Beste Jazz-Alben 2023

2023 zeigte einmal mehr, wie grenzenlos Jazz gedacht werden kann. Zwischen kammermusikalischer Reduktion, globalen Einflüssen und experimentellen Klangkonzepten entstanden Alben, die weit über Genredefinitionen hinausweisen.

In dieser Jahresliste finden sich die Veröffentlichungen, die uns nachhaltig beeindruckt haben – sei es durch kompositorische Tiefe, improvisatorische Kraft oder eine besondere klangliche Atmosphäre. Eine Momentaufnahme eines facettenreichen Jazzjahres.

Aki Rissanen - Hyperreal

Hyperreal ist das hypnotisierende neue Album und Projekt des gefeierten finnischen Pianisten, das fesselnde und komplexe Klanglandschaften mit Verneri Pohjolas schillernden, gefühlvollen und ergreifenden Trompetenmelodien und Robert Ikiz' tiefem Drive und unwiderstehlichen Grooves verbindet.

Andorra - Current

Das dänische Quintett "Andorra" verkörpert den Schmelztiegel des Jazz - vom melancholischen Sound des skandinavischen Jazz bis hin zu cineastischen Synthesizer-Texturen und treibenden programmierten Drumcomputern.

Anton Mangold - Oracle

Mit Oracle legt der Saxophonist Anton Mangold sein nun viertes Album vor. Sein schon länger bestehendes Quartett (mit Bastian Jütte - Drums, Theodor Spannagel - Bass und Felix Schneider - Piano) hat er für dieses Projekt mit Roland Neffe (Vibraphon), Yumi Ito (Vocals) und Zhihan Xu (Gitarre) zum Septett erweitert.

Arne Jansen & Stephan Braun - Going Home

Der Duft der Kindheit. Das tröstliche Gutenachtlied der Eltern. Der erste Kuss. Wie großartig wäre es, könnte man die magischen Eindrücke des noch jungen Lebens für immer konservieren! Nicht in Form eines entfärbten Schnappschusses, sondern in seiner ganzen emotionalen Essenz. Gewissermaßen als „Explosion im Herzen“, wie es im Text des DireStraits-Songs „Romeo & Juliet“ heißt.

Brad Mehldau - Your Mother Should Know - Brad Mehldau Plays The Beatles

„Your Mother Should Know: Brad Mehldau Plays The Beatles“, Brad Mehldaus neues Live-Soloalbum umfasst neun Interpretationen von John Lennon & Paul McCartney-Songs, sowie seine Neudeutung eines Stücks von George Harrison. Obschon eine Auswahl an Beatles-Songs bereits seit Jahren zum Programm von Mehldau-Solo- und Trio-Konzerten zählt, spielte er bislang keins der „Your Mother Should Know“-Stücke ein.

Donny McCaslin - I Want More

Donny McCaslin ist ein visionärer Künstler, Saxophonist und Komponist, der mit seinem neuen Album I Want More die Grenzen der Jazzmusik erweitert. Diese Sammlung von Instrumentalstücken entfernt sich vom konventionellen Klang eines Jazzalbums und sprengt die Erwartungen an den Klang des Saxophons.

EABS meets Jaubi - In Search of a Better Tomorrow

Vor einigen Jahren begann sich eine sehr interessante Beziehung zu entwickeln. Aus den Veröffentlichungen von Jaubi bei Astigmatic Records und der immer häufigeren Zusammenarbeit zwischen Musikern aus Europa und Asien wurde eine Brücke geschlagen – aus Latarniks Reise nach Pakistan, aus der das viel gelobte Album Nafs at Peace entstand, und Zohaibs, Dhanis und Alis erneuter Reise nach Polen, die schließlich in dem Album In Search of a Better Tomorrow münden sollte.

Efrat Alony - Händel Fast Forward

Efrat Alony, die vielfach ausgezeichnete Sängerin, Komponistin und Produzentin (2022 „Deutscher Jazzpreis“ für das beste Vokalalbum), veröffentlicht bei dem renommierten New Yorker Label DOT TIME RECORDS, koproduziert vom Schweizer Radio ihr neues, spektakuläres Album „Händel Fast Forward“.  Dem Jazz verfallen, war Efrat Alony von jeher eingenommen und fasziniert von Georg Friedrich Händels tänzerischem Rhythmus seines „baroque drum“.

Emma Rawicz - Chroma

Keine Frage: Mit gerade einmal 21 Jahren ist die Saxofonistin Emma Rawicz aktuell „talk of the town“ der britischen Jazz-Szene, die aktuell zu den interessantesten der Welt gehört. Im Alleingang buchte sie eine knapp 20 Städte umfassende UK-Tour, spielte auf zahlreichen britischen und internationalen Festivals, war Headliner im Londoner „Ronnie Scott’s“ und gründete ihre eigene Bigband.

Enrico Pieranunzi Trio - Blues & Bach - The Music of John Lewis

Klassik/Pop, Rock/Klassik, Klassik/Jazz, Fusion: Die Liste der möglichen Kreuzungen kann sehr lang werden. Allen diesen Verbindungen gemeinsam ist der Wunsch, zwei oder mehr verschiedene Sprachen zu vermischen. Es ist ein bisschen so, als würde man eine chemische Reaktion auslösen, deren Ergebnis nichts mehr mit den ursprünglichen Bestandteilen der Reaktion selbst zu tun hat.

Frederik Köster / Die Verwandlung - Stufen

Seit 10 Jahren spielt Frederik Kösters Band Die Verwandlung zusammen, mit jedem Album überraschen die vielfach ausgezeichneten Musiker (diverse Jazz-Echos, Neuer Deutscher Jazzpreis, WDR-Jazzpreis) durch neue Klangvariationen. 2018 verblüffte das Quartett mit der spektakulären Orchester-Produktion Homeward Bound Suite, 2020 präsentierte es auf Golden Age individuelle Fusionen von akustischer Virtuosität und kluger Elektro-Ästhetik.

Geri Allen & Kurt Rosenwinkel - A Lovesome Thing

Kurt Rosenwinkel & Geri Allen haben hier eine erstaunliche Atmosphäre geschaffen - subtil, voller Farben und musikalischem Raum. Ein Duo-Album für Klavier und Gitarre ist nicht alltäglich. Umso bemerkenswerter ist es, dass es hier von zwei wunderbaren Instrumentalisten, Komponisten und Improvisatoren gespielt wird. Man sollte es sich anhören und am besten in die eigene Bibliothek stellen.

John Scofield - Uncle John's Band

Benannt nach dem Grateful Dead-Song, der dieses Doppelalbum beschließt, zeigt Uncle John's Band den Meistergitarristen John Scofield in seiner freiesten Form. Sein Trio mit Vicente Archer und Bill Stewart verfügt über ein breites Repertoire, das von Dylans "Mr. Tambourine Man" bis zu Neil Youngs "Old Man", von Leonard Bernsteins "Somewhere" bis zu Miles Davis' "Birth of the Cool"-Klassiker "Budo" reicht.

Jonas Hellborg - The Concert of Europe

1984 war ich mit John McLaughlin auf Tournee, zuerst mit Mahavishnu, wir hatten eine Show in New York, wo ich von Michael Shrieve dem Produzenten Bill Laswell vorgestellt wurde. Er (Bill) spielte mir eine Aufnahme vor, die er gerade mit Ginger Baker gemacht hatte. Ich war fasziniert und beeindruckt von dem Schlagzeugspiel und fragte Bill, ob ich Gingers Kontaktinformationen haben könnte.

Kostas Patsiotis - October

Der griechische Bassist Kostas Patsiotis, der auf über 100 Veröffentlichungen in verschiedenen Musikstilen zurückblicken kann, für Film und Fernsehen aufgenommen hat und mit Künstlern wie Chris Cornell (Soundgarden, Audioslave), der algerischen Pianistenlegende Maurice El Medioni und der New Yorker Stepptänzerin Heather Cornell auf der Bühne stand, hat sich in den letzten zehn Jahren in Athen als aktives Mitglied der Jazzszene und leidenschaftlicher Pädagoge etabliert.

Mette Henriette - Drifting

Nach Mette Henriettes von der Kritik hochgelobtem, selbstbetitelten Erstlingswerk folgt nun Drifting - ein Album, das von Trio-Gesprächen mit eigenwilligem und originellem Ausdruck durchdrungen ist. Mette: "Drifting fängt einen Moment in der Zeit ein. Ich kann auf der Platte hören, wie alles noch wächst - in Bewegung - und wie präsent meine Fantasie ist.

Nathan Francis Quintet - The house that Boby Built

"The House That Bobby Built" ist ein außergewöhnliches Album des Bassisten und Komponisten Nathan Francis, das aus einer tief verwurzelten Leidenschaft für die reiche Tradition der Jazzmusik entstanden ist. Mit akribischer Hingabe hat sich Francis auf eine kompositorische Reise begeben, die von den Werken seiner Vorgänger inspiriert ist und zu einer Sammlung wahrhaft einzigartiger Originale geführt hat.

Omer Klein Trio - Life & Fire

Musik ist eine Sprache, die keiner Worte bedarf und desto mehr Übersetzungen findet. Der israelische, in Frankfurt am Main lebende Omer Klein weiß sich dieser Sprache als Komponist, Improvisator und Pianist vortrefflich zu bedienen und überrascht auf jedem neuen Album mit einem Vokabular, das keines Wörterbuches bedarf, um Türen zu öffnen und Brücken zu bauen.

Paolo Fresu & Omar Sosa - Food

„Food“, das dritte Projekt von Paolo Fresu und Omar Sosa vervollständigt und beschließt die Trilogie der beiden Ausnahmekünstler, einschließlich der früheren Veröffentlichungen des Duos, ALMA (2012) und EROS (2016). Mit dabei sind von Rapper Kokayi aus Washington DC, Cristiano de André (Sohn des berühmten Fabrizio), der brasilianische Cellist Jaques Morelenbaum, die südafrikanische Sängerin Indwe und der amerikanische Pantrommelmeister Andy Narrell.

Petros Klampanis - Tora Collective

Auf dem neuen Album Tora Collective des Bassisten und Komponisten Petros Klampanis trifft Vergangenheit auf Zukunft, traditionelle griechische Musik auf Modern Jazz. Die ungewöhnliche Instrumentierung baut Brücken zwischen vermeintlich unterschiedlichen Musikkulturen. Neben Petros Klampanis am Bass, der auch die künstlerische Leitung des Projekts innehat, besteht die Besetzung unter anderen aus der Sängerin Areti Ketime, Thomas Konstantinou (Oud, Laouto), Giorgos Kotsinis (Klarinette), Kristjan Randalu (Klavier) sowie Ko-Produzent Ziv Ravitz (Schlagzeug, Elektronik).

Rymden - Valleys and Mountains

Nach ihren bisherigen Ausflügen in den äußeren Kosmos - den hochgelobten Studioalben "Reflections and Odysseys", "Space Sailors" und dem kraftvollen Live-Album "RYMDEN+KORK" - sind RYMDEN mit ihrem neuen Album "Valleys and Mountains" auf die Erde zurückgekehrt. Doch wie es sich für das Trio Bugge Wesseltoft, Magnus Öström und Dan Berglund gehört, ist die Musik nicht streng erdverbunden - der innere Kosmos, Träume und Visionen bieten neben bukolischen Streifzügen und Wanderungen neue Räume zum Erkunden.

Sarah Chaksad Large Ensemble - Together

Seit über zehn Jahren bereichert Sarah Chaksad die europäische Jazzszene mit größeren bis großen Formationen. Für ihre Produktionen und Konzerte wird die Schweizer Alt- und Sopransaxophonistin und Komponistin international gefeiert. „Das Konzert war ein wahrer Triumph. Chaksad’s writing and arranging is first class and the enthusiasm shown by the band was very evident“, notierte Jazzwise im Januar 2023 über ein Konzert in Island.

Schikane - Der erste Biss darf nicht Salat sein

Dieses Album ist ein Aushängeschild der zeitgenössischen Berliner Szene und gleichzeitig ein Beweis dafür, dass sich in der Musik alles ständig weiterentwickelt. Jeder Klang ist unverkennbar zur richtigen Zeit am richtigen Ort, und die drei exzellenten Instrumentalisten, Improvisatoren und Komponisten lassen uns keinen Moment allein, indem sie immer wieder neue Ideen vorschlagen und neue Wege in der improvisierten Musik entdecken.

Shannon Barnett Quartet - Alive at Loft

Es begann mit der Idee des Pianisten und ‘Investigators’ Pablo Held: drei Bands spielen eine Woche lang jeden Abend ein Set ihrer Lieblingsstandards im Loft Köln. Ich war zunächst skeptisch, da das Quartett lange daran gearbeitet hat, seinen eigenen Sound im Rahmen meiner Originalkompositionen zu etablieren. Aber mir wurde schnell klar, dass dies eine großartige Gelegenheit sein könnte, die Musik, die ursprünglich mein Interesse an der Improvisation geweckt hat, zu würdigen und neu zu gestalten. Also wählte ich Stücke aus, dir mir zum einen etwas bedeuten und die zum anderen dem offenen und freien Spielgefühl der Band entgegen kommen würden.

Shramm - Androide Scrip

Angeblich hören wir täglich drei Stunden am Tag Musik - doch hören wir wirklich zu, oder dudelt da nur was nebenbei? Auf Plattformen wie Spotify werden täglich 100.000 Songs hochgeladen. Doch haben wir bei der Vielzahl noch ein Ohr für für Künstler, die im DIY- Verfahren ihre eigene Musik erschaffen, die abseits von Mainstream-Melodien ist?

Tomasz Chyła Quintet - Music We Like To Dance To

Eine Mischung aus Progressive Rock, Jazz-Rock und Jazz zugleich, ist dieses Album ein komplettes, stilistisch abgerundetes und erfülltes Ganzes. Musik voller außergewöhnlicher Emotionen, gespielt mit viel Schwung, Eloquenz und Fantasie. Alles wird mit kraftvoller Energie und Spielfreude serviert. Da ist dieser Funke, eine Art geniales und mystisches Sacrum, das einen immer mehr in seinen Bann zieht, je länger man es hört.

Tony Lakatos - Blue Chili

Tony Lakatos ist zweifellos die Lichtgestalt des Saxofons in der deutschen Jazzszene. Wie nur ganz wenige deutsche Jazzmusiker vor ihm hat er sich weltweite Anerkennung erspielt und ist pausenlos in Konzerten unterwegs, um das Erbe der Jazzgeschichte wach zu halten, dabei auch aktuelle Tendenzen mit einbeziehend, so war er zuletzt viel als überragender Solist des Ensembles Web Web mit Max Herre zu sehen.


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