wie auch ihr Vorgänger Siegmund Ehrmann (SPD) haben sich in den letzten Wochen sehr für den Erhalt der Bundesförderung engagiert.
Weiterlesen … Bund fördert das moers festival bis 2023 mit 1,4 Millionen
Es gibt keine Grenze zwischen Improvisation und Komposition, keine zwischen Energie und Sensibilität. Musik, die auf Neugier setzt, auf hochenergetische Prozesse voller eingängiger innerer Logik, die sich überträgt, weil der Hörer spürt, wie hier Künstlern etwas unter den Nägeln brennt.
Eine Stimme, ein Klavier und eine Reihe von Liedern. Das klingt nach wenig, aber bei Clara Haberkamp ist es ungeheuer viel. Die in Berlin lebende Pianistin machte in den letzten Jahren vor allem durch ihr Trio mit Drummer Tilo Weber und wechselnden Bassisten von sich reden. Dass sie auch gut und gern singt, hat sie nie verhehlt. Auf „Neon Hill“ steht erstmals weniger die Jazzpianistin im Mittelpunkt als die Sängerin und Songwriterin Clara Haberkamp.
Mateusz Sobiechowski, Pianist und Komponist, ist ein erfahrenes Mitglied der jungen polnischen Jazzszene. Er leitet sein eigenes Quintett und ist Mitbegründer von „Bienczyk – Sobiechowski Duo“, „The Forest Tuner“ und „Stanislaw Slowinski Quintet“. Sobiechowski hat an zehlreichen Meisterkursen teilgenommen und ist vielfacher Preisträger. „Vital Music“ ist das Debüt des Mateusz Sobiechowski Quintetts. Die Musik dieses Albums wurde vom Pianisten und Leader komponiert und schöpft aus vielen Einflüssen, von zeitgenössischen Jazz bis hin zur europäischen Klassik. Und vor allem ist es voller Improvisation.
Auf seinem zweiten ECM-Album nach der gefeierten Duo-Aufnahme Alba mit Markus Stockhausen (2016), führt der Pianist Florian Weber eine starke internationale Besetzung durch ein Programm seiner Kompositionen und Themen. Ob er nun seinem Mentor Lee Konitz auf "Honestlee" huldigt, die "Melody of a Waterfall" impressionistisch glitzern lässt oder auf "Butterfly Effect" wirkungsvolle Dramen aus Klangfragmenten erzeugt, immer entlockt Weber seinen Mitspielern erfrischende Reaktionen.
Kammermusikalische Duo-Begegnungen im Jazz bedeuten nicht zwangsläufig, dass das Ergebnis spannend, toll und überraschend sein muss. Da ein jazzmusikalisches Duett zu den schwierigeren Besetzungen gehört – Vorhersagbarkeit der Gestaltungsmittel werden erkennbarer – darf man umso mehr gespannt sein, was diese polnisch-französische Begegnung hervorbringt.
Musik entsteht nie im luftleeren Raum. Orte, an denen sie gespielt wird, inspirieren und prägen ihren Ausgang, als wären sie ein weiteres Instrument. Es ist dieser kreative Anreiz, den Produzent Siggi Loch immer wieder für Julian und Roman Wasserfuhr sucht, um deren Spiel in einen neuen Kontext zu stellen. Vorher ungeahnte musikalische Blickwinkel werden so geöffnet.
Mit seinen bislang veröffentlichten Studio-Alben sowie spektakulären Konzerten hat sich das Kaleidoscope String Quartet (KSQ) in den vergangenen Jahren international gut etabliert. Die vier Schweizer im Alter zwischen Ende Zwanzig und Ende Dreißig transzendieren das klassische Streichquartett-Format in neue Dimensionen, lassen Genregrenzen hinter sich und entlocken ihren Instrumenten zuweilen unkonventionelle bis unerwartete Töne. Schon auf Curiosity, ihrem im Herbst 2015 erschienenen zweiten Werk, faszinierten sie mit markanten Klangfarben und charismatischen Eigenkompositionen.
Ein Dutzend Alben hat er bereits unter eigenem Namen veröffentlicht, stets begleitet von schwärmerischen Kritiken der Fachpresse. Ehrfurchtsvoll raunen Musikerkollegen seinen Namen, loben seine Qualitäten als Songwriter und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten an der Gitarre. Ron Spielman bereist seit 20 Jahren die Musikwelt. Als Entdecker entlang der Grenzen von Singer/Songwriter, Blues, Jazz, Fusion, Rock, Pop und Folk bleibt er bei aller Ohrwurm-Melodik kantig, immer auf dem schmalen Grat zwischen Zugänglichkeit und Tiefe wandelnd.
Das vierte Album der „Supergroup“ um Saxofonist und Klarinettist Kjetil Traavik Møster (mit Mitgliedern von Motorpsycho, Needlepoint, Grand General, The National Bank, Bigbang, Elephant 9) ist ein beeindruckendes, zehn Songs umfassendes Doppelalbum geworden.
Sicher, Christian McBride hätte sein neues akkordloses Ensemble – bestehend aus Trompete, Saxophon, Bass und Schlagzeug – Christian McBride Quartett oder die Christian McBride Group nennen können. Doch er entschloss sich für »Jawn« (jän): Substantiv. Eine Slang-Terminologie aus Philadelphia. Universeller Begriff für eine Person, einen Ort oder eine Sache.
Das einzig wirklich Überraschende an dieser Stelle in Yelena Eckemoffs einzigartiger, überaus produktiver Karriere wäre, wenn die in Russland geborene Pianistin und Komponistin mit neuer Musik aufwarten würde, die nicht verblüfft. Aber selbst nach diesem Standard ist Eckemoffs neues wunderschönes Doppelalbum "Better Than Gold And Silver", auf dem sie biblische Psalmen vertonte, eine Überraschung. Vielleicht sogar ein Wunder. "Ich bin von der Tiefe der Psalmen beeindruckt und beschämt worden", sagt sie, "und zwar nicht nur als heilige Texte, sondern als wunderbarer Schatz poetischer Kunst.
Auf dem jetzt vorliegenden, vierten Album kollaborieren Hanna Paulsberg und ihre bestens eingespielte Formation mit dem renommierten schwedischen Trompeter MAGNUS BROO, den man vor allem als Mitglied der gefeierten schwedisch-norwegischen Band ATOMIC kennt. Unter der Leitung der Komponistin und Bandleaderin treffen hierbei zeitgenössischer Jazz auf spirituelle Klänge und südafrikanische Kwela- / Township-Sounds, hat der Einfluß von Chris Mcgregor, Dudu Pukwana, Abdullah Ibrahim und Pharoah Sanders hörbar seine Spuren hinterlassen.
„Hey - Pippi Langstrumpf...“ Doch halt... stopp...! Was hat dieses starke, mutige kleine Mädchen aus Schweden hier zu suchen? Sind wir nicht vielmehr in Finnland, dem Heimatland der Wahlmünchnerin Tuija Komi, die hier mit Midnight Sun ihr neues Album vorstellt? Peppi Pitkätossu (gesprochen wird’s, wie geschrieben) heißt das schwedische Gör auf Finnisch – und Tuija Komi veredelt diesen Kinderliedklassiker zu einer wahren Jazz-Hymne.
Das 20. Album, und das kurz vorm 20-jährigen Jubilläum! Das legendäre, sich aus einem schier unerschöpflich erscheinenden Pool von wahnwitzig talentierten akademischen MusikerInnen speisende Wunderorchester unter Leitung des renommierten norwegischen Bassisten OLE MORTEN VÅGAN (MOTIF).
Am 12. und 13. Oktober 2018 war der Miralles-Saal des star Jazz Festivals erneut zum Schauplatz eines musikalisch konzeptionellen Highlights, das in diesem Jahr über ein rein konzertantes Jazzerleben weit hinaus gegangen und sich den Möglichkeiten der multimedialen Performance geöffnet hat. Leitthema des diesjährigen star Jazz Festivals war PERSPEKTIVEN: Mikrokosmos - Makrokosmos. Ein Bericht von Jacek Brun
ECM Records veröffentlicht im Oktober 2018 ein lang erwartetes Doppelalbum des US-amerikanischen Pianisten. Der Livemitschnitt eines Soloklavierkonzertes aus dem Jahr 2006 in Venedig dokumentiert einmal mehr die enorme Spontanität und Virtuosität des Künstlers. "La Fenice" heißt das besondere Konzerterlebnis.
Das Trio von Jakob Bro und seinen amerikanischen Weggefährten Thomas Morgan und Joey Baron liefert nach dem 2016 erschienenen Album Streams eine klangstarke Konzertaufnahme, die im New Yorker Jazz Standard mitgeschnitten wurde.
Berlin, 16.10.2018 | Nach der auf dem 24. UDJ-Jazzforum veröffentlichten Gemeinsamen Erklärung zur Gleichstellung von Frauen im Jazz, die inzwischen von mehr als 250 Menschen und Institutionen unterzeichnet wurde, stellt die UDJ als Vertretung der Jazzmusiker*innen auf Bundesebene nun konkrete Maßnahmen zur Umsetzung vor.
Jaak Sooäär ist Gitarrist und einer der bekanntesten Jazzmusiker im Baltikum. Als er 1972 in Tallinn geboren wurde, war Estland noch eine Sozialistische Sowjetrepublik. Mit sieben wurde er Mitglied im Estnischen Knabenchor und machte bald mit ihm seine ersten Konzertreisen in der UdSSR. Später studierte er in Tartu, Tallinn und Kopenhagen und begann 1989, in der Jazz- und Pop-Szene in seinem Heimatland zu arbeiten.